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  • 05.08.2014, 10:03 Uhr
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  • Münsterland / Emscher-Lippe-Region
Lehrverträge

Mehr unbesetzte Ausbildungsplätze

In der ersten Augustwoche starten rund 8.095 junge Menschen im Münsterland und in der Emscher-Lippe-Region ihre Ausbildung in Unternehmen aus Industrie, Handel und Dienstleistung.

So viele Ausbildungsverträge gingen bis zum 1. August bei der Industrie- und Handelskammer (IHK) Nord Westfalen ein - und damit 313 weniger als zum selben Zeitpunkt im Vorjahr. „Es gibt weniger Bewerber. Und unter diesen finden die Unternehmen weniger passende Kandidaten“, nennt IHK-Hauptgeschäftsführer Karl-Friedrich Schulte-Uebbing Gründe für den Rückgang um 3,7 Prozent. Die Zahl der unbesetzten Ausbildungsplätze sei in diesem Jahr noch einmal gestiegen, sagte er weiter. Dabei beruft er sich auf zahlreiche Rückmeldungen von Ausbildungsbetrieben und der IHK-Ausbildungsberatung. Diesen Trend bestätigen auch Statistiken der Agentur für Arbeit.

Der Drang zum Studium bei weniger werdenden Schulabgängern auf der einen Seite und schulische Defizite bei Jugendlichen auf der anderen Seite seien mit Ursachen für den Rückgang, ist sich der IHK-Hauptgeschäftsführer sicher. Leider werde sich diese Entwicklung fortsetzen, so Schulte-Uebbing: „Die Zahl der geeigneten Bewerber sinkt, während die Zahl der offenen Ausbildungsplätze steigt“.

„Wir sehen aber auch, dass gerade größere Betriebe in den vergangenen Jahren über Bedarf ausgebildet haben und mit Blick auf die unsicheren Aussichten auf den Märkten zurückhaltender werden“, erklärt Schulte-Uebbing. Zwar hätten gerade diese Betriebe den beginnenden Fachkräftemangel fest im Blick, seien jedoch vorsichtig geworden, den Mitarbeiterstamm über den mittelfristigen Bedarf hinaus aufzubauen.

Jugendliche tendieren eher dazu, sich bei großen Unternhemen zu bewerben

Trotzdem nähmen die Jugendlichen die kleineren Betriebe zu wenig in den Blick. Erfahrungsgemäß tendierten Jugendliche eher dazu, sich bei großen Unternehmen zu bewerben. Schulte-Uebbing: „Attraktive Ausbildungsangebote von weniger bekannten Betrieben bleiben dann häufig auf der Strecke.“ Gerade für diese mittelständischen Arbeitgeber stiegen damit die Herausforderungen bei der Nachwuchsgewinnung weiter. „Unternehmen müssen intensiv darüber nachdenken, wie sie junge Menschen für sich begeistern können“, so Schulte-Uebbing. „Dazu gehört es mit Schulen zu kooperieren, Praktikumsplätze anzubieten und das eigene Angebot aus Sicht eines Schülers zu betrachten.“

Im Zugzwang sieht der IHK-Hauptgeschäftsführer angesichts der hohen Zahl von Bewerbern mit mangelhaften schulischen und sozialen Kompetenzen die Politik. „Sie muss dafür sorgen, dass junge Menschen bereits nach der allgemeinbildenden Schule besser vorbereitet sind“, unterstreicht Schulte-Uebbing.

Insgesamt bleibe die Ausbildungsbereitschaft der Unternehmen in Nord-Westfalen hoch, so Schulte-Uebbing. Im Vergleich zum selben Zeitpunkt vor zehn Jahren liege die Zahl der besetzten Ausbildungsplätze aktuell 25,8 Prozent höher (+ 1.660). Die aktuellen Zahlen seien „eine Momentaufnahme“, betont er weiter. Bis zum Jahresende rechnet er mit weiteren 2.000 Verträgen, sodass die Zahl wie in den Vorjahren über 10.000 liegen werde.

Regionale Ergebnisse

Im Münsterland sank die Zahl der Neueintragungen um 3,1 Prozent von 6.004 auf 5.818. Dabei gibt es regional deutliche Unterschiede. Denn während in den Kreisen Borken (- 6,6 Prozent) und Coesfeld (- 8,1 Prozent) deutliche Rückgänge zu verzeichnen sind, ließen die Betriebe in Münster (+ 0,2 Prozent), Steinfurt (- 2,3 Prozent) und Warendorf (- 0,1 Prozent) annähernd gleich viele Ausbildungsverträge bei der IHK eintragen wie im Vorjahr.

In der Emscher-Lippe-Region sank die Zahl der Ausbildungsverträge um 5,3 Prozent von 2.404 auf 2.277. In Gelsenkirchen sind zum Stichtag 31. Juli 46 Verträge weniger eingetragen worden (insgesamt 630), in Bottrop 18 (insgesamt 308) und im Kreis Recklinghausen 63 (insgesamt 1.339).

Die Hälfte des Rückganges in der Emscher-Lippe-Region gegenüber dem Vorjahr ist nach Auffassung der IHK auf eine Normalisierung bei Betrieben zurückzuführen, die für den doppelten Abiturjahrgang im vergangenen Jahr eine besonders große Zahl an Extraplätzen bereitgestellt hatten, sowie auf das Ende des Bergbaus. „Immer deutlicher wird, dass die erstarkende Dienstleistungsbranche den Wegfall von Bergbau und Industrie nicht unmittelbar kompensieren kann“, stellt Schulte-Uebbing fest. Um 25 Ausbildungsplätze eines Großbetriebes zu ersetzen, brauche es 25 neue Dienstleistungsbetriebe. Diese hätten wie alle Existenzgründer in den ersten Jahren andere Herausforderungen zu meistern und müssten erst einen ausreichend großen Geschäftsbetrieb entwickeln bevor sie ausbilden.

Der IHK-Hauptgeschäftsführer rät allen Betrieben, sich so früh wie möglich mit Ausbildung zu beschäftigen. „Wer jetzt nicht auf Ausbildung setzt, muss in wenigen Jahren mit einem echten Wettbewerbsnachteil leben.“

Unternehmen, die noch freie Ausbildungsplätze haben oder einen zusätzlichen Ausbildungsplatz einrichten wollen, können auf die kostenfreie Lehrstellenbörse der IHK zurückgreifen: www.ihk-lehrstellenboerse.de.

(IHK Nord Westfalen)


 


 

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