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  • 01.10.2013, 14:24 Uhr
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  • Münster
Kultur-Förderung

Theater im Pumpenhaus legt Jahresabschluss vor

Das Pumpenhaus hat im Geschäftsjahr 2012 Miese gemacht: 63,95 Euro. Andere Kulturhäuser würden jetzt jubeln. Doch dafür gibt der Jahresabschluss keinen Anlass, den Geschäftsführer Ludger Schnieder am Dienstag dem Kulturausschuss vorlegt. Denn der Lagebericht zum 14. Geschäftsjahr der städtischen GmbH endet mit einer Feststellung: „Wenn keine positiven Handlungssignale erfolgen, wird eine Skelettierung des Theater im Pumpenhaus bis zur Unkenntlichkeit gewünscht, erwartet und billigend in Kauf genommen.“

57 Produktionen wurden in 162 Aufführungen im Jahr 2012 gezeigt. Und die 41 Pumpenhaus-Koproduktionen waren von Amsterdam bis Zürich, von New York bis Jekaterinenburg weltweit zu sehen. Doch das Angebot musste um 16 Prozent gekürzt werden, was lediglich acht Prozent Mindereinnahmen bedeutete. „Das Notfall- Szenario war ,finanziell erfolgreich’“, heißt es lakonisch im Bericht.

Das Pumpenhaus steht unter einem finanziellen Damoklesschwert: Das Risikokapital in Höhe von 50.000 Euro beseht seit knapp zehn Jahren nicht mehr. Da in der freien Szene auf Zuschüsse spekuliert werden muss (die in der Regel, aber eben nicht sicher kommen), kann ohne finanzielle Rückversicherung (hier das Risikokapital) „keine seriöse Spielplangestaltung“ stattfinden.

Zudem habe sich seit 2005 der „geldwerte Handlungsspielraum“ durch die fehlende Anpassung des städtischen Zuschusses um mehr als 50.000 Euro verringert. Das führe „bereits kurzfristig zu einer schleichenden Erosion des Profils des Theaters“. Die derzeitige Programm-Quantität und -Qualität konnte ohnehin nur durch eine Querfinanzierung erreicht werden: Personalkosten wurden ins Programm gesteckt. Vergleichbare Häuser wie das FFT in Düsseldorf oder der Ringlokschuppen in Mülheim arbeiteten mit der doppelten bis dreifachen Personaldichte. Münsters Pumpenhaus hat 2,5 Stellen. Zusätzliche Honorarkräfte konnten nur durch den freiwilligen Gehaltsverzicht des Geschäftsführers Ludger Schnieder (seit 2005: 40.000 Euro) finanziert werden.

Energieeffizienz „auf dem Stand der 60er Jahre“

Hinzug kommt das Pro­blem Hoppengarten. Das Probenzentrum des Pumpenhauses habe eine Energieeffizienz „auf dem Stand der 60er Jahre“. Der Zuschuss decke die Kosten der Pumpenhaus GmbH nur zu 40 Prozent.

Unter „Perspektiven“ werden drei Bedingungen aufgezeigt, unter denen das Pumpenhaus seine Aufgaben nur noch erfüllen kann: Mehr Personal; der Hoppengarten muss fürs Pumpenhaus finanziell neutral sein; und die Eigenkapitaldecke muss wieder hergestellt werden, um über das notwendige Risikokapital zu verfügen. Nur so sei „die Existenz des Theater im Pumpenhaus“ sicherzustellen.

(Gerhard H. Kock)


 


 

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