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  • 10.05.2013, 08:45 Uhr
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JVA Münster

Neuer Gefängnis-Standort ist Handorf

Worüber in Münster seit Wochen diskutiert wird, verkündete Ministerialdirigent Peter Kamp vom Düsseldorfer Justizministerium am Mittwoch offiziell: Das Land NRW möchte im münsterischen Ortsteil Handorf eine neue Justizvollzugsanstalt bauen.

Der Neubau ist erforderlich, weil das bisherige Gefängnis an der Gartenstraße baufällig ist. Überdies bieten sich laut Kamp am neuen Standort „bessere Möglichkeiten“ für einen modernen Strafvollzug, etwa durch den Bau von Werkstätten. Auf dem vier Hektar großen JVA-Areal mitten in Münster sei dies nicht möglich.

„Vorlaufzeit von zweieinhalb bis drei Jahren“

Dem neuen Gefängnis am Stadtrand – praktisch auf halber Strecke zwischen Münster und Telgte – soll eine Fläche von 15 bis 18 Hektar zur Verfügung gestellt werden. Bis zum Baubeginn rechnet Kamp mit einer „Vorlaufzeit von zweieinhalb bis drei Jahren“.

Der Bau- und Liegenschaftsbetrieb des Landes sowie die Stadt Münster hatten in den vergangenen Monaten insgesamt 34 Standorte überprüft und dabei zehn in die engere Wahl gezogen. Das Justizministerium entschied sich dann für diese Freifläche im Osten Münsters. Ausschlaggebend war nicht zuletzt, dass die Planer wegen des großen räumlichen Abstands zum nächsten Wohnquartier nur mit geringen Protesten rechnen. Überdies erlauben es die vielen Waldflächen rund um die neue JVA, die optisch erschlagende Wirkung der 5,5 Meter hohen Mauer zu kaschieren. Angebunden wird das Gefängnis über die Bundesstraße 51.

Mit der Fertigstellung der neuen Einrichtung möchte das Land die 46 Plätze im Coesfelder Gefängnis aufgeben. Münster verfügt derzeit über 524 Plätze. In der neuen Einrichtung sollen es 640 Plätze im Strafvollzug sein, überdies 60 Arrestplätze. Zum Hintergrund: Im Jugendstrafrecht ist es durchaus üblich, sogenannte Wochenendarreste zu verhängen. Die Bündelung verschiedener, bislang dezentraler Arrestplätze, so Peter Kamp, biete unter pädagogischen Gesichtspunkten ganz neue Chancen.

Zu den Standorten, die in die engere Wahl gezogen wurden, gehörten Flächen in Sprakel, Wolbeck und Albachten. Sämtliche Flächen rund um Amelsbüren kamen nicht in Betracht, weil sich dort eine forensische Klinik befindet. Wie Vertreter der Stadt Münster und des Landes NRW versicherten, war die jetzt abgeschlossene Standortsuche ausschließlich auf das Thema JVA ausgerichtet gewesen. Im Münsterland kursieren Gerüchte, die gewonnenen Erkenntnisse könnten in die Standortsuche für eine forensische Klinik einfließen.

Altes Gefängnis unter Denkmalschutz

Was passiert mit dem alten, markanten Gefängnis an der Gartenstraße in Münster, wenn der Neubau im Stadtteil Handorf fertig ist?

Das ist eine sehr spannende Frage. Nach Auskunft von Markus Vieth, Leiter des Bau- und Liegenschaftsbetriebes NRW in Münster, handelt es sich bei dem Gebäude um ein Denkmal, was nicht einfach abgerissen werden kann. Gleichwohl sei der bauliche Zustand sehr schlecht, weshalb im Vorfeld einer neuen Nutzung sehr große Investitionen erforderlich seien. Die Lage des vier Hektar großen JVA-Geländes – nur einen Steinwurf von der Promenade entfernt – dürfte sehr große Begehrlichkeiten auslösen. Citynahe Grundstücke in Münster sind rar und teuer.

Gleichwohl steht und fällt eine mögliche Überplanung des Geländes mit einer Klärung der komplizierten denkmalrechtlichen Fragen.

(Klaus Baumeister)


 


 

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