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  • 04.03.2013, 09:55 Uhr
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  • Münster
Innenstadt-Entwicklung

Das Kaufhaus-Prinzip als provozierende These

Mit seiner Vision zur zukünftigen Entwicklung der münsterischen Innenstadt polarisierte Marketing-Experte Prof. Dr. Klaus Backhaus am vergangenen Donnerstag bei der Veranstaltung der Initiative Starke Innenstadt (ISI). Seine Thesen ernteten sowohl Widerspruch als auch Lob.

In einem Kaufhaus bleibt nichts dem Zufall überlassen. Wie sehen die Wegebeziehungen aus? Wo wird das Restaurant platziert? Wo stehen die Wühltische, wo die Sitzbänke? All diese Fragen müssen berücksichtigt werden. In einem Kaufhaus ist es undenkbar, dass Kleiderstände mit modischen Blusen zwischen die Fernseher gepackt werden. Es ist auch undenkbar, dass die Kassierer in der Schreibwarenabteilung um 19 Uhr die Arbeit beenden, während die Kolleginnen aus der Parfümabteilung bis 20 Uhr bereitstehen.

Ginge es nach dem Marketing- Experten Prof. Dr. Klaus Backhaus, dann würde die weitere Entwicklung der münsterischen Innenstadt nach dem Kaufhaus-Prinzip funktionieren. Auf jeden Fall stellte er bei einer Veranstaltung der Initiative Starke Innenstadt (ISI) am Donnerstagabend letzter Woche seine Vision eines „virtuellen Kaufhauses“ mit Namen Münster vor.

Da konnte Widerspruch natürlich nicht ausbleiben. Stadtdirektor Hartwig Schultheiß hielt vor rund 200 Gästen im Restaurant A2 am Aasee der Backhaus-These entgegen, dass eine „authentische Stadt“ viel mehr zu bieten habe als ein Einkaufszentrum. Und Oberbürgermeister Markus Lewe nannte ein Bedürfnis, dass besagtes Kaufhaus garantiert nicht erfüllen kann: „Ich möchte auch mal in eine Kirche gehen.“

„Virtuelles Kaufhaus“ als Steuerungs-Instrument

Der Marketing-Professor erwiderte, dass er nicht einer Kommerzialisierung der Innenstadt das Wort reden wolle. Das „virtuelle Kaufhaus“ („oder wie auch immer man das nennen möchte“) sei für ihn in erster Linie ein Steuerungs-Instrument: „Lassen Sie die Innenstadt nicht sich selbst entwickeln“, rief er den Kaufleuten, Hauseigentümern und Vertretern der Stadt zu.

Wenn Münster seine zweifelsfrei vorhandene Attraktivität behalten wolle, dürfe es nicht in das Ermessen einzelner Unternehmen gestellt werden, „wo welches Geschäft und welches Restaurant eröffnet wird“. Ein Satz, bei dem viele der Anwesenden tief durchatmen mussten.

Online-Konkurrenz erfordert „Erlebnishandel“

Doch Backhaus ließ sich nicht beirren: Da der Online- Handel die Innenstädte vor gewaltige Herausforderungen stelle, so seine These, müsse Münster konsequent auf „Erlebnishandel“ setzen. Dieser habe aber ein abgestimmtes Vorgehen aller Beteiligten einschließlich der Kulturinstitutionen zur Voraussetzung.

Ein ausdrückliches Lob für diese Forderung bekam Klaus Backhaus von Matthias Lückertz, Sprecher der Initiative Starke Innenstadt. Jeder Hauseigentümer in der Innenstadt müsse sich dessen bewusst sein, dass der Wert seiner Immobilie ganz eng mit der Attraktivität der Innenstadt verknüpft sei. „Einzig und allein Qualität darf dabei der Maßstab sein.“

(Klaus Baumeister)


 


 

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