Weitere Artikel
  • 29.06.2015, 08:34 Uhr
  • |
  • Münster / Münsterland
Kampf der Start-ups

Skater Legende Titus Dittmann coacht im ZDF junge Unternehmer

Titus Dittmann warten zu lassen, ist keine gute Idee. Der Mann steht immer unter Strom, hat immer etwas zu tun. Am 30. Juni läuft seine Serie „Kampf der Start-ups“ im ZDF an, dafür hat er jede Menge zu tun. Trotzdem hat Redakteur Stefan Werding ihn ein paar Minuten schmoren lassen.

Hallo Herr Dittmann, sorry, hab gerade noch einen Anruf reinbekommen. Sind Sie immer pünktlich?

Titus Dittmann: Ich möchte immer ein ganz pünktlicher Mensch sein und habe immer einen Hals, wenn andere unpünktlich sind. Ich ärgere mich aber auch über mich, dass ich nicht immer pünktlich sein kann.

Bei all Ihren Aufgaben ist das wahrscheinlich auch nicht anders zu machen.

Dittmann: Wie soll ich sagen? Ich fühle mich immer für alles auf dieser Erde verantwortlich. Das ist ein hoher Anspruch an einen selbst und nicht immer einfach. Gott sei Dank habe ich da von meiner Mutter ein paar Dinge mit auf den Weg bekommen. Wenn ich die Treppe runterfalle und mir einen Arm breche sage ich: „Boah, was für ein Glück, dass ich mir nicht das Genick gebrochen habe.“

Gehören Sie zu den Menschen, die aus einer Krise gestärkt hervorgehen?

Dittmann: Ja klar, ich bin dafür ja der lebende Beweis. Ich habe selbst eine sehr große Krise erlebt, aus der ich gestärkt herausgekommen bin. Alle halten es für wahnsinnig, dass man so eine Krise besteht, ohne daran zu zerbrechen.

Meinen Sie Ihre Insolvenz?

Dittmann: Das war keine Insolvenz, aber ich war nah dran. (Anm. der Redaktion: Vor rund zehn Jahren geriet die Titus AG in eine schwere Krise. Das Unternehmen wurde zwischenzeitlich von den Banken kontrolliert, bevor Dittmann es zurückgekauft hat). Wenn man in drei Jahren 22 Millionen Euro in den Sand setzt und die nicht hat, dann ist das eine existenzielle Krise. Aber ich bin daran gewachsen.

Wie sehen das die, denen Sie damals Geld geschuldet haben?

Dittmann: Ich habe damals meinen Lieferanten gesagt: Wenn alle von euch auf 15 bis 20 Prozent ihrer Forderungen verzichten, dann bekomme ich alles bezahlt. Als sich das herumgesprochen hat, haben nachher alle mitgespielt. Selbst die Bank hat verzichtet, so dass ich über die Runden gekommen bin. Die Auswirkungen dieser Zeit merke ich aber heute noch. Man muss halt die Konsequenzen tragen.

Jetzt beraten Sie im Fernsehen junge Menschen bei ihrer Unternehmensgründung.

Dittmann: Es hat mich sehr gefreut, dass das ZDF auf mich zugekommen ist. Meine Erfahrungen mit jungen Start-ups zu teilen, bringt mir auch was. Ich genieße das, weiß aber, dass es auch ganz schnell wieder vorbei sein kann. Mit 66 starte ich plötzlich noch mal neu durch und erfahre unglaublich viel Anerkennung. Das tut einfach gut.

Woran liegt das?

Dittmann: Das Wissen, das ich mir selber angeeignet habe, und die Erfahrungen, die ich in meiner Krise gemacht habe, interessieren zum Glück viele. Meine persönlichen Erfahrungen sind für Gründer nachvollziehbar, weil ich kein betriebswirtschaftliches Kauderwelsch labere, sondern mich auf einfache Lebensweisheiten reduziere.

Welche?

Dittmann: „Das Herz muss brennen.“ oder „Man muss Leidenschaft für etwas haben.“ Das sind Sachen, die eigentlich jeder weiß. Ich versuche, dafür zu sorgen, dass sie umgesetzt werden.

Was ist Ihr Job in der neuen Sendung?

Dittmann: Meine Rolle ist die des Coaches. Links und rechts von mir sitzt ein Investor. Wir lassen uns pro Sendung zehn junge Unternehmen präsentieren. Zu dritt entscheiden wir, welche zwei weiterkommen.

Nach welchen Kriterien wählen Sie denn aus?

Dittmann: Bei mir spielt eine sehr große Rolle, wie die Unternehmerpersönlichkeiten sind. Sind die authentisch? Stehen die hinter ihrer Idee? Brennen die dafür? Ganz wichtig: Ich muss Leidenschaft spüren. Das ist die Hauptvoraussetzung, um erfolgreich zu sein. Um andere begeistern zu können, muss man selbst begeistert sein. Ansonsten kann man es besser lassen. Wenn man selbst 100 Unternehmen gegründet hat, kennt man den Markt da draußen.

100 Unternehmen? Wie viele davon gibt es denn noch?

Dittmann: Bestimmt über 50. In Münster gibt es noch jede Menge. Gerade durch die Krise bin ich massenhafter Gründer von Unternehmen geworden.

Und Sie haben Wohltätigkeitsprojekte wie Skate Aid initiiert.

Dittmann: Jedes dieser Projekte muss ich genauso aufbauen wie ein Unternehmen. Das muss strukturiert sein. Da muss eine Strategie vorhanden sein. Dafür ist ein Markenaufbau notwendig.

Auch in Afghanistan oder Uganda?

Dittmann: Gerade da. Je weiter man von Deutschland mit seiner Verwaltung und Ordnung wegkommt, desto mehr muss man Unternehmer sein, kreativ und leistungsbewusst sein und einen festen Willen haben.

Sie haben beim 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring in ihrer Klasse den zweiten Platz gewonnen. Was treibt Sie da an?

Dittmann: Ich kann mich noch gut an die zwei Sätze erinnern, die ich in den 50er und 60er Jahren immer gehört habe: „Halt den Mund, wenn die Erwachsenen reden.“ und „Werd erst mal erwachsen.“ Eigentlich warte ich heute immer noch darauf, dass ich endlich den Mund aufmachen darf und endlich groß werde. Deswegen versuche ich wahrscheinlich jeden Tag aufs Neue, allen zu beweisen, dass ich groß bin und mitreden kann. Ich kann einfach nicht aufgeben. Das erlaubt mein Innerstes nicht.

Deswegen die Autorennen?

Dittmann: Autorennen ist wie Skateboard fahren. Beides ist ein ganz erhabenes Gefühl. Sich in Grenzbereichen zu bewegen und ein Gerät zu beherrschen, ist großartig. 99 Prozent der Menschheit wäre dieser Situation nicht gewachsen. Es ist der Hammer, zu dem letzten Prozent zu gehören. Das passiert, wenn ich auf dem Nürburgring gegen Profi-Rennfahrer mithalten kann. Es gibt ein gutes Gefühl, wenn man etwas kann, das andere nicht können. Das übertragen wir auch auf unsere Arbeit mit Jugendlichen und Kindern etwa in Afghanistan: Wenn ein Mensch etwas besser kann als alle anderen, ist das selbstwirksam, sinn- und identitätsstiftend – und dadurch extrem persönlichkeitsbildend.

Sendetermine: 30. Juni um 0:50 Uhr, 1. Juli um 0:45 Uhr und 8. Juli um 0:45 Uhr.

(Stefan Werding, WN)


 


 

Startups
Start-ups
Gründer
Coach
Titus Dittmann
TV
Mensch
ZDF

Passende Artikel suchen

Finden Sie weitere Artikel zum Thema "Startups" - jetzt Suche starten:

Entdecken Sie business-on.de: