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  • 13.06.2014, 09:11 Uhr
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  • Münster
Möglicher Lärmschutz-Konflikt

Stadt und Stadtwerke Münster streiten um Ausbau des Gastkraftwerks

Das Gaskraftwerk der Stadtwerke Münster am Hafen schreibt derzeit rote Zahlen. Folglich verbietet es sich, über einen Ausbau des Kraftwerkes nachzudenken. Gleichwohl treibt das Thema die Stadtwerke-Geschäftsführung um – und belastet zunehmend das Verhältnis zur Eigentümerin, der Stadt Münster.

Der Grund: Die Investorengemeinschaft Deilmann/Kresing möchte auf der Nordseite des Stadthafens, genauer gesagt auf dem alten Osmo-Gelände, ein neues Wohnquartier errichten. Die Stadt Münster müsste zu diesem Zweck den bestehenden Bebauungsplan, der eine Industrienutzung des Areals vorsieht, ändern und ein Wohngebiet ausweisen.

Der laufende Kraftwerksbetrieb wäre davon unberührt, bei einem Ausbau des Kraftwerks indes könnte sich nach vorliegenden Informationen ein Lärmschutzkonflikt ergeben. Konkret: Das obligatorische, speziell in den Nachtstunden zu hörende Brummen des ausgebauten Kraftwerkes könnte den zulässigen Grenzwert für ein Wohngebiet in der Nähe überschreiten.

Die Folge: Die Stadtwerke dürften zwar bauen, müssten aber in den Lärmschutz investieren. Stadtwerke-Geschäftsführer Dr. Henning-Müller Tengelmann hat in der jüngsten Sitzung des Planungsausschusses schon mal von sechs bis sieben Millionen Euro Mehrkosten gesprochen.

Stadtdirektor Hartwig Schultheiß bezweifelt dies. Auch bei dem bestehenden Kraftwerk habe es Lärmschutz-Auflagen gegeben, „um zum Beispiel die Wohnbebauung an der Soester Straße zu schützen“.

Vor diesem Hintergrund sei es „falsch“, für den Fall einer Kraftwerkserweiterung den erforderlichen Lärmschutz als Mehrkosten zu titulieren.

Uneinigkeit auch im Rat

Längst hat der Streit zwischen Stadt und Stadtwerken auch die Ratsmitglieder erreicht. Die Befürworter des Deilmann-Kresing-Projektes weisen darauf hin, dass ein Ausbau des Kraftwerkes sehr unwahrscheinlich sei, weswegen man den damit verbundenen Konflikt vernachlässigen könne.

Aus Kreisen des Stadtwerke-Aufsichtsrates hingegen heißt es, dass sich die derzeit unbefriedigende Marktsituation der Gaskraftwerke auch wieder ändern könne. Es sei fahrlässig, durch die geplante Realisierung des Wohnprojektes mögliche Expansionspläne der Stadtwerke zu verteuern. „Warum sollen die Stromkunden das Risiko dafür tragen, dass die Stadt ein Wohngebiet in der Nähe eines Kraftwerkes genehmigt?“, so ein Ratsmitglied.

Eine rechtlich neue Lage könnte sich ergeben, würde die Stadt auf dem Osmo-Gelände kein reines Wohngebiet schaffen, sondern ein Mischgebiet, wie es beispielsweise direkt an der Wasserkante geplant ist. Mischgebiet bedeutet eine Mischung aus Büros, Kleingewerbe und Wohnungen. Hier gelten andere Grenzwerte.

Der Investor Andreas Deilmann möchte davon aber nichts wissen. Das Wohnprojekt „Neuhafen“ habe eine jahrelange Vorgeschichte. Diesen Plan könne man nicht einfach durch einen anderen ersetzen, so der Architekt.

(Klaus Baumeister, WN)


 


 

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