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  • 24.03.2014, 14:09 Uhr
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  • Münster / Münsterland
Münster-Marketing Stadtführer

Tourismus-Broschüre in arabischer Fassung ohne "Schulterfrei-Fotos"

Händchenhaltende Pärchen, schulterfreies Top oder Balett-Tänzerin im schulterfreien Kleid - in der arabischen Fassung des Touristen-Flyers für Münster sucht man diese Bilder vergeblich. Münster-Marketing hat solche Bilder vorsichtshalber ersetzt, um Gäste aus dem arabischen Raum nicht vor den Kopf zu stoßen.

Ob der Scheich aus Tausendundeiner Nacht nach Münster kommt, steht in den Sternen: Sollte er aber die Domstadt besuchen, darf er sich neuerdings genauso wie Gäste aus Nordafrika und von der Arabischen Halbinsel über einen Stadtführer in arabischer Sprache freuen.

Das Faltblatt hat die städtische Tourismus-Agentur Münster-Marketing unlängst auf den Markt gebracht – allerdings mit einigen anderen Bildern als etwa beim russischen, spanischen oder japanischen Faltblatt: Das händchenhaltende Pärchen an den Aasee-Kugeln, die Balletttänzerin im Theater und die Frau mit Spaghettiträger-Top sind eigens ausgetauscht worden. Vorsichtshalber, um Gäste aus dem arabischen Raum nicht vor den Kopf zu stoßen, heißt es.

„Wir kennen die Sensibilität des Themas“, begründet Bernadette Spinnen, Leiterin von Münster-Marketing, diesen Schritt. „Wenn man mit Touristen arbeitet, weiß man, dass die Gepflogenheiten verschieden sind.“ Deshalb habe man sich bei der Bilderauswahl für den neuen Flyer in arabischer Sprache mit dem Zentrum für Islamische Theologie der Universität abgestimmt.

„Schließlich wollten wir nichts Kontraproduktives in die Welt setzen“, so Spinnen. Statt unbekleideter Schultern sehen arabische Augen deshalb in ihrem Münster-Stadtführer eine Außenansicht des Theaters sowie ein züchtig gekleidetes Paar im gesetzten Alter, das sich in der Touristen-Information eine Broschüre ansieht. Und die Aasee-Szenerie zeigt junge Leute an den Kugeln. Die übrigen Bilder sind identisch mit denen in den anderssprachigen Stadtführern.

Gleichwohl sieht Sarah Hartmann, Koordinatorin im Islam-Zentrum, die Schwierigkeit mit bestimmten Motiven nicht auf den Islam beschränkt: „Wie in allen anderen Religionen auch, gibt es manche Menschen, die sich daran stören könnten.“

Den Anstoß, den Münster-Führer, den es bislang in sieben Sprachen gab, auch in Arabisch herauszubringen, kam übrigens von der Universität, wie Bernadette Spinnen erzählt. Und Sarah Hartmann sagt: „Schön, dass wir unseren Gästen so Münster vorstellen können.“

Stadt Köln umschifft problematische Themen

Auch die Stadt Köln nimmt in ihren Tourismus-Broschüren in arabischer Sprache besondere Rücksicht auf Sitten und Gebräuche von Besuchern aus Nordafrika oder von der Arabischen Halbinsel: So wird der „Christopher Street Day“, der Demonstrationstag von Schwulen und Lesben, nach Angaben von Claudia Neumann, Leiterin von Köln-Tourismus, in einer Broschüre für arabische Gäste nicht erwähnt. „Solche Themen werden ausgeklammert.“

Auch bei Bildern mit wenig Haut sei man zurückhaltend. „Obwohl das in der arabischen Welt teilweise unterschiedlich gehandhabt wird.“ Vorsichtig gehe man mit dem Thema Party und Alkohol um, ergänzt Neumann. Selbst die Kölsch-Kultur findet nach ihrer Darstellung nur in einem Verweis auf ein spezielles Bier Niederschlag. Neben dem Stadtführer vertreibt Köln eine Broschüre Medizin-Tourismus auf Arabisch.

(WN)


 


 

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