Weitere Artikel
  • 26.02.2015, 08:23 Uhr
  • |
  • Münsterland / Gronau
Nach dem Ölaustritt

Experten sehen schwarz für Öl-Lager im Gronauer Amtsvenn

Bis zur Sanierung der Umweltschäden nach dem Ölaustritt im Amtsvenn in Gronau können noch Monate vergehen. Das ist am Dienstagabend im Gronauer Umweltausschuss bekannt geworden. Möglicherweise werden dafür notwendigen Maßnahmen erst 2016 beginnen. Das ist eine der Informationen von Gutachter Dr. Hans-Peter Jackelen, Dezernent Peter Dörne (Bergbehörde Bezirksregierung Arnsberg) und Georg Hengst (Salzgewinnungsgesellschaft Westfalen, SGW). Unter dem Tagesordnungspunkt „Sachstandsbericht Ölschaden Amtsvenn“ erfuhren die Politiker aber noch mehr.

„Die Art von Technik, die bisher eingesetzt wurde, wird es nicht weiter geben“, machte Dörne deutlich. Wenn die BP und die Erdölbevorratungsgesellschaft (EBV), die zur nationalen Energiereserve rund 1,4 Millionen Kubikmeter Öl im Amtsvenn eingelagert haben, am Standort weiter Öl lagern wollen, müssten die drei vorhandenen Kavernen technisch umgerüstet werden. So wie bei den Gaskavernen werde es dann eine doppelte Verrohrung geben, bei der durch das Innenrohr Öl ein- und ausgespeichert werde.

Ein äußeres Rohr bilde rundherum einen überwachten Kontrollraum. Diese technische Verbesserung lasse sich erreichen, indem die vorhandene Verrohrung komplett erneuert werde oder eine neue Bohrung zur Kaverne getrieben werde. Beide Verfahren seien aber mit immensen Kosten verbunden, meinte Dörne. Und: Die Sanierung sei nicht nur für die defekte Kaverne nötig, sondern auch für die beiden anderen befüllten (aber derzeit drucklos gestellten) Ölkavernen.

Was Dörne nicht sagte: In Deutschland gibt es mehr als 250 Kavernen, deren Sanierung dann auch auf dem Prüfstand steht. Sollte entschieden werden, im Amtsvenn kein Öl mehr zu speichern, sei die kaputte Kaverne „auf jeden Fall – wie auch immer – zu reparieren“ (Dörne), um das Öl letztmalig gefahrlos an die Oberfläche zu holen.

Sanierung der Umweltschäden

Für die geplante Sanierung der Umweltschäden prüfen die Experten zurzeit, welche Sanierung für welche Schäden effektiv, sinnvoll und bezahlbar ist und erarbeiten eine detaillierte Darstellung der besten Methode. Auf Fragen der Politiker machten Dörne und Jackelen deutlich, dass es sicher keine Komplettsanierung bis in 217 Meter Tiefe geben werde: „Es gibt keinen Schadensfall, der zu 100 Prozent saniert wurde.“ Vielmehr gehe es darum, so weit zu sanieren, „dass keine Gefährdung mehr besteht“. Die Sanierung sei dabei abhängig davon, „welche Gefahren von einem Schadstoff ausgehen“. Im konkreten Fall könne unterirdisch mit mikrobiologischen, thermischen und chemischen Verfahren saniert werden.

Einzelheiten dazu werden sich aus dem geologischen Modell des Schadensbereiches ergeben, das derzeit von verschiedenen Fachleuten erarbeitet wird. Peter Dörne ergänzte: „Den Rest wird man in 217 Meter Tiefe belassen und ein pfiffiges Monitoring aufbauen, um das langfristig zu beobachten.“ Je nach Entwicklung seien dann weitere Maßnahmen erforderlich.

Oberirdisch wird das Öl-Wassergemisch (dessen Ölgehalt geringer werde) weiter abgesaugt und aufgearbeitet. Das Öl werde entsorgt und das Wasser wieder dem Brauchwasser-Kreislauf der Salzgewinnungsgesellschaft Gronau zugeführt. Neben der weiteren intensiven Beobachtung der Schadensbereiche seien inzwischen zahlreiche Sanierungsmaßnahmen – von Bodenaustausch bis Wiederaufforstung von Flächen – bereits angelaufen.

(Klaus Wiedau, WN)


 


 

Ölaustritt
Amtsvenn
Gaskavernen
Bohrung
Kaverne
Lagerung

Passende Artikel suchen

Finden Sie weitere Artikel zum Thema "Ölaustritt" - jetzt Suche starten:

Entdecken Sie business-on.de: