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  • 24.04.2014, 09:17 Uhr
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  • Münster
Ofen aus beim Hofbäcker

Hofbäckerei schließt am Samstag aus Altersgründen

Noch steht Klaus Bleckmann jede Nacht in seiner Backstube an der Moltkestraße und backt dort – gut gelaunt mit einem Liedchen auf den Lippen – die Stroh-Brötchen (weil sie auf Stroh so schön knusprig werden) oder das Frankenbrot. Doch am Wochenende wird der Ofen endgültig aus sein.

Klaus Bleckmann (72) möchte aus Altersgründen zukünftig kleinere Brötchen backen und schließt am Samstag seine Hofbäckerei an der Königsstraße für immer – mit einem Abschiedsfest für Kunden und Gäste.

Der bekannte Münsteraner ist seit 47 Jahren selbstständiger Bäckermeister in der Stadt. Mit zwei Bäckereien an der Rudolf-von-Langen-Straße und der Staufenstraße begann 1967 die lange Firmengeschichte. Mitte der 1980er Jahre hatte der gewiefte Unternehmer, der als Bäcker vor 50 Jahren sogar mal zur See gefahren war, zehn Filialen in Münster, drei Vorkassen-Zonen unter anderem bei Karstadt und Horten sowie zwei Marktwagen. „Zusätzlich habe ich große Unternehmen wie die Bundeswehr beliefert“, blickt Bleckmann zurück. 100 Angestellte hatte der Sohn eines Tischlermeisters zu der Zeit. „Die anderen Bäcker konnten mich damals leiden wie der Teufel das Weihwasser“, sagt er.

Faible für den technischen Fortschritt

Bleckmann hatte ein Faible für den technischen Fortschritt. Moderne Maschinen und damals spektakuläre „Brötchenstraßen“ gehörten für ihn dazu. Doch er erkannte auch, dass die Qualität der Ware angesichts des rasanten Wachstums nachließ. Zumal es für ihn immer schwieriger wurde, geschulte Fachkräfte wie gute Meister oder Altgesellen zu finden.

1988 entschloss er sich zum radikalen Schnitt, verkaufte seine Filialen und investierte das Geld in Immobilien. Zu seiner Vermögensverwaltungs-Gesellschaft gehören heute rund 50 Häuser. Nach einem Jahr Pause („Die schwerste Zeit in meinem Leben“) stand Bleckmann wieder in der Backstube, um im Beverfoerder Hof seine Hofbäckerei zu beliefern. „Die Idee zu dem Namen hatte meine Frau Magda an einem launigen Abend im Stuhlmacher“, plaudert Bleckmann. Wie zu hören ist, wird das 60 Quadratmeter große Ladenlokal bald der benachbarte Chocolatier zusätzlich übernehmen.

Bleibt die Frage, wo Klaus Bleckmann ab Montag seine Brötchen kaufen wird? „Bei Heinrich Krimphove“, gibt er offen zu. Beim „Guten Bäcker“ hatte er vor Jahrzehnten seinen Meister gemacht.

(Ralf Repöhler, WN)


 


 

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