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  • 07.03.2013, 08:58 Uhr
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  • Münster & Münsterland
Industriepark Höchst

Erster Spatenstich für neue Kohlendioxid-Produktion der Westfalen AG

Zum ersten Spatenstich für eine neue Kohlendioxid- Produktionsanlage kamen im Industriepark Höchst die Gesellschafter der im Oktober 2012 gegründeten CO2 Betriebs-GmbH & Co. KG zusammen.

An dem Joint Venture sind vier mittelständische deutsche Gasehersteller beteiligt: Die Westfalen AG aus Münster hält 50 Prozent, die weiteren Kontingente übernahmen die basi Schöberl GmbH & Co. KG aus Rastatt, die Sauerstoffwerk Friedrich Guttroff GmbH aus Wertheim und die Rießner-Gase GmbH & Co. KG aus Lichtenfels. Die Gesellschafter investieren insgesamt fünf Millionen Euro in die Anlage, die im Herbst in Betrieb gehen soll.

Konzeption und Bau der Anlage hat die Westfalen AG übernommen. In den nächsten sechs Monaten entstehen auf einem 1 300 Quadratmeter großen Grundstück – gepachtet beim Standortbetreiber Infraserv GmbH & Co. Höchst KG – die neuen Gewerke. Als Rohstoff der Produktion dient Kohlendioxid (CO2), das bei der benachbarten Celanese Chemicals Europe GmbH im Rahmen der Vinylacetat- Herstellung anfällt. Der Umweltnutzen ist beachtlich: „Wir recyceln ein bisher nicht genutztes Abfallprodukt und sorgen für seine Wiederverwendung“, erläuterte Projektleiter Heinz Gausling von der Westfalen AG.

Vorzüge des Industrieparks Höchst

Auch bei Celanese freut man sich auf diese Kooperation: „Unsere Vinylacetat-Produktionsanlage im Industriepark Höchst gehört zu den größten ihrer Art. Durch die Anbindung an die neue Kohlendioxid-Anlage können wir die CO2-Luftemissionen unserer Vinylacetat-Produktion weitgehend reduzieren und ermöglichen zudem eine wertschöpfende Wiederverwendung“, betonte Arno Rockmann, Standortleiter von Celanese in Frankfurt und Technischer Geschäftsführer der Celanese Chemicals Europe GmbH. Aus Sicht von Dr. Roland Mohr, Geschäftsführer der Standortbetreibergesellschaft Infraserv Höchst, bestätigt das Projekt einmal mehr die Vorzüge des Industrieparks Höchst, in dem die rund 90 Unternehmen mit ihren Forschungs- und Produktionsaktivitäten ein vielfältiges Netzwerk bilden. „Innovative Projekte mit einem derartigen ökologischen Nutzen lassen sich idealerweise an großen Industriestandorten realisieren, an denen der effiziente Umgang mit Ressourcen zum Tagesgeschäft gehört“, so Dr. Mohr.

Eine 200 Meter lange Pipeline transportiert demnächst das Rohgas vom Celanese-Standort in das neue Werk. In der Maschinenhalle durchläuft es dann eine Reinigungs- und Verflüssigungsanlage. Danach wird das auf minus 25 Grad abgekühlte CO2 in einen der drei Hochtanks im Freien gepumpt. Jeder Tank kann 100 Tonnen flüssiges CO2 aufnehmen. Unmittelbar vor den Behältern entsteht eine Tankwagen-Verladestation, in der autorisierte Fahrer selbständig CO2 tanken können, um es dann zu Großkunden oder den Werken und Lägern der Gasehersteller zu transportieren.

Die Anlage kommt in der Regel ohne Bedienpersonal aus. Steuerung und Überwachung übernimmt die rund um die Uhr besetzte zentrale Leitwarte der Westfalen AG in Hörstel (bei Osnabrück). Darüber hinaus werden täglich in regelmäßigen Abständen Kontrollgänge von geschultem und eingewiesenem Personal durchgeführt. Bei gravierenden Störungen schaltet sich die Anlage automatisch ab.

Kohlendioxid wird in zahlreichen Branchen eingesetzt: in der Wasseraufbereitung (etwa zur Neutralisierung alkalischer Abwässer) ebenso wie in der Metallverarbeitung (zum Beispiel als Schutzgas in der Schweißtechnik). Besonders in der Lebensmittelherstellung (als sprudelnder Zusatz bei Getränken oder zum Verpacken unter Schutzatmosphären) und in der pharmazeutischen Industrie sind hohe Qualitätsstandards gefragt. Für die neue Anlage ist das kein Problem – sie erreicht Reinheiten bis 5.0 (99,999 Volumenprozent) und erfüllt damit die Anforderungen von Coca Cola und ISBT (International Society of Beverage Technologists). Eine ausgefeilte Analytik ist vor Ort in der Lage, die Qualität des hergestellten Gases jederzeit und blitzschnell zu überprüfen.

Neben der Klasse ist aber auch die Masse kein Thema: Pro Stunde kann die neue Anlage 3,4 Tonnen Kohlendioxid produzieren, was einer Jahresleistung von etwa 28.000 Tonnen entspricht. „Als mittelständische Gasehersteller setzen wir mit unserer ersten eigenen CO2-Produktion ein deutliches Zeichen. Bislang mussten wir Kohlendioxid von Wettbewerbern und unabhängigen Produzenten beziehen“, berichteten Gerhard Schlüter und Dr. Thilo Rießner. „Mit dieser Produktion machen wir uns ein Stück unabhängiger von Lieferanten und verbessern die Liefersicherheit für die Anwender“, freuten sich die beiden Geschäftsführer der CO2 Betriebs-GmbH & Co. KG.

(Redaktion)


 


 

Heinz Gausling
Arno Rockmann
Dr. Roland Mohr
Dr. Thilo Rießner
Schöberl GmbH & Co. KG
Westfalen AG
Sauerstoffwerk Friedrich Guttroff GmbH
Rießner-Gase GmbH & Co. KG
Infraserv GmbH & Co. Höchst KG
Celanese Chemicals Europe GmbH
CO2 Betriebs-GmbH & Co.

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