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  • 17.04.2015, 09:55 Uhr
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  • Münster / Münsterland
IHK Unternehmens-Befragung

Betriebe ächzen unter Bürokratie und Mindestlohn

Die Industrie- und Handelskammer Nord Westfalen in Münster befragt zurzeit 800 ihrer Mitgliedsbetriebe. Der Rücklauf ist gut. „Wir haben schon weit über 300 Antworten“, sagt Prof. Dr. Bodo Risch. Das zeige, so der stellvertretende Hauptgeschäftsführer, dass sich Firmen aufregten.

Risch spricht von einem hohen Maß an Rechtsunsicherheiten. Beispielsweise bei Subunternehmen in der Baubranche. Auch diese Firmen müssen den Mindestlohn einhalten. „Eigentlich muss der Auftraggeber in die Lohnliste schauen.“ Aber wer lässt sich in die Karten blicken?

„Für Firmen bedeutet die neue Mindestlohnregelung eine erhebliche Belastung“, so Risch. Nachlässigkeiten würden sofort geahndet. Der Zoll kontrolliert. Der IHK-Fachmann berichtet von einem Autohändler, der zu einer Strafe von 1.500 Euro verdonnert worden sei. Dabei hatten Mitarbeiter vergessen, abends ihre Zeiterfassung zu ziehen. Für die Kontrolleure ein Zeichen, dass die Arbeitszeit nicht eingehalten worden sei.

Die Dokumentationen sind das, was den Firmen auf den Nägeln brennt, bestätigt auch Michael Hoffmann, Sprecher der Handwerkskammer Münster. Mechthild Konerding, die als „Zauberfrau“ Hilfe im Haushalt für Familien, Singles und Senioren organisiert, sagt, dass der Mindestlohn für sie kein Thema sei, da die Stundenlöhne sowieso höher lägen. Im Gegenteil, freut sie sich, es werde Anbietern mit Dumpingpreisen schwerer gemacht. Die Dokumentationspflicht bezeichnet die Unternehmerin als etwas überzogen.

Mehrarbeit und bürokratische Belastung

Dieser Mindestlohn, der vor gut 100 Tagen eingeführt wurde, beschert allen Branchen Mehrarbeit und zusätzliche bürokratische Belastung.

„Das ist deutlich mehr geworden“, sagt Renate Dölling. Die Geschäftsführerin der Regionalstelle des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga) Westfalen beschreibt aber ein für diverse Gastronomiebetriebe noch größeres Problem: Wird beispielsweise in einem Restaurant eine Hochzeit gefeiert, dann muss der Gastronom eine zweite Mitarbeiterschicht einsetzen, um die gesetzlichen Arbeitszeiten einzuhalten. Der Dehoga sucht darum gerade das Gespräch mit Bundespolitikern, um zu erreichen, dass auch das Arbeitszeitgesetz neu überdacht wird.

Expansion trotz Mindestlohn

Doch von den neuen Regelungen lassen sich zwei junge Gastronomen aus Münster nicht demotivieren. Der Expansionsgedanke lässt Alexander Yazigi (29) und Jan-Ole Pioch (28) trotz des Mindestlohns nicht los: Sie möchten ihr Restaurant mit Lieferservice „Dine up“ weiter ausbauen. Das Duo verkauft an der Wolbecker Straße im „Dine up“ fitnessorientiertes Fast Food mit wenigen Kohlenhydraten. Beide Inhaber sind zufrieden, wie es läuft, und mit ihrem Mitarbeiterteam. Als Pioch und Yazigi mit dem Gedanken spielten, diesen Weg einzuschlagen, war von einem Mindestlohn noch keine Rede. „Da müssen wir jetzt durch“, sagen sie.

Der Biowissenschaftler Yazigi und der Betriebswirt Pioch wollen trotz zunehmender Bürokratie ihren Weg konsequent weitergehen. Gerade wurden sie vom Feinschmecker als „Fast Food vom Feinsten“ ausgezeichnet. Die Newcomer haben Sternekoch Wolfgang Stein mit im Boot, der ihnen Soßen kreiert. Schnellstmöglich möchten die beiden Gastronomen ihr Konzept in Richtung Köln und Düsseldorf transportieren.

(WN)


 


 

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