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  • 03.12.2014, 11:00 Uhr
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  • Münster
Köpfe der Region

Bernadette Spinnen: "Die Bürger der Stadt stehen zusammen wie eine Eins"

Frau Spinnen sprüht vor Energie. Sie ist seit 2001 Leiterin des Münster Marketing und wenn sie von Münster und ihrer Arbeit erzählt, dann ist das so sympathisch, dass man sofort los möchte, um die Stadt zu sehen und zu erleben.

Sind Sie gebürtig aus Münster?

Ich bin in Havixbeck geboren, in Münster zur Schule gegangen, habe in Innsbruck und Tübingen studiert und wohne seit 1980 wieder in Münster.

Sind Sie nur beruflich oder auch privat in Münster ansässig?

Ich glaube man kann kein Stadtmarketing machen, wenn man nicht in der Stadt wohnt und sich als Teil der Stadt sieht.

Wenn Sie zugezogen sind: Seit wann wohnen Sie in Münster und was hat Sie damals zu dem Umzug bewogen?

Siehe oben.

Was ist das Besondere an Münster?

Das besondere ist die Lebensart der Stadt. Ich nenne es den Klebstoff. Wer einmal in Münster war, möchte nicht mehr weg. Außerdem hat die Stadt viele Menschen, die sich im Transit befinden und darin heimisch werden. Münster hat eine wunderbare Größe und ein menschliches Maß. Man ist zu Hause in überschaubaren Lebenskreisen was Familie und Freizeit angeht, profitiert aber auch von den urbanen Qualitäten der Stadt. Münster ist keine anonyme sondern eine kleine, überschaubare Metropole.

In welcher Branche sind Sie tätig und seit wann?

Nach dem Studium der Germanistik und der katholischen Theologie war ich zunächst in der Erwachsenenbildung tätig. Dann habe ich bei der Stadt angefangen und bin 1989 mit 29 Jahren Leiterin des Kulturamtes geworden. Ich war damals die jüngste Amtsleiterin und auch die erste, die Beruf und Familie in dieser Position zu verbinden versuchte. Das war vor 26 Jahren noch ungewöhnlich. Das Kulturamt habe ich 12 Jahre geleitet. Dann haben wir 2001 das Stadtmarketing aufgebaut.

Wollten Sie schon immer in dieser Branche arbeiten oder hatten Sie mal einen ganz anderen Berufswunsch?

Mein Traumberuf seit dem ersten Schultag war Lehrerin. Ich habe daran festgehalten, trotz der Zweifel bei Familie und Verwandtschaft. Die Aussichten auf eine Stelle waren damals sehr gering, es gab ja eine Lehrerschwemme. Ich fand dann auch, dass ich mich voreilig auf diesen Job fixiert habe, und habe mich nach dem Studium auf das große Feld der Berufe begeben. Mit dem Stadtmarketing bleibt der rote Faden. Damit bin ich bei etwas geblieben, das ich immer machen wollte - mit interessanten, neugierigen Menschen zusammenarbeiten und diese für etwas begeistern. Da bin ich an der richtigen Stelle bei mir selbst.

Was machen Sie besser und/oder anders als Ihre Mitbewerber?

Hier muss man fragen, was macht die Stadt besser, und, ganz wichtig, was wird mir mit meiner Arbeit ermöglicht. Ich habe hier von Anfang an ein Verständnis vorgefunden, das Stadtmarketing nicht mit Werbung verwechselt. Wir machen ganzheitliches Marketing, das heißt wir können umfassend zeigen, was positiv an Münster ist. Es ist nicht nur eine Werbeveranstaltung für einzelne Facetten. Dafür haben wir Grundlagen geschaffen, indem wir ein Jahr lang mit den Münsteranern geschaut haben, wie die Stadt sich darstellen soll. Die Ergebnisse daraus haben wir im Rat entschieden, sie sind also politisch verifiziert und entschieden und bilden eine Basis. Stadtmarketing ist also keine Arbeit, die nur die Politik macht. Es ist eine Gemeinschaftsaufgabe am Profil der Stadt zu arbeiten und die Bürger sind die wichtigsten Akteure, sie sind die Botschafter der Stadt.

Wie behalten Sie einen kühlen Kopf an stressigen Tagen?

Ich habe selten einen kühlen Kopf, da ich leidenschaftlich und emotional bin. Aber ich habe einen klaren Kopf. Wenn nötig, helfen mir meine Kollegen und unsere Partner beim Strukturieren unterschiedlicher Fragen. Außerdem bewege ich mich – mal langsam, spazierend, mal schneller – beim Laufen jeden Tag mit den Hunden.

Welches Ereignis in Ihrer beruflichen Laufbahn wird Ihnen immer in Erinnerung bleiben?

Ich verbinde meinen Beruf und meine Passion für die Stadt mit einem Bild, das bei der Bewerbung zur Kulturhauptstadt im Jahr 2004 entstanden ist (Anm. d. Red.: Das Bild zeigt unzählige Münsteraner, die sich damals alle in Rot gekleidet auf dem Prinzipalmarkt versammelt haben und in die Kamera strahlen). Man muss keine Angst haben um eine Stadt, die so von ihren Bürgern getragen wird. Wenn es ernst wird, stehen sie zusammen wie eine Eins. Das hat sich gerade wieder nach dem Unwetter gezeigt. Eine weitere Lieblingserfahrung ist die Übergabe des Friedenspreises an Kofi Annan. Wir hatten schon die Befürchtung, dass keine Menschenseele in der Stadt ist, wenn Kofi Annan nach der Übergabe auf den Balkon des Rathauses tritt, und dann war der ganze Prinzipalmarkt voller Menschen, die ihm zugejubelt haben. Selbst Kofi Annan sagte, dass er so etwas noch nie vorher erlebt hatte und genoss den Weg durch die Menge.

Wie beurteilen Sie Münster/das Münsterland als Wirtschaftsstandort?

Münster ist hochattraktiv. Es hat eine ganz gesunde, mittelständische Struktur, sehr viele unterschiedliche attraktive Arbeitsplätze und auch bedeutende Industrie. Das Große und das Kleine halten den Wirtschaftsstandort gesund. Er ist nicht so anfällig für Krisen und durch die Hochschulen kann man den Standort immer weiterentwickeln. Nicht umsonst steht Münster immer wieder auf den vorderen Plätzen der nationalen Wirtschaftsrankings.

Wie verbringen Sie Ihre Freizeit?

In der Natur mit den Hunden, in der Leseecke am Kamin mit zeitgenössischer Literatur oder am Küchentisch mit Freunden. Ich koche sehr gerne.

Kaffee oder Tee?

Kaffee und Tee.

Auto oder Fahrrad?

Auto und Fahrrad.

Kuchen oder Wurstbrot?

Kuchen und Wurstbrot.

Wo netzwerken Sie?

Ich bin Bundesvorsitzende der Bundesvereinigung City- und Stadtmarketing Deutschland e.V., außerdem in den vielen Netzwerken, die für die Sparten des Stadtmarketings existieren, und im Rotary Club.

Was ist Ihr Lieblingsort in der Region und warum?

Die Kunsthalle im Hafen - da ist die Stadt ganz urban und tut für sie Ungewöhnliches. 

Was war Ihr größter Erfolg?

Dass wir diesen Profilierungsprozess der Stadt mit Beteiligung der Bürger und einstimmigem politischem Votum bis heute verankert haben

Beenden Sie diesen Satz: „Wenn ich nicht in Münster wäre, dann wäre ich in …“

... in Berlin.

Wo sehen Sie sich in zehn Jahren?

Kurz vor der Auszeit.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft?

Ich wünsche mir am meisten, dass meine beiden Söhne ihren Platz im Leben gefunden haben. Für die Stadt wünsche ich mir, dass sie mit Blick auf die Bürger und die langfristige Zukunft organisiert wird, und dass man sich nicht vor der Komplexität der anstehenden Fragen scheut.

Welche Frage würden Sie sich selbst/wollten Sie sich schon immer selbst stellen?

Ich habe mich immer schon gefragt, ob die Menschen aus langfristig gemachten Fehlern lernen oder ob es immer dieselben Zyklen gibt, die sich wiederholen.

Und was würden Sie auf diese Frage antworten?

Ich befürchte, dass aus Geschichte und Geschehnissen nicht immer gelernt worden ist.

Wenn Sie einen Tag lang die Fäden der Stadt ziehen dürften, welche für Sie längst überfällige Entscheidung würden Sie umsetzen?

Ich würde Münster zum wichtigsten Knotenpunkt der Bahn in Deutschland machen. Es ärgert mich, dass wir so eine schlechte Anbindung haben.

Beenden Sie diesen Satz: "Ich gehe morgens nicht aus dem Haus ohne …"

… mit meinem Mann ein ausgiebiges Frühstück einzunehmen und mich ganz bewusst auf die Arbeit zu freuen.

Vielen Dank für das Interview!

Über die Interview-Reihe "Köpfe der Region"

Mit der Interview-Reihe "Köpfe der Region" stellen wir Ihnen interessante Menschen vor, die auf unterschiedlichste Art und Weise am Wirtschaftsleben in Münster und dem Münsterland teilnehmen. Sie zeigen im Gespräch ihren ganz persönlichen Blick auf die Region.

(Katharina Heidmann)


 


 

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