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  • 07.07.2014, 08:59 Uhr
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  • Münster
Mietrückstände

Zahl der Räumungsklagen stark gestiegen

Vor allem Einkommensschwache sind von der Enge auf dem Wohnungsmarkt und den steigenden Preisen betroffen. So ist die Zahl der Räumungsklagen in den vergangenen Jahren spürbar gestiegen. Bei 350 Räumungsklagen hat das Sozialamt im vergangenen Jahr Bürger mit Mietschulden beraten und Hilfen angeboten.

Die Enge auf dem Wohnungsmarkt und steigende Preise treffen vor allem Einkommensschwache. So ist die Zahl der Räumungsklagen in den vergangenen Jahren spürbar gestiegen. Bei 350 Räumungsklagen hat das Sozialamt im vergangenen Jahr Bürger mit Mietschulden beraten und Hilfen angeboten. Im Jahr 2012 waren es noch 335 Räumungsklagen, sagt Josef Severin von der Fachstelle Wohnraumsicherung beim Sozialamt. „Ziel unserer Arbeit ist es, bezahlbaren Wohnraum für die Betroffenen zu erhalten.“

Mit offensichtlichem Erfolg. Denn von 284 Räumungsterminen im Jahr 2013 seien am Ende nur wenige in die Tat umgesetzt worden. Die Strategie: Terminvereinbarung mit der Schuldnerberatung und Hilfen in Kooperation mit dem Sozialdienst Wohnungsnotfälle, bei dem Mitarbeiter von Caritas, Awo und Diakonischem Werk auch Hausbesuche machen. In Verhandlung mit dem Jobcenter oder Arbeitgebern der Betroffenen werden laut Severin nicht selten Abtretungsvereinbarungen getroffen, so dass Mietschulden schrittweise zurückgezahlt werden können.

Sozialamt übernimmt Mietrückstände

Wenn Mieter vor einem Scherbenhaufen stehen und bei Mietrückständen von zwei Monaten mit einer fristlosen Kündigung konfrontiert sind, übernimmt das Sozialamt unter bestimmten Voraussetzungen diese Mietrückstände. So darf beispielsweise die Wohnung einer vierköpfigen Familie nicht mehr als 95 Quadratmeter betragen und nicht teurer als 770 Euro plus Heizkosten sein.

Severin verweist darauf, dass das Sozialamt nur kurzfristige Mietrückstände übernehmen kann. „Wir müssen Sorge tragen, dass die Beträge langfristig von den Mietern allein bewältigt werden können.“

Finanzprobleme und fristlose Kündigungen

Der Sozialamts-Mitarbeiter kennt die Gründe, die zu Finanzproblemen und fristlosen Kündigungen führen: Krankheit , Arbeitslosigkeit und mitunter Verständigungsprobleme bei Menschen mit Migrationshintergrund. Da rutscht der Familienvater nach seiner Entlassung in den Arbeitslosengeld -Bezug. Wenn dann noch eine teure Autoreparatur, die Bezahlung von Zahnersatz oder eine saftige Stadtwerke-Nachzahlung anstehen, reicht es nicht mehr für die Mietzahlung.

Die Wohn- und Stadtbau hat im vergangenen Jahr insgesamt 147 fristlose Kündigungen wegen Mietrückständen ausgesprochen, heißt es bei der kommunalen Wohnungsbaugesellschaft. Sie besitzt über 6000 eigene Wohnungen und verwaltet über 1000 Wohnungen für verschiedene Stiftungen, erklärt Mitarbeiterin Katja Stockey. Da aber bereits bei den ersten Mahnungen die unternehmenseigene Schuldnerberaterin Hilfen anbiete, komme es nur in seltenen Fällen zu Zwangsräumungen – in diesem Jahr bislang nur in sieben Fällen.

(Karin Höller-Zwilling, WN)


 


 

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