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  • 19.11.2013, 12:13 Uhr
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  • Münster / Münsterland
Insolvenz

Ausfall der Mittelstandsanleihe durch Insolvenz bei Getgoods

Alles sah so gut aus: Trikotsponsor beim Zweitligisten Arminia Bielefeld, Werbepartner bei Boxkämpfen, Sponsor der Handball-Nationalmannschaft – beim Online-Elektronikhändler Getgoods.de schien der Laden zu brummen. In der vergangenen Woche meldete das Unternehmen aus Frankfurt an der Oder dann überraschend Insolvenz an.

Der vorläufige Insolvenzverwalter Rüdiger Wienberg will die Firma nach Möglichkeit sanieren. Kunden können weiterhin Bestellungen aufgeben und sollen bereits bezahlte Ware auch erhalten. Bitter ist die Pleite hingegen für Kleinanleger, die in den vergangenen Monaten die Mittelstandsanleihe des Internethändlers gezeichnet haben. Sie müssen mit einem Totalverlust rechnen.

Insolvenzen sind am Markt für Mittelstandsanleihen kein Novum. Bis zur Pleite von Getgoods gab es am vergleichsweise jungen Markt sieben Zahlungsausfälle – allerdings ausschließlich bei Unternehmen aus der Bereich der erneuerbaren Energien. „Dass es ein ECommerce-Unternehmen trifft, ist ein Novum“, sagt Christoph Morisse vom Branchendienst Anleihen-Finder in Düsseldorf. Erstaunlich sei nicht nur der Zeitpunkt der Insolvenz kurz
vor dem Weihnachtsgeschäft. Selbst für Profis sei anhand der Geschäftszahlen nicht erkennbar gewesen, wie schlecht es um Getgoods – nach eigenen Angaben Deutschlands zweitgrößtes Online-Handelshaus – stand.

Konkret waren 2012 bei einem Umsatz von 400 Millionen € am Ende nur 1Million € in der Kasse geblieben. Experten hatten trotzdem keinen Grund zur Sorge gesehen – schließlich arbeiten die meisten Internetversender nicht kostendeckend. So steigt beispielsweise beim Schuhhändler Zalando der Umsatz, allerdings auch der Verlust . Die Sorge um den Ruf der Mittelstandsanleihen ist deshalb groß. Morisse: „Insgesamt ist das Vertrauen beschädigt.“

Mittelstandsanleihen locken Anleger mit außergewöhnlich hohen Zinsen. Renditen von bis zu neun Prozent sind keine Seltenheit. Bei der Platzierung werden inzwischen verstärkt Privatleute angesprochen – nicht zuletzt, weil sich namhafte Unternehmen wie Air Berlin, Seidensticker oder Underberg unter den Emittenten
befinden. Getgoods hatte seit September 60 Millionen € eingesammelt und den Investoren eine Verzinsung von 7,75 Prozent jährlich versprochen. Geplant war eine Laufzeit bis Oktober 2017. Am Samstag wäre eine Zinszahlung von 1,2 Millionen € fällig gewesen. Zu der war es freilich nicht mehr gekommen, weil der Händler zuvor den Weg zum Amtsgericht angetreten hatte.

Morisse rechnet mit weiteren Pleiten. „Der Markt wird weiter wachsen. Aber es wird auch eine Marktbereinigung geben.“ Die Düsseldorfer Börse fordert bereits ein Mindestrating für Anleihen, die in der Landeshauptstadt gehandelt werden. Bislang war der Börsenplatz Düsseldorf dadurch gegenüber den Konkurrenten in Frankfurt und Stuttgart ins Hintertreffen geraten.

(WN)


 


 

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