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  • 25.03.2013, 09:36 Uhr
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  • Münster & Münsterland
Ökodesign-Richtlinie

Wassersparen macht im Norden das Wasser teurer

Die bisher stabilen Preise für die Wasserversorgung sieht Gelsenwasser durch die EU-Richtlinie gefährdet. Hohe Fixkosten und fehlende Netzauslastung würden letztlich zu höheren Preisen und sogar technischen Problemen führen. Auch das Thema Fracking bereitet dem Unternehmen weiter Sorgen.

Für die 2,3 Millionen Kunden von Gelsenwasser wird das Duschen und Zähneputzen auch in diesem Jahr nicht teurer. Das hat Gelsenwasser-Vorstandschef Henning Deters am Freitag in Gelsenkirchen versprochen. Der kommunale Versorger hält die Preise zum achten Mal in Folge stabil. Deters: „Die Entwicklung des Wasserpreises liegt damit deutlich unter der sonstigen allgemeinen Preisentwicklung“.

Wie lange diese Stabilität gewahrt bleibt, steht indes in den Sternen – und in den Aktenordnern der EU-Kommission in Brüssel. Nach dem Aus für die Glühbirne drehen die dortigen Spitzenbeamten den Bürgern nun den Wasserhahn zu. Grundlage ist die sogenannte Ökodesign-Richtlinie, auf die der Gelsenwasser-Chef gestern aufmerksam machte. „Im EU-Plan ist bis zum Jahr 2014 die Einführung einer Pflicht für wassersparende Armaturen vorgesehen“, erklärte Deters. Der durchschnittliche Pro-Kopf-Verbrauch in Deutschland soll damit von derzeit 122 Liter auf rund 85 Liter pro Tag gedrückt werden.

Hohe Fixkosten und fehlende Netz-Auslastung

Das Problem: Wassersparen lohnt sich für die meisten Haushalte in Mitteleuropa finanziell nicht. Im Gegenteil: Die Fixkosten der Wasserversorger für Leitungen und Abwasserrohre müssen in der Folge auf immer weniger Kubikmeter Wasser umgelegt werden. Das macht schlussendlich das Wasser teurer. „Rund 90 Prozent unserer Kosten sind Fixkosten“, so Deters. Die vorhandene Infrastruktur , spricht Rohrnetze und Wasserwerke, sei schon heute nicht ausgelastet.

Aus der Sicht von Technikern kann der Schuss aus Brüssel sogar nach hinten losgehen. „Rohrleitungen müssen häufig gespült werden“, erklärt ein Techniker. „Wasser ist nur im Süden Europas knapp, im Norden macht das kaum Sinn.“ Aufzuhalten ist die Entwicklung trotzdem nicht mehr. Die Ökodesign-Richtlinie, auf deren Basis auch die Glühbirne aus den Läden verbannt wurde, sieht vor, dass die EU-Kommission die Mitgliedsländer und das Europa- Parlament nicht um Erlaubnis fragen muss, wenn neue Sparideen aufflackern.

Sorge um Fracking

Sorge bereitet Gelsenwasser nach wie vor der Umgang mit der Förderung von Gas aus tiefen Gesteinsschichten mit Hilfe von Chemikalien. Der vorliegende Gesetzentwurf, der das sogenannte Fracking lediglich in Wasserschutzgebieten verbietet, greift aus Sicht der Fachleute zu kurz. „Es bringt nichts, wenn wir Wasserschutzgebiete vom Fracking ausschließen und in der Folge das mit Chemikalien verunreinigte Wasser auf anderen Wegen zurückbekommen“, betonte Deters.

Als Beispiel führte der Gelsenwasser-Chef die Ruhr an. Im Einzuggebiet des Flusses, der Trinkwasser für rund vier Millionen Menschen liefert, sind lediglich acht Prozent der angrenzenden Flächen als Schutzzonen ausgewiesen. Ähnlich sehe die Lage rund um den Halterner Stausee und entlang der Stever aus, warnte Detert. Erlobte gleichzeitig die Landesregierung – in NRW verhindert noch immer ein Moratorium Probebohrungen, solange die Folgen des Frackings nicht geklärt sind.

Problematisch ist aus Sicht der Wasserwirtschaft der Einfluss internationaler Großkonzerne auf die Berliner Politik. Nur so sei zu erklären, dass der vorliegende Gesetzentwurf Entschädigungen für die Bohrunternehmen vorsehe, wenn aus Wasserschutzgründen nicht gefrackt werden darf. Deters: „Am anderen Ende des Seils ziehen andere mit anderen Interessen. Und das sind keine Kleinen.“

Gelsenwasser in Zahlen

Als einer der größten Trinkwasserlieferanten in Deutschland versorgt Gelsenwasser Teile des Ruhrgebietes, des Niederrheins und des Münsterlandes.

  • Insgesamt lieferte Gelsenwasser im vergangenen Jahr 239,9 Millionen Kubikmeter Wasser.
  • Der Umsatz stieg um 191,8 Mio. € auf 1,058 Mrd. €. Grund sind hauptsächlich höhere Handelspreise. Der Jahresüberschuss fiel leicht von 102,4 Mio. € auf 95,6 Mio. €
  • Gelsenwasser tritt auch als Versorger für Erdgas und Strom auf. Sorgen bereitet hier die Onlinetochter „Energie hoch 3“.

Durch Preissteigerungen in Folge der höheren EEG-Umlage kehrten viele Kunden dem Internet-Ableger zum Jahresende den Rücken. Die Kundenzahl fiel von über 50.000 auf rund 36.000.

(Andreas Fier)


 


 

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