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  • 11.05.2015, 11:08 Uhr
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  • Münster / Greven / Ibbenbüren
Luhns und Wibarco

Hoffen und Bangen beginnt nach zweiter Insolvenz von Neuem

Die Kurzarbeit im April ließ schon nichts Gutes ahnen. Spätestens als dann das April-Gehalt bei Luhns (Greven-Reckenfeld) und Wibarco (Ibbenbüren-Uffeln) ausblieb, war den Mitarbeitern klar: Es wird eng. Seit dieser Woche wissen sie: Der Eigentümer beider Werke – die Gemini-Holding mit Sitz in der Schweiz – ist insolvent. Hoffen und Bangen um den Standort, Job-Sorgen – wieder einmal.

Denn die Mitarbeiter von Luhns (Reinigungs- und Körperpflegeprodukte) und Wibarco (chemische Grundstoffe) haben genau wie die Kollegen des Waschmittelwerkes Genthin, das auch zum Konzern gehört, eine Insolvenz und danach den Weiterverkauf gerade erst hinter sich gebracht. Nun stehen die Uhren wieder auf Null. Die Angst vor dem, was die Zukunft bringen mag, ist zurückgekehrt.

Besonderes brisant: Die früheren Konzernlenker, die Brüder Alambeigi, sitzen seit Ende April in Untersuchungshaft. Als sie noch bei der Hansa-Group (bis Ende 2014 Besitzer von Luhns und Wibarco) Verantwortung trugen, sollen sie Bilanzen um mehrere Hundert Millionen geschönt haben, um so Kredite und Fördermittel zu erschleichen, so der Vorwurf der Staatsanwaltschaft Bielefeld. Im Rahmen einer Razzia fanden Durchsuchungen statt – auch in Reckenfeld und Uffeln.

Nach der Insolvenz der Hansa-Group wurden Luhns und Wibarco an die eigens gegründete Gemini-Holding verkauft. Auch an dieser hält die Alambeigi-Familie wesentliche Anteile – was ihnen den Vorwurf einbrachte, mysteriöse Geschäfte mit sich selbst zu machen.

Als Gemini das Kommando übernahm, setzte die Holding ein hartes Sanierungskonzept durch: Man kündigte 100 von konzernweit 500 Mitarbeitern (darunter 38 bei Luhns, 19 bei Wibarco) und verlangte von den übrigen, fünf Jahre lang auf zehn Prozent des Lohns zu verzichten. Einschnitte, denen die Mitarbeiter und die sie vertretende IG BCE nur zustimmten, weil alle hofften, so den Fortbestand der Werke sichern zu können.

Eine Hoffnung, die nicht weit trug, wie die Kollegen nun wissen. Bei Luhns (aktuell 130 Mitarbeiter) und Wibarco (75) gibt es trotz des Dramas Hoffnung auf eine Lösung. Branchenkenner bescheinigen beiden Standorten Potenzial.

(Oliver Hengst, WN)


 


 

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