Weitere Artikel
  • 18.10.2013, 10:23 Uhr
  • |
  • Münster / Münsterland
Kritik an Baugenehmigung

Rasant wachsende Biogasanlage sorgt für Unmut

Die Arbeiter waren fleißig: Innerhalb weniger Wochen haben sie unweit der Kreuzung Roxeler Straße/Dieckmannstraße eine Biogasanlage aus dem Boden gestampft. Noch sind die Arbeiten nicht abgeschlossen. Doch der ebenso überraschend wie rasant gewachsene Bau entfacht schon Kritik.

Wenig begeistert ist etwa Prof. Dr. Ernst Ribbat, der regelmäßig unterwegs ist in Holtmanns Busch. Dass er damit nicht alleine dasteht, weiß er aus Gesprächen mit anderen Spaziergängern und -fahrern: „Da stehen ständig Gruppen und regen sich auf“, berichtet Ribbat. Er fürchtet beispielsweise um den Naherholungswert des Gebiets zwischen Auenviertel und Sentruper Höhe.

Immerhin handele es sich um eine große, „im Grunde industrielle“ Anlage mitten im Grünen. „Die Auswirkung ist gewaltig“, meint der Gievenbecker. Und blickt damit nicht nur auf die Beeinträchtigung des Landschaftbildes. „Wie stark die Luftbelastung später ist, ist noch die Frage“, sagt Ribbat. „Stinken wird es auf jeden Fall.“ Er vermutet zudem, dass künftig viele Lastwagen über die Roxeler Straße bis zu der Biogasanlage fahren werden, um ihr neues „Futter“ zu liefern.

Vor allem treibt den Germanisten die Frage um, warum eine derartige Biogasanlage dort genehmigt wurde. Schließlich liege die Fläche ganz dicht am Zentrum, anders als in Gimbte oder Sprakel.

Besonderer Standort an der Grenze zum Landschaftsschutzgebiet

„Die große Stadtnähe und dass die Anlage von Wohngebieten aus gesehen werden kann, ist eine Besonderheit dieses Standorts“, weiß auch Jürgen Vennemann vom Amt für Grünflächen und Umweltschutz der Stadt Münster, die für das Genehmigungsverfahren zuständig war. Aber, so betont er: „Die Lage ist ein klassischer Außenbereich, in dem die Landwirtschaft privilegiert ist zu bauen, gerade auch Biogasanlagen.“

Sie grenze zwar an ein Landschaftsschutzgebiet, aber die Anlage selber stehe daneben, so Jürgen Vennemann, der beim Umweltschutzamt für die Landwirtschaft zuständig ist. Kurzum: „Der Landwirt hat einen rechtlichen Anspruch auf Genehmigung, wenn alle Voraussetzungen erfüllt sind.“

Intensive und zeitaufwändige Prüfung

Die Prüfung sei in diesem Fall intensiver und zeitaufwendig gewesen, sagt Vennemann. Mitte 2011 sei der Antrag des Landwirts eingegangen, im September 2012 die Genehmigung erteilt worden. Und das nur mit einer Reihe von Auflagen: So habe die Stadt den Bauherrn verpflichtet, die Zuwegung und die Anlage einzugrünen und dafür genaue Vorgaben zu Anzahl und Standorten von Büschen und Baumreihen gemacht.

Die Größe der Biogasanlage bewege sich an der Grenze dessen, was für einen landwirtschaftlichen Betrieb erlaubt sei, sagt der Mitarbeiter des Umweltschutzamts. „Es ist aber die Regel, dass die Investition ausgereizt wird.“ Mit Gestank sei dennoch kaum zu rechnen, auch wenn ein Wohngebiet in der Hauptwindrichtung liege: Für die Anlage sei ein Geruchsgutachten erstellt worden. Das Ergebnis: „Der Emissionsanteil der Biogasanlage ist sehr gering.“

Auch in puncto Verkehr sieht Vennemann keine Probleme: Es handele sich um eine „ganz klassische Anlage“, die mit nachwachsenden Rohstoffen wie Maissilage betrieben werde. Diese müssten natürlich angeliefert werden. Aber: „Die Roxeler Straße ist gut ausgebaut.“

„Wenn man es runterbricht, ist das ein überdachter Güllebehälter, der Gas produziert, das dann verbrannt wird“, sagt Vennemann. Natürlich verändere die Anlage das Landschaftbild, es liege aber keine sogenannte bedrängende Wirkung zu Wohnhäusern vor. „Das Recht auf eine schöne Aussicht“, betont er, „gibt es nur in sehr begrenztem Maße.“

(Markus Kampmann)


 


 

Biogasanlage
Anlage
Landwirt
Vennemann
Umweltschutz
Genehmigung
Jürgen Vennemann
Kritik
Landschaftbild

Passende Artikel suchen

Finden Sie weitere Artikel zum Thema "Biogasanlage" - jetzt Suche starten:

Entdecken Sie business-on.de: