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  • 17.10.2013, 11:29 Uhr
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  • Münster / Münsterland
Münster verliert Vorzeigeprojekt

Care-Institut für Arzneimittelforschung gescheitert

Die Medikamentenforschung sollte in Münster mit dem neuen Care-Institut eine Revolution erleben. Daraus wird nach der Entscheidung der Landesregierung nun vorläufig nichts. Die 15,75 Millionen Euro, die ab Herbst in den Aufbau des Forschungszentrums fließen sollten, werden nach der negativen Beurteilung eines unabhängigen Wirtschaftsprüfungsunternehmens nun nicht überwiesen.

Das Konzept für die Arbeit des Care-Instituts beruht auf einer von Stammzellforscher Hans Schöler, Direktor des münsterischen Max-Planck-Instituts für Molekulare Biomedizin, entwickelten Technologie. 

Die Wirtschaftsförderung Münster, die das Projekt seit Jahren intensiv unterstützt hatte, zeigt sich über das Scheitern geschockt. Deren Chef Dr. Thomas Robbers teilt die Einschätzung der vom Land beauftragten Gutachter, dass das Institut auch nach zehn Jahren nicht ohne öffentliche Fördermittel zu unterhalten wäre. Rund 100 Wissenschaftler sollten hier arbeiten. Dieses Risiko sei für das Land, das ja Geld der Steuerzahler einsetze, zu hoch gewesen. „Wir haben nicht den Eindruck, dass das Projekt beim Land nicht gewollt war“, trat Robbers der massiven Kritik von CDU und FDP entgegen, dass Wissenschaftsministerin Svenja Schulze „das Projekt von Anfang an vor die Wand fahren lassen wollte“, wie CDU-Landtagsabgeordneter Thomas Sternberg erklärte.

„Niemand hat erwartet, dass wir einen Plan B brauchen“

Nachdem das Land die Fördermittel nach langem Tauziehen im Sommer 2012 in den Haushalt gestellt hatte, seien alle Verantwortlichen davon ausgegangen, dass Care tatsächlich starten könne, sagte Robbers. „Niemand hat erwartet, dass wir einen Plan B brauchen“, reagierte auch Wissenschaftsministerin Svenja Schulze überrascht auf das Gutachten der in der Life-Science Branche spezialisierten Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Deloitte. Das Gutachten ist nicht öffentlich. Über eine Veröffentlichung müsse Professor Schöler entscheiden, so Schulze.

Der enttäuschte Stammzellforscher glaubt weiter an das wirtschaftliche Potenzial des Konzepts. Er will nun in anderen Bundesländern für seine Idee werben, sagte er.

Anzeichen für das Scheitern des Vorzeigeprojekts gab es offenbar wohl. Der mit der Umsetzung von „Care“ beauftragte Biotechnologie-Experte Ulrich Gerth ist nach Informationen unserer Zeitung seit Anfang Oktober nicht mehr im Amt.

(Karin Völker, Hilmar Riemenschneider)


 


 

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