Weitere Artikel
  • 13.07.2015, 09:05 Uhr
  • |
  • Münsterland / Ascheberg
Kein Fracking

Bohr-Spezialist „Daldrup & Söhne“ will in Herbern nach Flözgas suchen

Die Angst vorm Fracking ist auch im kleinen Ascheberg groß. Was eigentlich nicht wundert, da die Gas-Debatte, die seit Jahren durch Deutschland strömt, durch die Auseinandersetzung um die umstrittene Fördermethode emotionalisiert worden ist.

Auf der anderen Seite ist diese Sorge gerade in Ascheberg unbegründet. Dort soll zwar nach Gas gesucht, aber definitiv nicht gefrackt werden. „Gleichwohl“, sagt An­dreas Tönies, „wird das immer wieder behauptet.“ Und das ärgert ihn.

Tönies ist Vorstand des börsennotierten Bohr-Spezi­alisten „Daldrup & Söhne“ aus Ascheberg. Das international tätige Unternehmen hat seine Expertise auf dem Gebiet der Tiefenbohrungen.

In der Bauerschaft Nordick will die Hammgas GmbH, ein Konsortium aus vier Un­ternehmen, nach Erdgas suchen. Als Generalunternehmer wird „Daldrup & Söhne“ die Bohrung niederbringen. „Technisch gesehen ist das keine besonders große Herausforderung“, sagt Tönies. Wäre da nur nicht immer das Fracking -Hintergrundrauschen.

Tektomechanik zur Lokalisierung der Lagerstätten

Auf dem kleinen Tisch in Tönies Büro liegen zwei Karten. Die eine zeigt einen Bohrplatz, die andere den Längsschnitt einer Bohrung. 5000 Quadratmeter groß ist der Platz, untechnisch gesprochen rund 1700 Meter lang die Bohrung. Lang, wohlgemerkt, nicht tief. Um das gesuchte Gasfeld zu erreichen, biegt der Bohrkopf vom Startpunkt in 330 Metern Tiefe ab und erreicht in 1000 Metern eine Neigung von 73 Grad. Der Startpunkt liegt auf ei­ner schon vor Jahren brachgefallenen Zechenfläche. Den Zielort tief unten im unberührten Kohlefeld haben die Hammgas-Leute am Schreibtisch ermittelt, indem sie seismische Bergbau-Un­ter­su­chungen neu interpretiert und alte Angaben zu Flöz-Strukturen erneut analysiert haben. Tektomechanik heißt die Methode, mit der Lagerstätten lokalisiert und Fließströme ermittelt wurden. Sie ist absolutes Neuland.

Die Theorie geht so: Die ausgeguckten Kohleschichten sind bereits von Rissen und Klüften durchzogen. Durch den Druckunterschied zwischen Lagerstätte und Bohrloch strömt das Methan-Gas von selbst zum Bohrkopf und kann von dort abgesogen werden.

Hält die Praxis, was die Suche am Schreibtisch verspricht, könnte Hammgas nach Angaben eines Sprechers Vorkommen erschließen, die 20 bis 30 Jahre für die Versorgung des Großraumes Hamm reichen. Das Unternehmen geht von zehn Milliarden förderbaren Kubikmetern aus.

Verzichtsklausel - kein Fracking

„Und all das ohne Fracking.“ Da ist das Wort wieder. Andreas Tönies sagt den Satz mehrfach. Das Verfahren anzuwenden, ist in NRW sowieso verboten. Trotzdem hat Hammgas in den Antrag explizit eine Verzichtsklausel eingebaut. Doppelt gemoppelt hält besser.

Ende des Jahres, so hoffen alle Beteiligten, wird die Bezirksregierung Arnsberg als zuständige Bergbaubehörde dem Antrag auf eine Probebohrung wohl stattgegeben haben. Dann will „Daldrup & Söhne“ auf Radbod 7 den Bohrer ansetzen. Zirka acht Wochen wird es dauern, bis die Lagerstätte erreicht ist.

Bis dahin ist alles Standard. Danach wird es spannend. Strömt das Gas wie errechnet? Ist der Druck stark genug? Kommt es in ausreichender Menge? Ist die Qualität wie erhofft? Die Auswertung werde, so Tönies, ein bis zwei Wochen dauern.

Nach der Bohrung ist vor der Bohrung: Hammgas-Geschäftsführer Ralf Presse hat schon vor Monaten mindestens einen weiteren Suchlauf angekündigt. Wo der stattfindet, verrät er nicht. Offiziell weiß davon auch An­dreas Tönies nichts. „Wir sind Generalunternehmer für die erste Bohrung“, sagt er.

(Elmar Ries, WN)


 


 

Fracking
Erdgas
Bohrung
Lagerstätte
Ascheberg

Passende Artikel suchen

Finden Sie weitere Artikel zum Thema "Fracking" - jetzt Suche starten:

Entdecken Sie business-on.de: