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  • 24.02.2015, 08:31 Uhr
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  • Münster / Münsterland
Kritik vom Sparkassenpräsidenten

Nullzinspolitik der EZB torpediert den Sparwillen

Was im Hochhaus der Europäischen Zentralbank (EZB) in Frankfurt geschieht, ist für Dr. Rolf Gerlach kaum nachzuvollziehen. Der Kurs der EZB, die Zinsen immer weiter zu senken, macht nach Auffassung des Präsidenten des Sparkassenverbandes Westfalen-Lippe (SVWL) jeglichen Anreiz für Sparer zunichte: „Es gibt kaum eine wirkungsvollere Methode, um den Sparwillen in der Eurozone in Luft aufzulösen“, sagte Gerlach am Montagabend bei der Vorstellung der Gesamtbilanz der 71 westfälisch-lippischen Sparkassen in Münster.

Trotz der schwierigen Rahmenbedingungen haben die westfälischen Sparkassen 2014 ihr Einlagen- und Kreditgeschäft ausgeweitet – um 1,4 bzw. 1,5 Prozent. Wachstumsträger war laut Jürgen Wannhoff, dem Vizepräsidenten des SVWL, das Kreditgeschäft mit den mittelständischen Unternehmen. Während der gesamte deutsche Bankensektor auf diesem Feld nur ein leichtes Plus von einem Prozent verbuchte, sei der Firmenkunden-Kreditbestand der westfälischen Sparkassen um 1,7 Prozent gewachsen – und damit erstmals über die Marke von 40 Mrd. geklettert.

Der Gewinn der Sparkassen in der Region konnte trotz des Nullzins-Umfelds fast gehalten werden. Gerlach bezifferte den Rückgang des Betriebsergebnisses vor Bewertung auf nur 0,7 Prozent. Mit 1,36 Mrd. bzw. 1,12 Prozent der durchschnittlichen Bilanzsumme sei das Ergebnis „auskömmlich“.

Ausgestaltung des künftigen Haftungsverbundes

Für Streit sorgen im deutschen Sparkassensektor zurzeit unterschiedliche Auffassungen über die Ausgestaltung des künftigen Haftungsverbundes im öffentlich-rechtlichen Bankensektor. Seit Jahresbeginn 2015 gelten für alle Banken in der EU neue regulatorische Vorschriften, aus denen in Deutschland ein Einlagesicherungsgesetz resultiert, das Anfang Juli in Kraft trifft. Bis dahin müssen sich auch die Sparkassen auf einen neuen Haftungsverbund verständigt haben.

Während der Deutsche Sparkassen- und Giroverband für ein Modell mit unbegrenzter Haftung – auch für die Schulden der Landesbanken – eintritt, pocht Gerlach darauf, diese Haftung zu begrenzen. „Wir sind nicht bereit, bedingungslos für die Landesbanken einzutreten“, stellte der SVWL-Präsident klar. Schließlich seien Landesbanken auch Konkurrenten. „Einem Wettbewerber Institutsschutz zu gewähren, ist eher nicht naheliegend“, betonte Gerlach, der auch will, dass die Bundesländer mithaften.

(Jürgen Stilling, WN)


 


 

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