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  • 21.08.2013, 09:27 Uhr
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  • Münster
Kanal-Schifffahrt

Kanaltankwart aus Münster spürt den Schleusenstreik

Normalerweise versorgt Uwe Barenbrügge die Binnenschiffer und Sportbootfahrer auf dem Kanal in Münster mit Sprit. Durch den Streik ist es ruhig geworden. Auch die Firma Agravis spürt die Auswirkungen der Protestaktion und verlagert Fracht derzeit vom Schiff auf den Lkw.

Uwe Barenbrügge sitzt an der Quelle. Binnenschiffer tanken bei ihm. Auch Sportboote legen an seiner Bunkerstation auf dem Dortmund-Ems-Kanal an. „Moin“, begrüßt Uwe Barenbrügge die Kunden. Viele von ihnen kennt der 58-Jährige seit Jahren persönlich, meist bleibt noch Zeit für einen kleinen Schnack. Wenn jetzt erneut die Schleusenmitarbeiter streiken, sitzt Uwe Barenbrügge förmlich auf dem Trockenen. Dann ist kaum etwas für ihn zu tun. Dann herrscht auf seinem Schiff „Loh-Tank II“ auf dem Kanal an der Rheinstraße einigermaßen Ruhe.

Der Schleusenstreik, sagt Barenbrügge, hilft den Mitarbeitern der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung. Binnenschiffer und Betriebe wie die Bunkerstation Lohmann oder die Agravis Raiffeisen AG leiden unter dem Streik, der innerhalb kürzester Zeit zum dritten Mal durchgeführt wird.

Protestaktion ist spürbar

Wenngleich die münsterische Schleuse weiter arbeitet, weil Beamte an den Hebeln sitzen, bekommt auch Uwe Barenbrügge die Protestaktion zu spüren. Normalerweise ziehen tagsüber zahlreiche Schiffe an seinem 23 Meter langen Schiff „Loh-Tank II“ vorbei. „Aber nicht mehr so viele wie vielleicht vor 20 Jahren“, so der 58-Jährige. „Die Schiffe werden zwar weniger, dafür aber größer.“ Früher waren 67 Meter eine gängige Länge, heute messen die Schiffe 85 Meter, erklärt der Fachmann, der demnächst mit 110 Meter langen Schiffen rechnet.

Normalerweise können Binnenschiffe heute zwischen 5.000 und 6.000 Liter Diesel bunkern. Was aber selten passiert. Dafür gibt es einen Grund: „Die Binnenschiffer fahren lieber Fracht durch die Gegend als Sprit“, erklärt Uwe Barenbrügge. Wer volltankt, kann sich von dem Geld, das er dafür zahlen muss, bald einen Kleinwagen leisten, beschreibt der 58-Jährige die Größenordnung.

Viele Binnenschiffer nutzen den "Aldi-Anleger"

Doch Uwe Barenbrügge hat Glück. Er ist mit der Lohmann-Bunkerstation, die seit 60 Jahren in Münster betrieben wird, allein am Kanal in Münster vertreten. Früher kaufte Barenbrügge für die Binnenschiffer auch Lebensmittel ein. Ein Anruf genügte und Uwe „Bunkerdienst“ wie ihn ein Freund taufte, versorgte die Kundschaft neben Schiffszubehör auch mit Kartoffeln, Hundefutter und Brötchen. Heute seien die Binnenschiffer mobiler. Viele nutzten den „Aldi-Anleger“ an der Robert-Bosch-Straße in Münster.

Uwe Barenbrügge wirft heute nur noch selten einen Blick auf die vorbeifahrenden Schiffe. Dafür sieht er die Kolosse zu oft. Aber ein Boot wie die „Albatross“ lockt selbst den 58-Jährigen an die frische Luft. Mit Kennermiene schaut Barenbrügge sich das Schiff an, das Vater und Sohn von Hamburg nach Emmerich überführen. Das Sportboot ist ein Oldtimer, Baujahr 1974 und mit 300 PS ausgestattet. „Ein feines Schiff“, sagt Barenbrügge und füllt wie gewünscht 100 Liter Diesel in den Tank. Bis an den Niederrhein wollen die Schiffseigner mit der Tankfüllung kommen. Barenbrügge nickt, „wird schon klappen“.

Rund 20 Jahre kümmert sich der 58-Jährige inzwischen um die Bunkerstation, die zum Unternehmen Lohmann in Haren gehört. Eine 60-Stunden-Woche war früher üblich, heute hat Uwe Barenbrügge seinen Dienst auf 40 Stunden zurückgefahren. Das Handy immer am Ohr. Und wenn er persönlich Urlaub macht, dann fährt er am liebsten auf einem Binnenschiff mit. Der Main, schwärmt der Münsteraner, sei ein ganz tolles Flüsschen.

Agravis verlagert Fracht vom Schiff auf Lkw

In den bisherigen Streiks auf dem Kanal wurden bei der Agravis Raiffeisen AG in Münster in der Spitze rund 15 Prozent der Ware, die per Schiff kommt, kurzfristig auf Lkw verlagert. Dies entspricht etwa 3.000 Tonnen pro Woche. Aufgrund der Vorankündigung der Streiks hat Agravis nach eigenen Angaben rechtzeitig die Versorgung ihrer Kraftfutterwerke sichergestellt. Verspätungen wurden überbrückt.

(Redaktion)


 


 

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