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  • 25.06.2015, 08:54 Uhr
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  • Münster / Münsterland
Neue Wege für mehr Handel

Deutsch-Niederländisches Wirtschaftsforum in Münster

Namhafte Wirtschaftsvertreter aus den Niederlanden und Deutschland haben sich für einen besseren Ausbau des Verkehrsnetzes zwischen den Nachbarländern starkgemacht, um den grenzüberschreitenden Handel weiter zu vertiefen.

„Der Ausbau von Beziehungen ist kein Selbstläufer. Wir müssen konkrete Projekte angehen“, sagte der Präsident des niederländischen Arbeitgeberverbandes VNO-NCW, Hans de Boer, am Mittwoch anlässlich des Deutsch-Niederländischen Wirtschaftsforums in Münster.

De Boer schlägt unter anderem eine Reaktivierung der alten Hanse-Linie vor, die von Amsterdam über Bremen und Hamburg bis nach Berlin führen könnte. „Wir können heute mit einem Hochgeschwindigkeitszug in zweieinhalb Stunden von Amsterdam nach Paris fahren – aber nicht nach Hamburg oder München“, so der niederländische Arbeitgeberpräsident.

BDI-Chef Ulrich Grillo forderte zugleich eine engere Zusammenarbeit bei Fragen der Energieversorgung, die sich jedoch auf ganz Europa erstrecken müsse. „Durch einen Energie-Binnenmarkt können wir jährlich Effizienzgewinne in Höhe von 50 Milliarden Euro erwirtschaften“, sagte der Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI). Die Energiewende lasse sich aber nur gemeinsam meistern. Grillo: „Bislang haben wir 16 Energiewenden – in jedem Bundesland eine.“ Deshalb sei auch ein schneller Ausbau der Netz- Infrastruktur zwischen Deutschland und den Niederlanden geboten.

Abbau bürokratischer Hemmnisse gefordert

Wenig Nachholbedarf attestieren die Wirtschaftsvertreter den Nachbarländern indes in zwischenmenschlicher Hinsicht. „Grundsätzlich gibt es in den Beziehungen kaum etwas zu verbessern“, erklärte Reinhard Zinkann, Chef des Haushaltsgeräteherstellers Miele. Zinkann, zugleich Vorstandsmitglied der Deutsch-Niederländischen Handelskammer, mahnte jedoch den Abbau von bürokratischen Hemmnissen an. Insbesondere die Unterschiede in der Rente und der Krankenversicherung würden den Austausch von Arbeitskräften erschweren.

Der Präsident der Bertelsmann-Stiftung, Aart Jan de Geus, sieht ähnliche Probleme auch beim grenzüberschreitenden Austausch von Dienstleistungen. „Ich kann zwar die Waren des Nachbarn kaufen, die Dienstleistungen jedoch oft nicht“, erklärte der niederländische CDA-Politiker. Hintergrund seien unterschiedliche Vorschriften, die trotz des gemeinsamen europäischen Marktes noch immer vorhanden seien. „Wir wollen keine Grenzen, aber sie sind noch immer da.“

BDI-Chef Grillo setzt derweil auch auf Impulse durch das umstrittene Freihandelsabkommen TTIP zwischen den USA und Europa. Unterstützung erhält er vom niederländischen Christdemokraten de Geus. „Deutschland und die Niederlande können eine treibende Rolle bei TTIP spielen“, ist sich der Politiker sicher.

(Andreas Fier, WN)


 


 

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