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  • 28.04.2014, 11:08 Uhr
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  • Münster / Münsterland
Betriebliche Maßnahmen

Gesundheitsmanagement zahlt sich aus

Immer mehr Unternehmen führen ein Betriebliches Gesundheitsmanagement ein. Worauf dabei zu achten ist, erläutert die Expertin Doris Breuer-Stern.

Warum ist Betriebliches Gesundheitsmanagement eigentlich so wichtig?

BREUER-STERN: Zum einen, weil nur gesunde Mitarbeiter arbeits- und leistungsfähig sind. Zum Anderen, weil gesunde Organisationsstrukturen, eine gesunde Beziehungsgestaltung, ein gesundes Miteinander- Lernen und gesunde Arbeitsbedingungen eine komplexe Angelegenheit sind.

Wie hat sich die Arbeit verändert?

BREUER-STERN: Die Arbeit hat sich aufgrund des technischen Fortschritts und zunehmenden Wettbewerbsdrucks sehr stark verdichtet. Führungskräfte geraten immer mehr unter Leistungsdruck und geben diesen weiter an ihre Mitarbeiter. Hinzu kommt oftmals die Angst vor einem Verlust des Arbeitsplatzes. In einer solchen Arbeitsumgebung sind die psychosozialen Belastungen sehr hoch – oftmals machen sie 90 Prozent der gesamten Belastungen aus.

. . . mit welchen Konsequenzen für die Arbeit?

BREUER-STERN: Es passieren immer mehr Fehler. Viele fühlen sich überfordert. Auch jene Mitarbeiter, die bislang sehr engagiert waren, lassen oftmals in ihren Leistungen nach und/oder melden sich krank . Neid und Konkurrenzdruck untereinander sorgen für oberflächliche Kommunikation, Konflikte werden nicht angesprochen, schnelle Klärungen und Lösungen werden durch mangelndes Vertrauen verhindert.

Welche Voraussetzungen müssen erfüllt sein, damit ein Betriebliches Gesundheitsmanagement den gewünschten Erfolg bringt?

BREUER-STERN: BGM ist ein in die Geschäftsstrategien zu integrierendes, betriebliches Schlüssel-Thema, welches zur Chefsache gemacht werden muss. Nur wenn Führungskräfte eine nachhaltige Gesundheitsförderung wollen und dies durch eine wertschätzende Beziehungsgestaltung in der Zusammenarbeit vorleben, kann es den gewünschten Erfolg bringen.

Welche Maßnahmen gehören zu einem professionellen BGM?

BREUER-STERN: Die konkreten Maßnahmen werden in beteiligungs- und dialogorientierten Lern- und Dialog-Räumen wie Workshops und Gesundheitszirkel miteinander entwickelt – und zwar unter Berücksichtigung der strategischen Vorgaben der Geschäftsführung. In einer Steuerungsgruppe Gesundheit kommen die Vorschläge der Mitarbeiter zusammen, werden mit anderen Management-Feldern koordiniert, Prioritäten werden gesetzt, Entscheidungen getroffen und an die Mitarbeiter kommuniziert.

Was sind die Motive von Unternehmen, verstärkt in ein BGM zu investieren?

BREUER-STERN: Die Verantwortlichen erkennen zunehmend, dass es eine Wechselwirkung gibt zwischen der Gesundheit ihrer Mitarbeiter unddemErfolg des Unternehmens – und damit seiner Wettbewerbsfähigkeit. Je eher Unternehmen Gesundheit in die Unternehmensprozesse integrieren, desto besser werden Ressourcen genutzt und desto besser hat sich die Unternehmens-Kompetenz entwickelt, zeitnah und flexibel in Veränderungssituationen zu handeln. Und: Das Unternehmen wird damit – insbesondere auch in den Augen junger Talente – ein attraktiver Arbeitgeber mit einer vertrauenswürdigen Kultur.

Inwieweit lassen sich die Erfolge eines BGM überhaupt messen?

BREUER-STERN: Studien zufolge zahlt sich jeder in Betriebliche Gesundheitsförderung investierte Euro mit drei bis fünf Euro aus. Grundlage für diese Berechnungen sind die Krankheitstage der Beschäftigten und die daraus resultierenden Kosten. Nicht einbezogen sind die „Präsentismus“- Kosten, die entstehen, wenn erkrankte Mitarbeiter aus Loyalitätsgründen zwar anwesend, aber nur mit halber Kraft dabei sind und Kollegen dabei gesundheitlich gefährden.

Was sind die wichtigsten Säulen eines BGM?

BREUER-STERN: Erstens: Eine engagierte Geschäftsführung, die den Wert Gesundheit als wesentlich erachtet und dafür den sinnbringenden Rahmen ermöglicht. Zweitens: Zeit und Raum für Führungskräfte und Mitarbeiter für persönliches und gemeinsames Gesundheits-Lernen sowie für Kreativ-Teams zur Entwicklung gesunder Arbeitswelten. Drittens: Bausteine und Elemente Betrieblicher Gesundheitsförderung bilden die Basis für maßgeschneiderte, betriebliche, gesunde Strukturen und Prozesse. Last but not least: Die Herausforderungen der Zukunft lassen sich nur miteinander lösen. Gegenseitige Wertschätzung und kollegiale Unterstützung helfen, auch kurzfristige Stress-Zeiten gesund zu meistern.

Doris Breuer-Stern ist Autorin des expert-Fachbuchs „Gesund sein und bleiben – aber wie? Praxishilfen für die betriebliche Gesundheitsförderung“ sowie Inhaberin von Stern-Training in Reken.

(Katja Niemeyer)


 


 

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