Weitere Artikel
  • 20.06.2014, 11:31 Uhr
  • |
  • Münster / Münsterland
ANZEIGE
Mindestlohn

Für Zeitarbeiter gilt längst ein Mindestlohn von 8,50 Euro

Ab dem kommenden Jahr gilt in Deutschland ein einheitlicher Mindestlohn. Mit großer Mehrheit hat sich der Bundestag für eine flächendeckende Lohnuntergrenze von 8,50 Euro geeinigt. In der Debatte weitgehend unbeachtet bleibt die Tatsache, dass für einzelne Branchen bereits Mindestlöhne gelten, so etwa in der Zeitarbeit.

ZUGEHÖRIGE ARTIKEL:

Seit Anfang dieses Jahres haben die 800.000 Beschäftigten im Personaldienstleistungssektor mehr Geld im Portemonnaie. Zuvor hatten sich die Verhandlungsgemeinschaft Zeitarbeit (VGZ) und die DGB-Tarifgemeinschaft auf eine Anhebung des Mindestlohns in den westlichen Bundesländern um 3,8 Prozent und im Osten um 4,8 Prozent geeinigt. Zeitarbeiter im Westen erhalten demnach in der untersten Entgeltstufe einen Stundenlohn von 8,50 Euro und im Osten von 7,80 Euro. Ab 1. April 2015 sollen sich die Mindestlöhne nochmals erhöhen - im Westen um 3,5 Prozent auf 8,80 Euro und im Osten um 4,3 Prozent auf 8,20 Euro. Zum 1. Juni 2016 ist zudem eine Aufstockung um 2,3 Prozent auf 9 Euro im Westen und 3,7 Prozent auf 8,50 Euro im Osten vorgesehen.

Zugleich haben die Verhandlungsführer der beiden Zeitarbeits-Verbände IGZ und BAP aber noch weitere wichtige Neuerungen mit dem DGB verabredet. So gehören nunmehr nur noch Arbeiten, für die eine einfache „betriebliche Einweisung“ ausreicht, in die unterste Entgeltgruppe 1. Wer hingegen Tätigkeiten verrichtet, die eine anspruchsvolle „Anlernzeit“ erfordern, wird nach Entgeltgruppe 2 entlohnt und erhält 9,07 Euro brutto in der Stunde - statt des Mindestlohns von 8,50. Erleichtert wurde auch der Aufstieg für zwar ungelernte, aber gut eingearbeitete Kräfte. Sie werden normalerweise nach der Entgeltgruppe 3 bezahlt. Nach der neuen Regelung steigen sie nun aber automatisch nach einem Jahr in die für Fachkräfte geltende Entgeltgruppe 4 auf. Verbesserungen hat es auch hinsichtlich der Lohnauszahlung - den allergrößten Teil ihres Geldes erhalten Zeitarbeiter nun zum Anfang des Monats - und der Entgeltfortzahlung im Urlaub gegeben.

Alle Zeitarbeitnehmer haben Anspruch auf dieselben Arbeitsbedingungen wie vergleichbare Kollegen im Betrieb

Für alle Zeitarbeitnehmer gilt seit 2004 der Gleichstellungsgrundsatz (Equal Treatment). Demnach haben sie Anspruch auf dieselben Arbeitsbedingungen wie vergleichbare Kollegen in dem Betrieb, in dem sie eingesetzt sind – es sei denn, ein Tarifvertrag (zur Tarifvertrag Definition) regelt Abweichendes. Das ist im Arbeitnehmerüberlassungsgesetz (AÜG) festgeschrieben. Von dieser so genannten Tariföffnungsklausel haben alle Verbände der Zeitarbeit Gebrauch gemacht. Das AÜG stellt rechtliche Regeln für die Zeitarbeit auf. Nach § 10 Abs. 4 AÜG ist der Verleiher verpflichtet, „dem Leiharbeitnehmer für die Zeit der Überlassung an den Entleiher die im Betrieb des Entleihers für einen vergleichbaren Arbeitnehmer des Entleihers geltenden wesentlichen Arbeitsbedingungen einschließlich des Arbeitsentgelts zu gewähren." Gemäß dem Equal-Pay-Grundsatz haben sich in einigen Bereichen die Löhne der Leiharbeitsbeschäftigten denen der Stammbelegschaft angenähert. So erhalten Zeitarbeiter in der Metall- und Elektroindustrie sowie der Chemischen Industrie seit Ende 2012 Branchenzuschläge in Höhe von bis zu 50 Prozent, wenn sie für einen bestimmten Mindestzeitraum beim selben Kundenunternehmen im Einsatz sind.

Laut Bundesarbeitgeberverband der Personaldienstleister wird nahezu jedes Arbeitsverhältnis in der Zeitarbeit durch DGB-Tarifverträge arbeitsvertraglich abgesichert. Damit hat die Branche eine der höchsten Tarifbindungen aller Wirtschaftszweige in Deutschland.

(Katja Niemeyer)


 

 

Zeitarbeitnehmer
Entgeltgruppe
Westen
Osten
Arbeitsbedingungen
Gleichstellungsgrundsatz

Passende Artikel suchen

Finden Sie weitere Artikel zum Thema "Zeitarbeitnehmer" - jetzt Suche starten:

Entdecken Sie business-on.de: