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  • 07.11.2012, 13:19 Uhr
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  • Münster & Münsterland
IHK-Studie

„Industrie macht Region zum Gewinner“

Die nord-westfälische Industrie ist weitaus wichtiger für den Wohlstand in der Region als die amtliche Statistik vermuten lässt. Insbesondere die Exportunternehmen sorgen nach einer neuen Studie der Industrie- und Handelskammer (IHK) Nord Westfalen für Beschäftigung quer durch alle Wirtschaftsbereiche.

„Ein zusätzlicher Arbeitsplatz in der Industrie schafft einen weiteren Arbeitsplatz im Dienstleistungsgewerbe“, resümierte der stellvertretende IHK-Hauptgeschäftsführer Prof. Dr. Bodo Risch heute (7. November) in Münster bei der Vorstellung der Studie, die dem IHK-Bezirk zudem eine insgesamt positive Standortgunst bescheinigt – allerdings mit sehr deutlichen Unterschieden zwischen den einzelnen Kreisen und kreisfreien Städten im Münsterland und in der Emscher-Lippe-Region.

Ausgangspunkt für die Analyse des regionalen Strukturwandels, die Prof. Dr. Thomas Siebe im Auftrag der IHK Nord Westfalen durchgeführt hat, waren die zunehmenden Verflechtungen zwischen Industrie und Dienstleistungen sowie die starke internationale Nachfrage nach deutschen Produkten in den vergangenen zehn Jahren. „Die Wirtschaft im IHK-Bezirk Nord Westfalen hat davon überdurchschnittlich profitiert“, bilanzierte Risch. Vor allem die Investitionsgüterindustrie, einige andere exportorientierte Branchen, „aber auch die unternehmensnahen und distributiven Dienstleistungsbetriebe sind die Gewinner des Strukturwandels“.

Ergebnisse der Studie

Ergebnis: 200.000 Arbeitsplätze in Nord-Westfalen hängen inzwischen direkt oder indirekt vom Auslandsgeschäft ab, also jeder vierte sozialversicherungspflichtig Beschäftigte. Zehn Jahre zuvor war es nur jeder fünfte Arbeitsplatz. „Das ist ein weitaus höherer Wert als in anderen fortgeschrittenen Industrieländern“, betonte Risch. Wer dies insbesondere im Münsterland als „Anpassungsmangel im Strukturwandel“ verstehe, verkenne das Erfolgsrezept der Region. „Die Studie zeigt, dass die kräftigen Impulse aus der international wettbewerbsfähigen Industrie für die Dienstleistungen unverzichtbar sind“. Die Schlussfolgerung daraus ist für Risch eindeutig: „Eine Regionalstrategie, die auf ein autonomes Wachstum im Dienstleistungsbereich setzt, ist wenig aussichtsreich und trägt auf Dauer nicht“. Ein Umdenken gebe es inzwischen in anderen Ländern wie etwa in Großbritannien, das sich zu stark auf den Finanzsektor ausgerichtet habe. Die Studie bestätige insofern noch einmal die Zielrichtung der laufenden „Akzeptanzoffensive für die regionale Industrie“, der sich bereits über 250 Unternehmen angeschlossen haben.

Doch: Auch wenn die Exporterfolge der Industrie den Trend zur Dienstleistungswirtschaft im Untersuchungszeitraum abgebremst habe, „von einer Re-Industrialisierung kann indes nicht gesprochen werden“, gibt der Autor der Studie, Thomas Siebe, zu bedenken und verweist auf die Abhängigkeit von globalen Investitionszyklen.

Regionale Beschäftigungsentwicklung

In einem zweiten Teil befasst sich die IHK-Untersuchung mit zwei Einflussfaktoren auf die regionale Beschäftigungsentwicklung. In der Gesamtregion wird die Bundesentwicklung fast im Verhältnis 1:1 umgesetzt – „Beschäftigungsgewinne auf Bundesebene führen also zu einem gleich hohen prozentualen Zuwachs in der Region“, erläutert Risch: „Daneben gibt es allerdings auch noch Beschäftigungsänderungen, die den regionalen Standortfaktoren zuzuschreiben sind.“ Diese „autonomen“ Beschäftigungszuwächse bzw. -verluste belaufen sich in Nord-Westfalen auf plus 0,1 Prozent. Mit anderen Worten: „Unabhängig von der Konjunkturentwicklung wächst die Beschäftigung in der Region um knapp 1.000 Arbeitsplätze pro Jahr“.

Die Standortgunst ist allerdings in den Teilräumen des IHK-Bezirks ungleich verteilt. Einen „besonders guten Lauf“ hat die Stadt Münster, die einen jährlichen autonomen Beschäftigungszuwachs von 1,2 Prozent verzeichnet (d.h. knapp 1.600 Arbeitsplätze zusätzlich pro Jahr). Das Münsterland insgesamt hat einen konjunkturunabhängigen Beschäftigungszuwachs von 0,6 Prozent pro Jahr, die Emscher-Lippe-Region einen autonomen Verlust von 0,4 Prozent.

Dennoch bringt die Untersuchung auch eine gute Nachricht für die Emscher-Lippe-Region. Gegenüber den Vorgängeruntersuchungen aus 1998 und 2006 sind die Zahlen kleiner geworden, die Standortnachteile sind also geringer geworden. Außerdem ist der Konjunkturimpuls auf die Beschäftigung gestiegen, was auf eine stärkere Integration der vestischen Wirtschaft in die bundesweite Entwicklung schließen lässt. „Alles in allem also günstige Vorzeichen für eine ‚Bodenbildung’ im Strukturwandel, mit der begründeten Aussicht, dass es in den nächsten Jahren stärker bergauf gehen kann“, so Risch.

Als Fazit der Studie hält die IHK fest: „Das Geschäftsmodell der Region beruht auf innovativen international ausgerichteten Industrieunternehmen, die ein enges Netzwerk mit unternehmensnahen Dienstleistungen geknüpft haben“, so Risch: „Die Industrie macht uns zum Gewinner. Ihre Bedeutung als Transmissionsriemen für Wohlstand und Beschäftigung geht weit über ihren statistischen Anteil von etwa einem Fünftel der Wirtschaftsleistung hinaus.“

(Redaktion)


 


 

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