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  • 23.09.2015, 09:50 Uhr
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  • Münster / Münsterland
Millionen-Projekt Hafencenter

Umstrittenes Projekt in Münster auf 499 Seiten zur Ratsentscheidung vorgelegt

In der Ratssitzung am 11. November werden Münsters Kommunalpolitiker über das geplante Hafencenter entscheiden. Sollte ein Ratsmitglied den Ehrgeiz haben, die Unterlagen komplett zu studieren, so wäre eine Woche Arbeitsurlaub sicherlich angemessen. Denn auf sage und schreibe 499 Seiten werden alle Aspekte des seit Jahren umstrittenen Projektes durchleuchtet.

Im Ergebnis empfiehlt Stadtdirektor Hartwig Schultheiß ein „Ja“ zu dem heftig umstrittenen Bauvorhaben.

Hier ein Überblick zu dem Ratsbeschluss der Superlative:

  • 22 Seiten misst allein der Beschlusstext.
  • Auf 291 Seiten werden die Bedenken der Kritiker aufgelistet und jeweils mit Stellungnahme versehen.
  • 50 Seiten umfasst die Begründung für die geplante Änderung des Flächennutzungsplanes.
  • Auf 13 Seiten werden die Festsetzungen des Bebauungsplanes aufgelistet.
  • Auf 123 Seiten wird der Bebauungsplan begründet.

Mit den quantitativ sehr umfangreichen Unterlagen reagiert die Stadtverwaltung auf die vielen Eingaben, die gegen das Projekt eingereicht wurden. Kritiker stellten die Notwendigkeit eines neuen Supermarktes infrage, bemängelten ferner die zu erwartende Verkehrs- und Lärmbelastung. Darüber hinaus gab es auch Eingaben zum Erhalt der am Hansaring befindlichen Tankstelle oder auch den Vorschlag, das Areal als Grünfläche zu nutzen. All diese Punkte konnten die Stadtverwaltung aber in der Abwägung nicht davon abhalten, das Hafencenter weiter zu favorisieren.

Im Detail gehören zu dem von der münsterischen Firma Stroetmann entwickelten und mehrfach auf Wunsch der Stadt überarbeiteten Konzept ein 3000 Quadratmeter großer Supermarkt (E-Center), ein Getränkemarkt (400 Quadratmeter), ein Discounter (900 Quadratmeter), eine Drogerie (550 Quadratmeter) sowie eine Apotheke (50 Quadratmeter).

Ferner sollen auf dem Gelände 33 Wohnungen entstehen, davon zehn Sozialwohnungen. 1000 Quadratmeter für Gastronomie und 3400 Quadratmeter für Büros und Praxen sind eingeplant, darüber hinaus ist eine Quartiergarage mit 220 öffentlichen Parkplätzen vorgesehen.

Bei den bisherigen politischen Beratungen über das Bauvorhaben waren die Befürworter stets in den Reihen von CDU, SPD und FDP zu finden, die Grünen indes lehnen das Hafencenter seit dem ersten Beschluss ab. Bei einem positiven Votum im November könnte das Hafencenter gebaut werden.

Chronologie der bisherigen Planungen zum Hafencenter

Hier die Chronologie der Debatte über das Hafencenter:

  • 2004: Im Masterplan „Stadthäfen Münster“ wird als ein Ziel die „Ansiedlung von großflächigen Einzelhandelsangeboten“ festgelegt.
  • 2009: Der Rat beschließt ein Einzelhandelkonzept, in dem der heutige Bereich des Hafencenters als „zentraler Versorgungsbereich“ festgelegt wird.
  • 2010: Der Rat beschließt, den für das Hafencenter erforderlichen Bebauungsplan (535) aufzustellen und damit das Verfahren zu eröffnen.
  • 2012: Die Stadt organisiert das Hafenforum als Dialogveranstaltung über die Entwicklung des Hafenareals. Dabei wird von Teilnehmern teils heftige Kritik am Center geäußert.
  • 2014: Die Stadt führt die gesetzlich vorgeschriebene Offenlegung des Bebauungsplanes durch. Dabei werden Hunderte „Anregungen und Bedenken“ eingereicht.

(Klaus Baumeister, WN)


 


 

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