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  • 15.07.2013, 09:51 Uhr
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  • Münster
Münsteraner Baukultur

Architekt Bastian verlässt Gestaltungsbeirat

Nach fünf Jahren ehrenamtlicher Tätigkeit verlässt der Münsteraner Peter Bastian wie vorgesehen den Gestaltungsbeirat. Im Interview zieht der Architekt eine Bilanz.

Fünf Jahre gehörte der münsterische Architekt Peter Bastian dem Beirat für Stadtgestaltung an, in den letzten zwei Jahren war er dessen Vorsitzender. Das Expertengremium berät die Politik bei Entscheidungen über Bauprojekte. Eine Bilanz seiner ehrenamtlichen Tätigkeit, die nun turnusmäßig endet, zieht Bastian im Gespräch mit Redakteur Martin Kalitschke.

Herr Bastian, wie wichtig ist ein Gremium, dessen Entscheidungen überhaupt nicht bindend sind?

Peter Bastian: Extrem wichtig, deshalb installieren auch immer mehr Städte einen Gestaltungsbeirat. Ein solches Gremium funktioniert natürlich nur, wenn es von der Politik gewünscht und ernst genommen wird. Mein Bestreben war es, die Akzeptanz in der Politik, die zwischendurch abgenommen hatte, wieder zu stärken.

Und, ist das gelungen?

Bastian: Ich denke schon. Vorübergehend gab es eine Phase, in der viele unserer Empfehlungen nicht umgesetzt wurden. Gespräche mit der Politik haben aber wieder zu einer besseren Verzahnung von Beirat und Planungsausschuss geführt.

Warum wurden Empfehlungen nicht umgesetzt?

Bastian: Ich vermute, dass das parteipolitische Gründe hatte. War der eine dafür, dann war der andere dagegen – unabhängig davon, ob das sachlich begründet war.

Die wichtigen Diskussionen werden bei Ihnen unter Ausschluss der Öffentlichkeit geführt.

Bastian: Mittlerweile diskutieren wir im nichtöffentlichen Teil auch mit Architekten und Bauherren. Sicher sorgt dieser Schritt für mehr Akzeptanz und Transparenz.

Die Presse muss außen vor bleiben. Das gibt dem Beirat den Anschein, ein Geheimgremium zu sein.

Bastian: Zwei Drittel unserer Mitglieder stammen aus Münster. Ich habe die Befürchtung, dass Diskussionen nicht mehr so offen geführt werden, wenn sie öffentlich stattfinden. Ich will aber nicht ausschließen, dass das in Zukunft einmal der Fall sein könnte.

Kann man über die Qualität von Architektur überhaupt abstimmen?

Bastian: Eigentlich eignet sich Architektur nur sehr eingeschränkt für demokratische Verfahren. Die Komplexität der Lösungsfindungen ist dafür zu hoch. Wie in allen anderen Fachbereichen sollte man sich auch hier auf Experten verlassen.

Wie wird man zu einem Experten, der sich so gut auskennt, dass er in den Beirat berufen wird?

Bastian: Man qualifiziert sich über die Arbeit, über seine Bauten, über Auszeichnungen und Kollegenempfehlungen. Man wird in den Beirat durch die Berufsverbände berufen.

Können Sie ein Projekt nennen, bei dem die Empfehlungen des Beirates ignoriert wurden?

Bastian: Das war beim LVM-Turm der Fall. Über ihn haben wir im Beirat kräftig diskutiert. Auswirkungen hatte das nicht.

Waren Sie gefrustet?

Bastian: Ja.

Was hatte den Beirat gestört?

Bastian: Die Beliebigkeit des Projekts. In seiner Präsentation stellte der Architekt des LVM-Towers ca. 20 unterschiedlichste Entwürfe vor, aus denen sich der Bauherr nur noch einen heraussuchen musste. Wir sahen die Gefahr, dass bei dem Turm die Attraktion im Vordergrund steht.

Ist das so schlimm?

Bastian: Ein weniger spektakuläres, nachhaltigeres Gebäude, das nicht nach 20 Jahren wieder aus der Mode ist, hätten wir bevorzugt.

War das ein Einzelfall?

Bastian: In dieser Form ja, Anders lief es beim Umbau der ehemaligen Dresdner Bank. Da hatten wir ein klares Votum für das Ergebnis der Überarbeitung abgegeben, das aber dem Planungsausschuss nicht gefiel.

Woran lag das?

Bastian: Das Problem entsteht, wenn Laien sich für Experten halten. Bei Architektur fühlt sich ja jeder als Fachmann, was erst einmal nachvollziehbar ist, weil ja jeder täglich mit Architektur konfrontiert ist. Problematisch wird es, wenn Laien den Architekten sagen wollen, wie es geht. Man sagt dem Bäcker ja auch nicht, wie er seine Brötchen backen soll. Architektur beschränkt sich aber nicht nur auf gestalterische Fragen. Die Politik entscheidet natürlich in einem Abwägungsprozess zwischen wirtschaftlichen, soziologischen, technischen und gestalterischen Aspekten.

Dennoch sind Sie über das Gremium froh, auch wenn es manchmal nur ein zahnloser Tiger ist?

Bastian: Ja. Man kann übrigens trefflich darüber diskutieren, ob im Baurecht nicht eine Gestaltungsverpflichtung verankert sein müsste, die genau so bindend geprüft werden könnte wie zum Beispiel Vorgaben zur Geschossigkeit.

(Martin Kalitschke)


 


 

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