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  • 20.09.2016, 07:54 Uhr
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  • Münster / Münsterland
Immobilien

„Folgen nicht abgeschätzt“

15% weniger Immobilienfinanzierungen. RWGV-Chef Barkey sieht vor allem Senioren diskriminiert.

Obwohl sie ein schuldenfreies Haus besitzt und eine monatliche Rente von 750 Euro bezieht, hat eine 64-jährige Frau aus dem Rheinland von ihrer Bank keinen 35.000-Euro-Kredit für den behindertengerechten Umbau ihres Bades erhalten. Grund für die Nicht-Gewährung des Kredits: Die im März in Kraft getretene Wohnimmobilienkreditrichtlinie, die höhere Anforderungen an die Kapitaldienstfähigkeit von Kreditnehmern stellt. Davon betroffen sind vornehmlich ältere Kunden, denen – rein statistisch betrachtet – nicht mehr genügend Lebensjahre zur vollständigen Tilgung des Wohnkredits bleiben. Aber auch junge Familien haben es schwerer ihren Traum vom Eigenheim zu verwirklichen, da Elternzeit und Erziehungspausen als Risiken bewertet werden müssen, die einer Kreditvergabe im Wege stehen.

Nach Informationen des Rheinisch-Westfälischen Genossenschaftsverbands (RWGV) ist der Fall der älteren Dame kein Einzelfall. Wie der RWGV in einer Umfrage unter seinen Mitgliedern herausfand, führt die von der EU beschlossene und danach in deutsches Recht nicht nur umgewandelte sondern sogar verschärfte Richtlinie zu immer mehr Absagen von Kreditanträgen. Davon betroffen seien ältere Kunden selbst dann, wenn sie über eine gute Bonität verfügten.

Wie die Blitzumfrage des RWGV unter seinen Mitgliedern ergab, hat die Wohnimmobilienkreditrichtlinie bei vier von fünf Banken zu einem Rückgang der Kreditzusagen geführt. Im Schnitt lag die Zahl der Bewilligungen um etwa 15 Prozent unter der Vergleichszahl des Vorjahres. Besonders betroffen: Junge Familien mit Kindern und ältere Menschen. Auf Kritik bei den befragten Banken stieß auch der Mehraufwand an Personal, Zeit und Technik durch die Richtlinie. „Und dies ohne dass der Kunde einen Vorteil erfährt“, wie die Volksbanken und Raiffeisenbanken feststellen.

Für Ralf W. Barkey, Vorstandsvorsitzender des Rheinisch-Westfälischen Genossenschaftsverbands, ist die Wohnimmobilienkreditrichtlinie ein typischer Fall von mangelhafter Folgenabschätzung. Ralf W. Barkey: „Die Richtlinie erschwert die Finanzierung des altersgerechten Umbaus der eigenen vier Wände und den Aufbau von Immobilienvermögen für junge Familien. Senioren werden regelrecht diskriminiert. Das kann die Politik nicht gewollt haben. Hier muss nachgebessert werden.“

(Redaktion)


 


 

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