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  • 05.03.2013, 09:20 Uhr
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  • Münster
Lebhafte Debatte

Backhaus-Thesen zur Innenstadt-Entwicklung nach dem Kaufhaus-Prinzip

Über die weitere Entwicklung der Innenstadt ist eine lebhafte Diskussion entbrannt: Kaufleute und Hausbesitzer reiben sich an den Ideen, die Marketing-Experte Prof. Dr. Klaus Backhaus mit seiner These des „virtuellen Kaufhauses“ vorgestellt hat.

Der Stein wurde ins Wasser geworfen – und zieht ordentlich Kreise. „Das klappt nie“ – mit diesen Worten reagierte gestern Andreas Deilmann (Deilmannhof und Hanse-Carré) auf die provozierenden Thesen von Prof. Dr. Klaus Backhaus zur weiteren Entwicklung der City. „Das muss klappen“, meinte hingegen Andreas Weitkamp vom Modehaus Schnitzler.

Konkret geht es um die Frage, ob die Interessen einzelner Immobilieneigentümer zurückstehen sollen, um in der City einen möglichst optimalen Mix aus Einzelhandel und Gastronomie hinzubekommen, ergänzt durch kulturelle Angebote.

Zweifel an der Umsetzbarkeit

„Wünschenswert, aber sehr schwer umzusetzen“, so lautete der Kommentar von Franz-Josef Görtz zu der von Backhaus geforderten, stärkeren Reglementierung. Görtz als alteingesessener Kaufmann im Ludgeriviertel hat acht Ladenlokale rund um die Königspassage vermietet. Innerhalb seines Bestandes versuche er, eine wichtige Maxime umzusetzen: „Die Mischung muss stimmen!“

Der Anspruch werde vielfach aber aufgegeben, weil Eigentümer ausschließlich an hohen Mieteinnahmen interessiert seien. Wozu das führt, machte Görtz am Beispiel der frequenzstarken Ludgeristraße fest: Ein gastronomisches Angebot sei hinsichtlich der Attraktivität der Straße „dringend erforderlich, finanziell aber nicht darstellbar“.

Prof. Backhaus hatte bei seinem Vortrag am Donnerstagabend das Beispiel des legendären Cafés Schucan am Prinzipalmarkt bemüht. Es war 1997 geschlossen worden, weil es sich einfach nicht mehr trug. Deilmann warnte gestern vor Nostalgie: Ein neues Schucan auf dem Prinzipalmarkt funktioniere nicht, „weil wir nicht bereit sind, zehn Euro für ein Stück Kuchen zu bezahlen“.

Immobilienpool und einheitlicher Markenauftritt

Die von Backhaus geforderte Reglementierung greife nur, so Deilmann weiter, wenn Hauseigentümer in den verschiedenen Quartieren bereit seien, ihre Ladenlokale „in einen Immobilienpool zu geben“. Dieser müsse dann für einen finanziellen Ausgleich sorgen.

Ob am Ende des von der Initiative Starke Innenstadt (ISI) eingeläuteten Prozesses tatsächlich ein einheitliches Immobilienmanagement steht, darüber kann auch Bernadette Spinnen von Münster-Marketing nur spekulieren. Trotzdem hält sie die Backhaus-Thesen für hilfreich: „Die Verantwortung der Hauseigentümer für die Entwicklung der Stadt muss nach außen sichtbar werden“, so die Marketing-Chefin.

Apropos Marketing: Für Jörg Pantenburg von Galeria Kaufhof wäre schon viel gewonnen, wenn man die münsterische City unter einer einheitlichen Marke bewerben würde. In Bremen beispielsweise setze man den diversen Einkaufszentren am Stadtrand den Slogan entgegen: „Wir sind das Original.“

Steuerung nach dem Kaufhaus-Prinzip

Online-Handel und demografischer Wandel stellen Münsters Innenstadt vor große Herausforderungen, so der Marketing-Experte Prof. Dr. Klaus Backhaus. Unter dem Leitwort des „virtuellen Kaufhauses“ plädiert er deshalb dafür, die einheitliche Strategie für die City zu erarbeiten und ihr alle Einzelinteressen unterzuordnen. Hauseigentümer wären dann beispielsweise nicht mehr frei in ihrer Entscheidung, an wen sie Ladenlokale vermieten.

(Klaus Baumeister)


 


 

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