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  • 16.04.2015, 09:05 Uhr
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  • Münster / Brüssel
Mobil-Telefonie im Ausland

EU plant neue Übergangsregeln für freies Roaming

2015 sollte Schluss sein. Ginge es nach dem Willen der EU-Kommission in Brüssel, dann wären die Roaming-Gebühren für Handygespräche im europäischen Ausland zum Jahresende abgeschafft worden. Seit Anfang März ist jedoch klar: Die 28 EU-Staaten wollen die Gebühren für mobiles Telefonieren und Surfen vorerst weiter erlauben. Eine endgültige Abschaffung wird frühestens Mitte 2018 erwogen.

In der Zwischenzeit soll nun eine erneute Reform die Verbraucher entlasten. EU-Bürger sollen künftig an sieben Tagen innerhalb eines Kalenderjahres für jeweils fünf Minuten am Tag ohne Aufpreis im EU-Ausland telefonieren dürfen. Im gleichen Zeitraum sollen täglich fünf SMS-Kurznachrichten versendet werden können. Außerdem müssen die Mobilfunk-Anbieter ein Datenvolumen von zehn Megabyte am Tag bereitstellen. Das sieht ein Papier der lettischen Ratspräsidentschaft vor. Die Mitgliedstaaten, die EU-Kommission und das Europa-Parlament müssen den Vorschlag noch abnicken. Eine Zustimmung gilt als sicher, da sich die drei Gremien nicht gemeinsam auf die ursprünglich geplante Abschaffung der Roaming-Gebühren einigen konnten.

Ist das Inklusivpaket verbraucht, dürfen die Mobilfunkfirmen auch weiterhin Roaming-Gebühren erheben. Diese müssen nach den EU-Plänen jedoch unter den derzeit erlaubten Obergrenzen liegen. Aktuell zahlen Handytelefonierer für abgehende Gespräche im EU-Ausland 19 Cent pro Minute. Ein ankommendes Telefonat kostet fünf Cent in der Minute. Der SMS-Versand schlägt seit der letzten Reform im Jahr 2014 mit sechs Cent zu Buche. Für Datenübertragung werden jeweils 20 Cent pro Megabyte fällig. Hinzu kommt immer die landesübliche Mehrwertsteuer.

Jährlich etwa fünf Millianden Euro Roaming-Einnahmen

Für die Mobilfunk-Unternehmen ist das Roaming ein lohnendes Geschäft. Sie verdienen jährlich etwa fünf Milliarden mit Handytelefonaten im EU-Ausland. Widerstand gegen die Abschaffung der Gebühr kommt vor allem aus dem Süden Europas. In den Urlaubsländern sei das Roaming eine willkommene Einnahmequelle, die für die Modernisierung der Telekommunikationsnetze benötigt werde, berichten Teilnehmer der Verhandlungen.

Unterstützung erhalten die EU-Länderregierungen von der Telekom-Regulierungsbehörde Berec in Brüssel. Der Dachverband der europäischen Regulierungsbehörden hatte Ende 2014 eindringlich von der Abschaffung der Gebühren abgeraten. Dies wäre derzeit „weder machbar noch praktisch umzusetzen“, da die Handytarife und Reisemuster der EU-Bürger einfach zu unterschiedlich seien.

(Andreas Fier, WN)


 


 

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