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  • 20.11.2012, 11:00 Uhr
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  • Münster & Münsterland
Jobcenter Münster

"Wir wollen keinen jungen Menschen verlieren"

Wie das U 25-Team Schulabgänger an die Hand nimmt: Berufsausbildung, weiterführende Schule oder Studium.

Selbst zum Ende des Jahres finden manche noch eine Ausbildungsstelle, kriegen Jugendliche doch die Kurve, in der Schule weiterzumachen. Diese Erfahrung macht das "U 25-Team" des städtischen Jobcenters. Seit die Stadt im Januar 2012 die alleinige Trägerschaft der Grundsicherung für Arbeitsuchende übernommen hat, bietet dieses Team jungen Menschen ein individuelles Coaching an: für Schülerinnen und Schüler ab 15 Jahren, für Ausbildungssuchende und ihre Eltern. Jobcenter-Leiter Ralf Bierstedt: "Wir wollen keinen jungen Menschen verlieren. Bildung und Ausbildung sind unsere wertvollsten Werkzeuge im Einsatz für Chancengerechtigkeit und gegen Armut."

Positive Signale aussenden

Immer wieder positive Signale aussenden, motivieren und zum Selbst-Machen ermuntern, das ist wichtig für die Jobcoaches im U 25-Team. "Manche Jugendliche bekommen wenig oder gar keine Unterstützung aus ihrem Elternhaus. Da tragen unsere Impulse und Hilfen maßgeblich dazu bei, dass plötzlich doch Entwicklung möglich wird", weiß Jobcoach Frank Schuerhoff. Das geht allerdings nur, wenn in den wichtigen Jahren zwischen 15 und 25 eine engmaschige Betreuung gewährleistet ist.

Beispiel Michael L.: Nach der Hauptschule hatte er mit 17 Jahren ein Berufsgrundschuljahr begonnen und wollte Kfz-Mechatroniker werden. Zu Hause lief es nicht gut. Michael war wenig motiviert, unzuverlässig, hatte zum Halbjahr 70 unentschuldigte Fehlstunden. Da winkt jeder Arbeitgeber ab - so auch der Betrieb, den Michael im Blick hatte. Frank Schuerhoff unternahm noch Vermittlungsversuche, aber auch eine Einstiegsqualifizierung, ein vom Jobcenter finanziertes Praktikum, das einer Ausbildung ähnelt, kam nicht in Frage. Mittlerweile hatte der junge Mann sein Berufsgrundschuljahr ohne Abschluss und mit schlechten Noten beendet. "Für die Kfz-Branche war er damit weg vom Fenster", berichtet Schuerhoff. "Aber so ein junger Mensch muss doch auch zeigen können, dass er aus Fehlern lernt." Eine Art Schnupperlehrgang für weitere Berufsfelder war letztlich das Auffangbecken. Hier kann er sich beruflich neu orientieren und die Chancen auf eine Berufsausbildung erhöhen. Bislang hält Michael L. den fest strukturierten Alltag dort durch.

Das U 25-Team richtet seine Aktivitäten nach dem Jahreskalender aus. Zum Januar, vor der Anmeldefrist für weiterführende Schulen, wendet sich das Jobcenter direkt an jede und jeden Einzelnen und bietet Hilfe und Beratung an. Im Herbst wird nochmals bei allen nachgehakt, die keinen höheren Bildungsabschluss anstreben, aber auch noch keine Ausbildungsstelle haben. 520 Schulabgänger mit Grundsicherung waren dem Jobcenter zum Schuljahresbeginn bekannt. Die Jobcoaches haben diese telefonisch oder persönlich angesprochen. Denen, die noch nicht versorgt waren, haben sie bei Bewerbungen geholfen, sie in Ausbildungsstellen vermittelt oder Alternativangebote unterbreitet. Teilweise wurden die Eltern mit einbezogen.

Zwischenbilanz

231 Schulabgänger sind im Jahr 2012 bereits von Grundsicherung unabhängig geworden, in Arbeit oder eine überbrückende Maßnahme gewechselt. 146 haben sich für eine weiterführende Schule entschieden, 28 für ein Studium. 31 warten aktuell auf eine kurzfristige Ausbildungsplatzzusage, weitere 84 konnten bereits eine Ausbildungsstelle antreten.

(Redaktion)


 


 

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