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  • 10.07.2013, 10:03 Uhr
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  • Münster
Maßnahme gegen Ärztemangel

Ärztekammer und CDU plädieren für privatfinanzierte „Medical School“

Neu ist die Idee einer gebührenfinanzierten Privat-Fakultät für Medizin nicht. Schon im Jahr 2008 gab es einen solchen Vorschlag, den die Ärztekammer und die CDU jetzt aus der Schublade geholt haben. Beide sind der Auffassung, dass sich auf diesem Weg etwas gegen den bedrohlich steigenden Ärztemangel tun lasse.

Eher eine brühwarme Idee – oder doch mehr kalter Kaffee? Da Mediziner vor allem auf dem Land zusehends Mangelware werden, hat sich der Präsident der Ärztekammer Westfalen-Lippe, Dr. Theodor Windhorst, dafür ausgesprochen, an der Medizinischen Fakultät der münsterischen Universität zusätzlich eine privatfinanzierte „Medical School“einzurichten. „Auf diese Wei­selassen sich die Kapazitäten deutlich erhöhen“, sagte er.

Un­terstützung erhält der Ärztekammer-Chef vom Oppositionsführer im Düsseldorfer Landtag. „Mit Hilfe ei­nes solchen, parallel angebotenen Medizinstudi­engan­ges, der über Gebühren finanziert werden müsste, könnten in Münster rund 150 zusätzliche Studienplätze eingerichtet werden“,betonte CDU-­Frakti­ons­chef Karl-Josef Laumann, unlängst bei der Präsentation einer Kampagne seiner Partei gegen den Hausarztmangel. „Vor allem im ländlichen Raum rasen wir gerade bei den Allgemeinmedizinern sehenden Auges in die Unterversorgung.“ Derzeit fangen in Münster pro Jahr rund 240 junge Leute ein Medizinstudium an.

„Medical-School“-Modell bereits vor 5 Jahren entwickelt

Eine zweite medizinische Fakultät, zusätzliche Studi­enplätze, später mehr Ärzte, die womöglich in der Region bleiben: Das Projekt klingt so logisch wie sinnvoll und ist als Idee auch nicht neu. Nur „ist es derzeit leider nicht zu verwirklichen und aus diesem Grund auch nicht aktuell“, sagte Studi­en­de­kan Dr. Bernhard Marschall. Richtig sei, dass sein Haus vor fünf Jahren tatsächlich das „Medical-School“-Modell entwickelt habe, die Idee würde gegenwärtig aber nicht weiter verfolgt.

Problempunkt Studiengebühren

Und warum nicht? Eine zugegeben eher polemische Antwort gibt der müns­te­rische Landtagsabgeordnete Prof. Thomas Sternberg (CDU): Wissenschaftsministerin Svenja Schulze reagiere auf das Wort Studiengebühr „ja leider allergisch“.

Nun sieht die Wirklichkeit auch in der Welt der Hochschulen längst anders aus. Auch das Lernen funktioniert global. Universitäten kooperieren über Grenzen hinweg, Deutsche studieren ganz selbstverständlich im Ausland – in Graz, Budapest, Riga oder Utrecht auch Medizin, „und zahlen dort natürlich auch Studiengebühren“, betont Fakultätssprecher Dr. Thomas Bauer. Im Übrigen, ergänzt Sternberg, müsse eine solche „Medical School“ nicht zwangsläufig von den Studierenden selbst finanziert werden. „Denkbar wäre ja auch, dass der Staat die Kosten übernimmt.“

Der einzige Weg?

Fakt sei, dass es keinen anderen Weg gebe, die Zahl der Studienplätze schneller zu er­höhen, hatte Laumann erklärt. 2000 angehende Ärzte verlassen in NRW jedes Jahr die Universitäten. Wären es 400 bis 500 mehr, würde das, laut Laumann, schon helfen, dem drohenden Mangel zu begegnen. 150 davon könnten aus Münster kommen.

Das NRW-Wissenschaftsministerium reagierte am Dienstag auf den Vorstoß nicht. „Uns liegt kein Antrag der Uni vor“, sagte eine Sprecherin.

(Elmar Ries)


 


 

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