Weitere Artikel
  • 25.04.2014, 09:17 Uhr
  • |
  • Münsterland / Ochtrup
Ölfunde im Amtsvenn bei Gronau

NWO transportiert tonnenweise Öl durchs Münsterland

Helmut Horstmann und Thomas Getrost arbeitet bei einer seltsamen Firma. „391 Kilometer lang und zehn Meter breit“, sagt der Pressesprecher Getrost von der Nord-West Ölleitung (NWO) lachend. Die NWO ist in den vergangenen Tagen wegen der Ölfunde im Amtsvenn bei Gronau mehr in die Öffentlichkeit geraten, als ihr lieb ist. „Wir haben damit nichts zu tun“, sagt Trassenmeister Helmut Horstmann. Auch die Bezirksregierung Arnsberg hat das bestätigt.

Von Wilhelmshaven über Ochtrup bis nach Köln-Wesseling fließen in der Stunde 1.700 bis 1.900 Kubikmeter Öl, die Pipeline hat einen Durchmesser von 28 Zoll – also so viel wie das Rad eines Herrenrades. Die Mengen, die seit dem Bau der Leitung von durchs Münsterland geflossen sind, sind unvorstellbar groß: Vor einem Monat hat die NWO ihre Eine-Milliardste transportierte Tonne Öl gefeiert. Um sich das vorzustellen, ist ein Würfel nötig, der einen Kilometer lang, breit und hoch ist.

Der obere Rand der Pipeline liegt 1,20 bis 1,40 Meter unter der Erde – tief genug, um den natürlichen Feinden einer Pipeline aus dem Weg zu gehen: Baggern und Pflügen und von Laien nur zu erkennen an den gelben Pöhlen mit dem gelben Dach, die entlang der Route aufgestellt sind. NWO-Sprecher Getrost betont, dass das Unternehmen alles tut, um Lecks zu vermeiden: Mit Sensoren gespickte Computer, die die Wände auf Macken ultraschallern, Flüge mit dem Hubschrauber, Kontrolle des Drucks – alles, um Pannen wie 1972 zu vermeiden. Damals schossen annähernd eine Millionen Liter Öl aus einem Riss in einer Ölleitung.
In den 28 Jahren, in denen Horstmann für die NWO arbeitet, hat es solche Probleme nicht mehr gegeben. Er sagt: „Ohne unser System wäre der Dieselpreis immer höher gestiegen.“ Zumal die Massen an Öl mit Wagen genauso wenig zu transportieren gewesen wären wie mit Binnenschiffen. Als nicht vorstellbar bezeichnet es der NWO-Mitarbeiter, die Massen anders als durch die Röhre zu schicken.

391 Kilometer langer Weg für das Öl

Ochtrup ist für das Öl ein wichtiger Zwischenstopp auf seinem 391 Kilometer langen Weg. „Wir bringen das Öl hier noch mal in Schwung“, sagt der Trassenmeister. In Ochtrup steht eine von drei Pumpstationen, mit denen das Öl so angeschubst wird, dass man schon stramm gehen müsste, um ihm folgen zu können. In Ochtrup steht zudem ein mächtigen Tank (Durchmesser 60 Meter, 17,5 Meter hoch). Der – und da kommen die Kavernen in Gronau ins Spiel – dient als Puffer für das Öl dort. Die Ölmengen, die durch das Stahlrohr schießen, wären für die unterirdischen Hohlräume zu viel.

Darum landet das Öl zunächst in dem Tank, um von da aus durch ein dünneres Rohr nach Gronau geleitet zu werden. Allerdings ist das nur ganz selten der Fall. Denn: die Kavernen unter anderem in Gronau dienen dazu, für Krisenzeiten 90 Tage lang Erdöl bereitzuhalten. Seitdem die voll sind, wird da nur noch „alle 15 oder 20 Jahre Öl reingepumpt“, schätzt Getrost. Und nicht, weil Jemand die stillen Reserven angezapft hätte, sondern weil Ölraffinerien neue Mischungen für ihr Öl brauchen und deswegen auf die Reserven zugreifen.

Nord-West Ölleitung GmbH

Die Nord-West Ölleitung GmbH beliefert Raffinerien in Lingen, Gelsenkiechen-Scholven und -Horst sowie in Köln-Wesseling. Sie wurde 1956 gegründet. Das Verlegen der Pipeline hat damals ein knappes Jahr gedauert. Das Unternehmen ist eines von 14 in Deutschland, die eine Pipeline betreiben. Nach eigenen Angaben transportiert die NWO rund 20 Prozent des gesamten Öls, das durch Deutschland gepumpt wird. Es stammt zum größten Teil aus der Nord- und Ostsee. Die GmbH gehört der Deutschen BP, Shell Deutschland, Holborn Europa Raffinierie und der Ruhr Öl GmbH. In den Raffinerien wird das Öl in Benzin und Diesel umgewandelt.

(Stefan Werding, WN)


 


 

NWO
Gronau
Pipeline
Ochtrup
Pipeline

Passende Artikel suchen

Finden Sie weitere Artikel zum Thema "NWO" - jetzt Suche starten:

Entdecken Sie business-on.de: