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  • 02.09.2015, 08:45 Uhr
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  • Münster / Münsterland
Köpfe der Region

Stephanie Borgert - Expertin für holistisches Management

Buch-Autorin, Coach und Vortragsrednerin Stephanie Borgert sagt von sich: "Meine Arbeit ist meine Berufung - egal in welcher Rolle." Sie ist immer auf der Suche nach Antworten auf die Frage: "Wie kann ich Chaos und Krisen im Projekt professionell und erfolgreich meistern?" Soeben ist ihr neues Buch "Die Irrtümer der Komplexität" erschienen. Anlass genug für Business-on.de Münster, dieser Frau ein paar Fragen zu stellen.

Sind Sie gebürtig aus Münster?

Nein, ich bin ein Kind des Ruhrgebietes. Als Dortmunderin habe ich immer noch eine schwarz-gelbe Seele.

Sind Sie nur beruflich oder auch privat in Münster ansässig?

Beides. Zunächst bin ich privat mit/zu meinem Mann nach Münster gezogen. Später habe ich mich selbstständig gemacht und bin demnach auch beruflich Münsteranerin.

Wenn Sie zugezogen sind: Seit wann wohnen Sie in Münster und was hat Sie damals zu dem Umzug bewogen?

Seit 2003.

Was ist für Sie das Besondere an Münster?

Münster ist eine schöne und leise Stadt. Hier ist Hektik eher beschaulich und es gibt eine Fülle exzellenter Restaurants. Verglichen mit dem Ruhrgebiet fällt auch das „Bild“ der Menschen auf der Straße auf. Es ist gediegener und wohlhabender.

Was ist Ihr Lieblingsort in der Region und warum?

Das Venner Moor. Wenn ich dort im Winter mit den Hunden spazieren gehe oder jogge, dann liegt ein Nebel auf den Wasserflächen und es ist unglaublich still. Idylle pur.

Beenden Sie diesen Satz: „Wenn ich nicht in Münster wäre, dann wäre ich in ...“

... einem anderen Land und würde vieles an Münster vermissen.

In welcher Branche sind Sie tätig und seit wann?

Als Ingenieur-Informatikerin komme ich aus der klassischen IT-Unternehmensberatung. Seit 2007 arbeite ich freiberuflich als Management-Beraterin, Coach und Vortragsrednerin. Mein Herzensthemen sind die Widerstandskraft von Organisationen und das Meistern von Komplexität.

Wollten Sie schon immer in dieser Branche arbeiten oder hatten Sie mal einen ganz anderen Berufswunsch?

Ich wollte früher Tierärztin oder Psychologin werden und auf gar keinen Fall Lehrerin. Die Menschen lagen mir mit ihrer Vielfältigkeit schon immer am Herzen. Und ein Stückchen Lehrerin steckt in meinen Rollen jetzt ja auch ...

Was machen Sie besser und/oder anders als Ihre Mitbewerber?

Ich arbeite interdisziplinär und methodenübergreifend und ich höre nie auf zu lernen. Als Systemiker vermittele ich meinen Kunden und Coachees immer die Sicht auf Individuen und die Systemsicht gleichzeitig einzunehmen. Ich bin ein sehr guter Mustererkenner, weshalb ich in meiner Arbeit immer schnell auf den Punkt komme statt ewig lange Beratungsmandate zu verabreden.

Ist das Bücherschreiben für Sie eher Last oder Lust?

Das Bücherschreiben ist pure Lust. Ich lerne selber mit jedem Buch unglaublich viel und eine Erkenntnis jagt die nächste. Außerdem überprüfe ich dabei automatisch meine Meinungen, Haltungen und Arbeitsweisen. Das ist sehr inspirierend.

Wie beurteilen Sie die Zukunft Ihrer Branche in der Region?

Schaue ich auf die Branche des Coaching , so denke ich, dass sie leicht rückläufig sein wird. Die große Zeit der „Selbstoptimierung“ hat ihren Zenit hinter sich. Die Beratung, gerade in Fragen der Organisationsentwicklung vor dem Hintergrund der gestiegenen Komplexität, wird immer mehr nachgefragt. Die Geschäftsführungen, Vorstände und Bereichsleitungen haben längst gemerkt, dass die „alte Schule des Management“ nicht mehr greift. Es ist höchste Zeit für ein neues Management und das ist kontextabhängig verschieden einzusetzen. Das macht die Beratung so wichtig und wertvoll.

Wenn Sie einen Tag lang die Fäden in der Stadt ziehen dürften, welche für Sie längst überfällige Entscheidung würden Sie umsetzen?

Sämtliche Leerstände in Verwaltungs- und Kasernengebäuden sofort zu guten Unterkünften für Flüchtlinge umbauen lassen. Die immer weiter fortschreitende Bebauung hinterfragen, um nicht unnötig Flächen zu versiegeln.

Was war Ihr größter Erfolg?

Mit meinen Büchern bei Menschen (und Organisationen) etwas bewirkt zu haben. Das bekomme ich in Form von E-Mails und Anrufen netter Leser zurückgemeldet. Wenn ein Leser schreibt, dass etwas in meinem Buch eine Weiche in seinem (beruflichen) Leben umgestellt hat, dann ist das für mich ein Riesenerfolg. Gleichzeitig achte ich das „Durchhalten der Selbstständigkeit“ in Zeiten, die mit weniger Aufträgen und zähem Umsatz verbunden sind, als Erfolg.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft?

Ganz generell hoffe ich, dass wir in Wirtschaft und Politik gleichermaßen einen stärker systemischen Blick einnehmen und unsere Betrachtungen und unser Wohlwollen nicht an deutschen Grenzen endet. Wenn wir die Komplexität unserer Welt akzeptieren und „verstehen“ lernen, könnten wir auf viel Bürokratie und Überregulierung verzichten. Das täte uns auch auf kommunaler Ebene gut. Für mich persönlich ist ein großer Wunsch, meine Arbeit wieder mehr auf internationaler Ebene tun zu können.

Wo sehen Sie sich in zehn Jahren?

Stärker integriert in die Münsteraner Wirtschaft mit einem Business Excellence Institut, das holistisches Management lehrt und gleichzeitig pro-bono-Projekte in Drittländern realisiert.

Welches Ereignis in Ihrer beruflichen Laufbahn wird Ihnen immer in Erinnerung bleiben?

Wie weh es tun kann, wenn man in einem Unternehmen gefeuert wird. Habe ich in meiner letzten Festanstellung bei einem amerikanischen Unternehmen erlebt. Im positiven Sinne: die Erscheinung meines ersten Buches. Das war sehr aufregend und erst ein bisschen fremd, aber toll.

Wie behalten Sie einen kühlen Kopf an stressigen Tagen?

Ich erlaube mir, Fehler zu machen und Dinge zu vergessen, das regelt den Stress meist gut runter.

Vervollständigen Sie diesen Satz: “Der typische Münsterländer ist ..."

... immer auf dem Rad unterwegs.

Welcher persönliche Gegenstand liegt/steht immer auf Ihrem Schreibtisch?

Ein Notizblock für meine vielen Stichpunkte und ToDo’s.

Wie verbringen Sie Ihre Freizeit?

Beim Joggen (mit und ohne Hunde) in der Davert und der Hohen Ward.

Trinken Sie lieber Kaffee oder Tee?

Kaffee!!!!!!

Fahren Sie lieber Auto oder Fahrrad?

Auto (gerne mit viel PS, ich gebe es zu).

Essen Sie lieber Kuchen oder Wurstbrot?

Kuchen, mit Schokolade, dafür ohne Sahne.

Beenden Sie diesen Satz: „Ich gehe morgens nicht aus dem Haus ohne ..."

... meine beiden Hunde und mein Smartphone.

Welche Frage würden Sie sich selbst in einem Interview stellen und was würden Sie auf diese Frage antworten?

Was sollte sich in den Köpfen der Menschen (Politik, Wirtschaft, Bildung, Individuen) verändern, damit wir unsere Welt besser gestalten können?

Antwort: Systemisches Denken lernen! Ganz einfach ...

Vielen Dank für das Interview, Frau Borgert!

Über die Interviewreihe "Köpfe der Region"

Mit der Interview-Reihe "Köpfe der Region" stellen wir Ihnen interessante Menschen vor, die auf unterschiedlichste Art und Weise am Wirtschaftsleben in Münster und dem Münsterland teilnehmen. Sie zeigen im Gespräch ihren ganz persönlichen Blick auf die Region.

(Stephan Kockmann)


 


 

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