Weitere Artikel
  • 04.06.2013, 09:56 Uhr
  • |
  • Münster-Handorf
Lebhafte Diskussion

Ergebnisoffene Prüfung des JVA-Standorts

Der geplante JVA-Neubau in Handorf sorgt für Unruhe und Unsicherheit. Dem sollte eine Informationsveranstaltung im Haus Münsterland entgegenwirken. Doch auch bei der zweiten Bürgerinformationsversammlung blieben etliche Fragen zu Planung, Umweltschutz, Sicherheit und Verkehrsanbindung offen.

Die Stimmung ist frostig. „Hör’n wir mal, was die uns heute vorlügen“, brummt ein älterer Herr, während er sich in der Mitte einen Platz sucht. „Ach, da kommt ja doch nichts bei rum“, sagt seine Nachbarin schulterzuckend. Mit verschränkten Armen sitzt ein großer Teil des Publikums im Haus Münsterland den Herren am Tisch gegenüber und wartet misstrauisch, ob es bei dieser Informationsveranstaltung in Sachen JVA-Neubau in Handorf etwas Neues gibt. Christian Schowe vom Stadtplanungsamt, Peter Kamp vom Justizministerium und Markus Vieth vom Baubetrieb BLB haben einen schweren Stand.

Zweieinhalb Stunden später ist die frostige Stimmung einer Arbeitsatmosphäre gewichen. Einige Zuhörer loben die Veranstaltung sogar als informativ; und Markus Vieth gibt fast erleichtert zu Protokoll, dass er „ein paar Dinge mitbekommen“ habe. Für Moderator Jens Stachowitz gibt es von allen Seiten Beifall. Völlig zu Recht: Der Mann hat mit seiner sachlichen Vermittlung die sehr lebhafte Diskussion überhaupt erst ermöglicht. Nicht alle sind zufrieden, aber jeder ist zu Wort gekommen. Und nichts wurde leichthin abgetan. Das ist ein Anfang.

Dabei kam nicht viel Neues auf den Tisch. Die nackten Zahlen: Im Osten von Handorf soll ein Gefängnis-Neubau mit 640 Haftplätzen entstehen, dazu eine Jugendarrestanstalt mit 60 Plätzen. Die Anlage wird mit einer 5,50 Meter hohen Mauer umgeben, Freigang gibt es nicht. Der Flächenbedarf hatte vorab für einigen Wirbel gesorgt, das zumindest ist geklärt: Benötigt werden zwölf Hektar, nicht 15, wie zunächst vermutet; und dieses Gelände ist an Ort und Stelle vorhanden. Eigentümer ist der Bund.

Die drängendste Frage: Warum Handorf? Da geraten die Herren am Tisch etwas ins Schwimmen. Ihre Argumente sind im wesentlichen dieselben wie vor ein paar Wochen. Und die Feinheiten des Baurechts sind nicht das, was ein aufgebrachtes Publikum hören möchte. Die meisten Zuhörer scheinen die Vorauswahl des Standorts als eine endgültige, autoritär getroffene Entscheidung zu empfinden. Neun weitere Standorte waren in der engeren Wahl – da hätte man gerne mitgeredet.

„Was spricht eigentlich gegen eine JVA?“

Die Stimmung ist gegen den Neubau. So sehr, dass Maria Look, die Leiterin der JVA Münster, eindringlich an die gute Nachbarschaft zwischen Anwohnern und Gefängnis an der Gartenstraße erinnert: „Ich frage Sie: Was spricht eigentlich gegen eine JVA?“ Aber die Einwände sind sehr vielfältig: Naturzerstörung vor allem, Wertverlust des eigenen Grundstücks, Verkehrschaos und vor allem mangelnde Transparenz des Verfahrens werden bemängelt.

Auf viele Fragen gibt es keine Antworten. Immer wieder weist Markus Vieth auf den frühen Stand der Planungen hin: Man werde jetzt alle Details der Wirtschaftlichkeit, der Erschließung, der Anbindung zur Warendorfer Straße, des Umweltschutzes, der Sicherheitsbedenken eingehend prüfen. Ein Prozess, der Monate, sogar Jahre dauern könne. Warum aber werde nur Handorf geprüft? Müsste man nicht alle potenziellen Standorte dermaßen genau unter die Lupe nehmen, um den besten zu ermitteln?

Fest steht, dass es weitergeht: mit dem Prüfverfahren in Handorf und mit den Informationsveranstaltungen. „Die Prüfung“, versichert Peter Kamp den skeptischen Zuhörern, „ist selbstverständlich ergebnisoffen.“

(Lukas Speckmann)


 


 

Christian Schowe
Peter Kamp
Markus Vieth
Jens Stachowitz
Maria Look
Handorf
Bürgerinformationsversammlung
JVA-Standort
JVA-Neubau
Stimmung

Passende Artikel suchen

Finden Sie weitere Artikel zum Thema "Christian Schowe" - jetzt Suche starten:

Entdecken Sie business-on.de: