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  • 16.10.2013, 09:21 Uhr
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  • Münster / Münsterland
Inklusion im Betrieb

Neue Berufe für Menschen mit Behinderung

Sechs von zwölf Mitarbeitern im Catering-Betrieb von Marco Remuß haben eine Behinderung. Das Team wird gefordert und gefördert, denn auch die Mitarbeiter mit Handicap sollen eine Ausbildung machen und abschließen. Seit Kurzem ist der Gastroservice ein "inklusiver Betrieb".

Schnibbeln, spülen, auch servieren: Im Catering-Betrieb von Marco Remuß brummt es auch an diesem Tag wieder. 1.200 Essen liefert der Hotelmeister aus Rheine täglich aus. Seine Kunden sind Schulen und Kindergärten im gesamten Münsterland. Parallel dazu betreibt der 42-jährige Un­ter­­­nehmer mehrere Kantinen. „Über zu wenig Arbeit können wir uns bestimmt nicht beklagen“, sagt er. Zu seiner Belegschaft gehören zwölf Mitarbeiter, sechs davon haben Behinderungen.

„Das Abenteuer Inklusion“ 

Remuß‘ Gastroservice ist ein sogenannter inklusiver Betrieb. Die erleben derzeit ei­nen regelrechten Boom. „Das Abenteuer Inklusion“ – so je­­denfalls nennt der Chef das – beginnt gerade erst.

Warum denn nicht? Der 42-Jährige kontert die Frage nach dem "Warum", die unweigerlich kommen muss, sofort mit einer Gegenfrage. Warum nicht Menschen, die wollen, aber nicht alles können, eine faire Chance geben? Das ist eigentlich keine Gegenfrage, das ist vielmehr ein Bekenntnis. Und wer ihn auch nur kurz in der Küche zusammen mit seiner Mannschaft arbeiten sieht, spürt: Der Mann lebt, was er erzählt.

Katharina Böcker aus Sendenhorst arbeitet zwar erst seit ein paar Wochen für den 42-Jährigen, ist aber schon voll des Lobes. Über ihren Chef, die Arbeit, den Betrieb und das Betriebsklima. Ihre Aufgaben? „Alles, was so anfällt“, sagt sie da. Und das ist eine ganze Menge. Es fängt beim Spülen an und hört bei der Kontrolle von Lieferzetteln längst noch nicht auf.

Als inklusives Unternehmen ist Remuß erst seit Kurzem am Markt. Vor ein paar Wochen hat er in einem eher üppigen Büro und Geschäftshaus-Komplex eine weitere Kantine übernommen und brauchte zusätzliche Mitar­beiter.

Vermittlung durch den In­tegrati­onsdienst des LWL

Letzteres war für ihn so etwas wie eine Initialzündung, sich auf das Abenteuer einzulassen. Warum denn auch nicht? Die Arbeitsagentur vermit­telte ihn an den In­tegrati­onsdienst des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe, der ihn wiederum mit ar­beitsuchenden Behinderten zusammenbrachte. Ein paar Praktika und einige „mistkomplizierte Formulare“ später haben nun sechs junge Menschen mit Handicap bei dem Caterer eine feste Anstellung bekommen – mit Löhnen nach Tarif und der Chance auf mehr: Remuß sucht nämlich nicht nur Ar­beitskräfte. Er hat die sechs unter seine Fittiche genommen, fordert sie und fördert sie so gut es geht. Wer kann, soll bei ihm einen Abschluss machen.

Nach der Expansion ist vor der Expansion. Der 42-Jährige plant bereits das nächste Projekt: Er will eine weiter Kantine übernehmen, „vielleicht kann ich dann ja noch ein paar Menschen mit Handicap von der Straße holen“.

(Elmar Ries)


 


 

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