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  • 08.10.2013, 13:24 Uhr
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  • Münster / Münsterland
LWL-Museum für Naturkunde

Ausstellung „Sex und Evolution“ gibt Einblick in das „Schlafzimmer der Natur“

Zwei Seelen in einer Brust

Zwitter sind Männchen und Weibchen in einem. Sie können sich dadurch mit jedem Artgenossen paaren, dem sie begegnen. Da Zwitter bei der Paarung in der Regel gerne die männliche Rolle übernehmen möchten und es vermeiden, das Weibchen zu sein, haben sie ein teils skurriles Paarungsverhalten entwickelt: Weinbergschnecken stechen ihren Partner mit einem Liebespfeil, der sie verweiblicht. Plattwürmer schmieren ätzendes Sperma auf den Rücken ihres Partners und wieder andere handeln mit ihren Eiern und Spermien.

Das LWL-Museum hat bei dieser Sonderausstellung wieder mit Prof. Cordula Hesselbarth vom Fachbereich Design der Fachhochschule Münster zusammen gearbeitet. Zahlreiche Studentenarbeiten sind in der Ausstellung zu sehen. Eine der Arbeiten hat sich auch mit den Zwittertieren auseinandergesetzt und in Form von Grafiken und Kurztexten auf Stelen das ungewöhnliche Thema auf-gearbeitet.

Im Tierreich ist Homosexualität weit verbreitet: Bei über 1.500 Tierarten wurde Homosexualität bereits wissenschaftlich dokumentiert, bei 300 auf seine Bedeutung hin untersucht, darunter Delfine, Giraffen und Pinguine. Pinguine etwa brüten als gleichgeschlechtliches Paar erfolgreich fremde Eier aus und ziehen ihre Jungen groß. Fast immer kommen hetero- und homosexuelle Verhaltensweisen nebeneinander vor, denn sie erfüllen unterschiedliche Funktionen. Bei einigen Tieren etwa gehören gleichgeschlechtliche Verhaltensweisen zum Sozialverhalten. Entgegen früherer Vorstellungen handelt es sich nicht um abnormales Verhalten, sondern um einen Teil des normalen Verhaltensrepertoires vieler Tierarten.

Bizarre Brautgeschenke

Geschenke zur Vermählung gibt es nicht nur bei menschlichen Hochzeiten, sondern auch im Tier-reich: Skorpionsfliegen offerieren ihren Weibchen ein Brautgeschenk zur Paarung - ein totes Insekt oder sogenannte Speichelbonbons. Das Geschenk wird während der Paarung verzehrt. Ein großes Modell der Skorpionsfliege (Maßstab 36:1) befindet sich in der Ausstellung, gebaut hat es der Modellbauer Detlev Gregorczyk, der dafür sogar einen Preis gewann (Weltmeisterschaft der Präparatoren 2012 in Salzburg).

Die Geschenke können jedoch auch recht bizarr wirken, da sie oft Teile des eigenen oder sogar des ganzen Körpers beinhalten. So werden die Männchen vieler Spinnenarten nach dem Akt von den Weibchen verzerrt. Diese Verhaltensweise wird als sexueller Kannibalismus bezeichnet und kommt bei Spinnen sowie Fangschrecken häufig vor. In der Ausstellung ist ein Modell einer Wespenspinne (Maßstab 20:1) bei der Paarung zu sehen. Die Designerin und Modellbauerin Julia Stoess hat in fünfmonatiger Arbeit alle Körperteile der Wespenspinne maßstabsgerecht vergrößert modelliert, mit Silikon abgeformt und anschließend mit Kunststoff ausgegossen, die Haare implantiert und das Modell koloriert.

Angebote und Rahmenprogramm

Begleitend zur Sonderausstellung wird ein breites Spektrum an museumspädagogischen Programmen für Kinder ab der Grundschule bis hin zu Schülern der Sekundarstufe II angeboten. Abgerundet wird das Angebot durch Führungen für Erwachsene. Ein Audioguide mit einem familienfreundlichen Programm in Deutsch und Englisch steht zur Verfügung (für Menschen mit Hörbehinderung mit Induktionsschleife). Zusätzlich sind ab Januar 2014 literarische Erkundungen unter dem Motto "Überwiegend Damenwahl" durch die Ausstellung sowie Begleitvorträge geplant. Aktions- und Familientage runden das Programm ab. Geöffnet hat das Museum an der Sentruper Str. 285 in Münster von dienstags bis sonntags, 9-18 Uhr.

(LWL)


 


 

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