Weitere Artikel
  • 07.03.2013, 10:23 Uhr
  • |
  • Münster & Münsterland
Lebensmittelchemiker-Tagung

Giftstoffe sind heute deutlich besser nachweisbar

Es gibt Skandale, die sind nur deshalb heute aktuell, weil man sie früher nicht nachweisen konnte. So tragen Lebensmittelkontrollen heute in starkem Maße zur Lebensmittelsicherheit bei. Doch: „Wer viel untersucht, der findet auch viel.“

Der Lebensmittelchemiker Prof. Dr. Peter Fürst vom Chemischen und Veterinäruntersuchungsamt im Zentrum Nord wies gestern bei einem Pressegespräch anlässlich einer Uni-Tagung darauf hin, dass die Messmethoden zum Nachweis krebserregender Dioxine in den vergangenen 30 Jahren um den Faktor 500.000 verbessert worden seien.

Fürst verdeutlichte das an einem Beispiel: „Würde man Dioxin in der Größe eines Stückes Würfelzucker in einen Stausee im Sauerland geben, das Wasser umrühren und dann dem See ein Bierglas voll Wasser entnehmen, so könnten wir den Dioxingehalt in diesem Bierglas genau bestimmen.“

„Wer viel untersucht, der findet auch viel.“

So gesehen hätten Lebensmittelkontrollen in den vergangenen Jahren deutlich zur Verbesserung der Lebensmittelsicherheit beigetragen, verdeutlichte der Experte. Doch dabei gelte auch die alte Weisheit: „Wer viel untersucht, der findet auch viel.“

Mit Blick auf die zahlreichen Lebensmittelskandale der vergangenen Wochen und Monate warnte Prof. Fürst vor der Annahme, das Problem allein über verstärkte Kontrollen regeln zu können. Bereits jetzt seien landesweit fünf Lebensmitteluntersuchungen pro 1.000 Einwohner und Jahr Standard. Darüber hinaus gebe es allein im Regierungsbezirks Münster pro Jahr 35.000 Proben auf Antibiotika- Rückstände bei Tieren.

Jedes Kontrollsystem stoße aber bei kriminellen Machenschaften einzelner Unternehmen oder bei den vielfältigen Handelsbeziehungen einer globalisierten Wirtschaft an ihre Grenzen. Als Beispiel nannte der Lebensmittelchemiker einen Lebensmittelskandal, bei dem eine dioxinbelastete Fettsäure, die für die Industrie bestimmt war, einem Futtermittel beigemischt wurde. Eine Tonne Industriefett koste 500 Euro, eine Tonne Fettsäure für die Lebensmittelproduktion hingegen koste 1.000 Euro.

Ohnehin sei in der globalen Lebensmittelproduktion der Preis das alles entscheidende Kriterium. Aus Preisgründen seien auch jene 45.000 Tonnen Futtermais aus Serbien importiert worden, bei dem sich dann zeigte, dass er mit Schimmelpilzen belastet sei.

(Klaus Baumeister)


 


 

Prof. Dr. Peter Fürst
Lebensmittelkontrollen
Lebensmittelchemiker
Lebensmittelproduktion
Dioxin
Giftstoffe
Lebensmittelsicherheit
Tagung

Passende Artikel suchen

Finden Sie weitere Artikel zum Thema "Prof. Dr. Peter Fürst" - jetzt Suche starten:

Entdecken Sie business-on.de: