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  • 02.02.2015, 09:25 Uhr
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  • Münster / Münsterland
Jedes Jahr 1.500 Mülltonen mehr

Münsters Bevölkerungswachstum hat gewaltige Auswirkungen auf die Infrastruktur

Nach einer vorliegenden Prognose des Landes NRW wächst Münster bis zum Jahr 2030 auf knapp 330.000 Einwohner an. Was bedeutet dies für die Infrastruktur? Wir beleuchten sieben ausgewählte Bereiche.

Müllabfuhr

Die Abfallwirtschaftsbetriebe Münster (AWM) gehen davon aus, dass bis 2030 die Zahl der Abfallbehälter, die geleert werden müssen, um 1500 pro Jahr steigt. Derzeit sind rund 155.000 Behälter im Einsatz. Das Abfallaufkommen wird vermutlich um 14.000 Tonnen im Jahr steigen.

Bei der Straßenreinigung macht sich das Bevölkerungswachstum ebenfalls bemerkbar, vor allem aber registrieren die AWM, dass immer mehr Freizeitaktivitäten der Bevölkerung nach draußen verlagert werden und mit einer entsprechenden Verschmutzung verbunden sind.

Speziell im Innenstadtbereich führt die steigende Zahl der Einwohner und parkender Autos zu verstärkten Behinderungen für die Müllabfuhr.

Abwasserbeseitigung

Das aktuelle Abwassernetz ist nach Auskunft des Tiefbauamtsleiters Michael Grimm ausreichend dimensioniert, um eine wachsende Zahl an Haushalten berücksichtigen zu können.

Anders sehe es bei den Kapazitäten der fünf in Betrieb befindlichen Kläranlagen aus. Die Anlage in Häger läuft perspektivisch aus, bei den verbleibenden Anlagen kann man laut Grimm mit vertretbarem Aufwand noch einmal eine Leistungssteigerung um zehn Prozent realisieren.

Der Amtsleiter hält es für denkbar, dass im kommenden Jahrzehnt Investitionen zwecks Erweiterung der Kläranlagen erforderlich werden. Ein Ausbau wird vermutlich auch deshalb notwendig, weil die Landesregierung darüber nachdenkt, eine vierte Reinigungsstufe für Kläranlagen vorzuschreiben. Diese soll Arzneimittelreste aus dem Abwasser herausfiltern.

Gas, Wasser, Strom, Fernwärme

Die Stadtwerke Münster sehen den absehbaren Bevölkerungszuwächsen in Münster uneingeschränkt positiv entgegen. Die Netze können nach Auskunft der Geschäftsführer Dr. Henning Müller-Tengelmann und Dr. Dirk Wernicke problemlos 30.000 Einwohner mehr verkraften. Wegen des hohen Fixkostenanteils beim Netzbetrieb würden sich mehr Verbraucher und damit steigende Umsätze auf jeden Fall wirtschaftlich positiv bemerkbar machen.

Kindergärten

Die Jugendamtsleiterin Anna Pohl denkt noch nicht an das Jahr 2030. Ihr „genügt“ die Bevölkerungsprognose, die bis zum Jahr 2020 reicht. Auf dieser Basis geht Pohl davon aus, dass im Vergleich zum aktuellen Zustand rund 1.000 zusätzliche Kita-Plätze für Kinder unter drei Jahren und weitere 1000 Plätze für Kinder zwischen drei und sechs Jahren benötigt werden.

Dieser Ausbau sei mit immensen Investitionen verbunden. Für den Stadtbezirk Mitte gibt Pohl überdies zu bedenken, dass die Flächen für potenzielle neue Standorte knapp werden und sich eine „zunehmende Nutzungskonkurrenz“ ergebe. Deshalb wünscht sie sich einen Masterplan, um Reserveflächen im Stadtbezirk Mitte absichern zu können.

Schulen

Rund 1.000 Grundschüler mehr erwartet Schulamtsleiter Klaus Ehling bis zum Jahr 2020. Das entspricht umgerechnet rund 40 Schulklassen. Da die Raumkapazitäten weitgehend ausreizt sind, geht Ehling davon aus, dass bestehende Schulen erweitert und neue gebaut werden. Investitionen seien auch deshalb erforderlich, weil schulische Angebote im Bereich des Ganztages und der Inklusion zusätzliche Flächen in Anspruch nehmen würden.

Landwirtschaftschaftliche Nutzfläche

Münsters Landwirte verlieren pro Jahr rund 100 Hektar Acker- und Weideland, das sie nicht mehr nutzen können, weil es anderweitig überplant wird. Die Fläche entspricht umgerechnet 140 Fußballfeldern. „Das ist zu viel“, so der Kommentar von Susanne Schulze Bockeloh, Vorsitzende des landwirtschaftlichen Kreisverbandes. Die Debatte über die wachsende Stadt löse bei den Landwirten ambivalente Gefühle aus. Einerseits sei man froh über die Attraktivität Münsters, andererseits gehe der Flächenverbrauch zu Lasten der Landwirtschaft.

Gewerbeflächen

Münsters Wirtschaftsförderer Dr. Thomas Robbers macht sich – zumindest quantitativ – keine Sorgen, dass Gewerbeflächen in der wachsenden Stadt zur Mangelware werden könnten. „Im Regionalplan ist ein auskömmliches Potenzial an Reserveflächen ausgewiesen.“ Diese Sicherheit sei dem Umstand geschuldet, dass Münsters Stadtgebiet sehr groß sei. Im Detail indes gebe es sehr wohl Probleme, etwa bei der Versorgung mit Flächen im Norden und im Westen Münsters.

Einen Lärmkonflikt zwischen Wohn- und Industriegebieten sieht er nicht. Bei den dafür in Frage kommenden Standorten – Hessenweg, Loddenheide und Hans-Business-Park – gebe es keine angrenzende Wohnbebauung.

(Klaus Baumeister, WN)


 


 

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