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  • 15.03.2013, 13:42 Uhr
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  • Kreis Borken
Online-Sucht

Zwischen Enter und Escape - wie die neuen Medien unser Leben bestimmen

"Sowohl soziale Netzwerke als auch sogenannte Online-Spiele können ein riskantes Konsumverhalten auslösen oder gar in die Abhängigkeit führen!" sagte Christian Groß vom "Arbeitskreis gegen Spielsucht" (Unna) in seinem Vortrag im Borkener Kreishaus.

Vor rund 170 Gästen aus der Jugend- und Gesundheitshilfe sowie dem Schulbereich erwies sich der Psychologe und Suchttherapeut Christian Groß als Mann der klaren Worte. So manchem aus seiner Zuhörerschaft öffnete er die Augen, als er die Gefahren dieser modernen Unterhaltungsmedien darstellte.

Genau das war auch Absicht der Organisatoren vom Kreisjugendamt Borken, wie dessen Leiter Christian van der Linde bei der Begrüßung der Veranstaltungsteilnehmerinnen und -teilnehmer herausstellte. "Der Jugendmedienschutz sowie die Sucht- und Gesundheitsvorbeugung gehören mit zu unseren Aufgaben im Rahmen des erzieherischen Kinder- und Jugendschutzes", erklärte er und betonte: "Gerade diese drei Aspekte spielen beim Thema Medienabhängigkeit eine ganz wichtige Rolle!"

Referent Christian Groß griff diesen Faden sofort auf. Aufgrund seiner vielfältigen beruflichen Erfahrungen auch in der Suchtberatungsstelle der Caritas in Neuss sowie in der Forschung zur Medienabhängigkeit am Institut für Psychiatrie und Psychotherapie in Bochum konnte er mithilfe vieler Beispiele den Weg in die Abhängigkeit von Online-Spielen demonstrieren.

Zwar habe die "Pinta-Studie" aus dem Jahr 2011 gezeigt, dass das Suchtpotenzial bei sozialen Netzwerken wie Facebook noch höher ist. "In der therapeutischen Praxis werden aber vor allem Jugendliche und junge Erwachsene vorgestellt und behandelt, bei denen sich eine Abhängigkeit von Online-Spielen herausgestellt hat", erläuterte Groß.

Nutzung von Smartphone-Apps schwer kontrollierbar

Soziale Netzwerke funktionieren über Apps auf Smartphones, so dass die Eltern eine überzogene Nutzung meist gar nicht bemerken können. "Um im Internet zu spielen, brauchen Sie hingegen einen PC", machte der Referent deutlich. So würde zuhause schon eher auffallen, dass der hoffnungsfrohe Nachwuchs stundenlang und ohne Pause vor dem Bildschirm sitzt. Christian Groß: "Online-Spiele bieten bei Problemen die ideale Fluchtmöglichkeit aus dem realen Leben." Sie eröffnen eine völlig eigene Fantasy-Welt, in der man über Spiele vor allem durch exessiven Zeitaufwand punkten und womöglich weltweit Anerkennung bekommen kann.

Über soziale Netzwerke holen sich viele Jugendliche ebenfalls Bestätigung durch ausführlichste Selbstdarstellung und den "GEFÄLLT-MIR-Button". Während die Online-Spiele vor allem Jungen anlocken, so sind die sozialen Netzwerke insbesondere für weibliche Nutzer gefährlich in Punkto Abhängigkeit. Aufmerksam werden sollten die Eltern immer dann, wenn sich alles nur noch um das Internet dreht und andere Interessen, Kontakte und Pflichten komplett vernachlässigt werden, riet Groß.

Es bestehe schließlich die Gefahr, keine Kontrolle mehr über die Nutzung zu haben, negative Gefühlszustände über das Internet zu regulieren oder sogar schon psychisch oder körperlich zu erkranken.

"Da die 'neuen Medien' heute für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene ganz selbstverständlich zur eigenen Lebenswelt gehören, kommen wir mit generellen Verboten und dem erhobenen Zeigefinger nicht weiter", ergänzte anschließend Ute Isferding, Leiterin der Abteilung Kinder- und Jugendförderung im Kreisjugendamt. Jugendliche und mitunter auch schon Kinder seien ihren Eltern und Lehrkräften häufig technisch weit überlegen. "Das bedeutet aber keineswegs, dass sie auch über die nötige Medienkompetenz verfügen, um mit den Risiken im Alltag richtig umzugehen." Eltern und Pädagogen dürften sich folglich nicht davon abschrecken lassen, sich inhaltlich mit sozialen Netzwerken und Online-Spielen zu beschäftigen, konstatierte Ute Isferding zum Abschluss der Vortragsveranstaltung.

(Redaktion)


 


 

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