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  • 12.05.2015, 08:51 Uhr
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  • Münster / Münsterland
Münsteraner Bankentage

Unangenehme Konkurrenz aus dem Internet stellt Geldhäuser vor neue Herausforderungen

Es sind schlechte Zeiten für Geldhäuser: Als ob niedrige Zinsen und neue Auflagen nicht reichen würden, drängen unter dem Stichwort „Digitalisierung“ auch noch neue Anbieter auf den Markt. Viele Themen für die „Münsteraner Bankentage“ des Instituts für Kreditwesen der Uni Münster.

„Jeder von Ihnen trägt heute seine Sparkasse oder Volksbank im Jackett oder in der Handtasche mit sich“ spielte Georg Fahrenschon, Präsident des Deutschen Sparkassen-und Giroverbandes (DSGV), auf die Digitalisierung an. Unkonventionelle Finanzanbieter wie Paypal werden bei Bezahlvorgängen im Internet immer stärker zur Konkurrenz (zur Definition Konkurrenz). Die eta­blierten Institute hätten hier „eindeutig geschlafen“, räumte Uwe Fröhlich, Präsident des Bundesverbands der Deutschen Volks- und Raiffeisenbanken, ein. Inzwischen sei es „mehr als fünf nach Zwölf“.

Immerhin hätten sich nun alle drei Bankengruppen geeinigt, ein vergleichbares Zahlungssystem übergreifend einzuführen. Es soll im Weihnachtsgeschäft Umsätze bringen. Doch laut einer Studie ist Paypal mit 24 Prozent bereits heute die meistgenutzte Bezahlart im Internet.

Fahrenschon verwies zudem darauf, dass bereits 38 Millionen der 45 Millionen Sparkassenkarten mittels NFC-Technik ohne physische Verbindung zu Terminals Zahlungsvorgänge zuließen. Darauf könne man neue Lösungen aufbauen.

„Banking ist notwendig, Banken sind es nicht“

Die digitale Konkurrenz verlangt den Instituten viel ab. „Banking ist notwendig, Banken sind es nicht“, habe Bill Gates schon vor mehr als zwei Jahrzehnten gesagt, erinnerte Fröhlich. Genossenschaftsbanken wie Sparkassen setzten zur Abwehr auf eine Verzahnung aller Kanäle vom Internet bis zur Filiale. Fröhlich spricht von „Omni-Kanal-Strategie“. Zugleich setzen beide weiter auf Regionalität und die Filiale, in der alle für die Beratung wichtigen Informationen zusammenlaufen. „Die Filiale bleibt der Dreh- und Angelpunkt im Kundenkontakt“, sagte Fahrenschon.

„Unsere Ware Geld wird längere Zeit nichts mehr wert sein“, befürchtete er. Die Politik des billigen Geldes der Europäischen Zen­tralbank stelle, etwa durch schrumpfende Erlöse aus dem Kreditgeschäft, nicht nur die Institute vor „große Herausforderungen“. Der Niedrigzins habe auch gesellschaftlich Folgen, da der Zins seine Wirkung als „Belohnung für Konsumverzicht“ vor allem aber bei der Bewertung wirtschaftlicher Risiken einbüße, so Fahrenschon.

Es gebe derzeit „eine sehr niedrige Bepreisung von Risiken“, zitierte auch die Vizepräsidentin der Bundesbank, Claudia M. Buch, Bundesbank-Papiere. Europas Geldpolitik sei zurzeit „nicht auf der Seite der Sparer, sondern auf der Seite der Schuldner“, sagte Fahrenschon – und erinnerte an die Lebensversicherungen.

Genossenschaftsbank- wie Sparkassen-Präsident wiederholten ihre Kritik an Europas Banken-Regulatorik, die sich zu sehr an großen Instituten orientiere.

(Martin Ellerich, WN)


 


 

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