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  • 01.03.2013, 09:31 Uhr
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  • Kreis Steinfurt/Westerkappeln
Ortskern in Westerkappeln

Handlungsempfehlungen für den Einzelhandel

Im Hinblick auf die Entwicklung des Ortskerns gibt es offenbar zu wenig Kommunikation zwischen der Gemeinde und der Kaufmannschaft. Bei einer gemeinsamen Informationsveranstaltung der kommunalen Wirtschaftsförderung und der Interessengemeinschaft Handel und Gewerbe (IHGW) im Rathaus wurde dies bemängelt.

Möglicherweise müssen die örtlichen Ladeninhaber und -betreiber aber auch untereinander besser ins Gespräch kommen. Denn die Resonanz auf den fast dreistündigen Diskussionsabend war weniger als mäßig.

Neben dem fünfköpfigen IHGW-Vorstand hatte sich am Mittwochabend gerade mal ein halbes Dutzend anderer Geschäftsleute ins Rathaus verirrt. Mitglieder des Rates, sollten sie sich denn eingeladen gefühlt haben, waren gar keine da. Lag`s am DFB-Pokal oder hat der eingesessene Handel innerlich kapituliert ?

Dabei hatte Dr. Thomas Schwarze vom Büro bds towns aus Münster interessante Handlungsempfehlungen für die Geschäftsleute im Gepäck. Die Tipps gab es aber erst zum Schluss. Zuvor wurde – wieder einmal – lang und breit über das Wohl und Wehe der geplanten Rewe-Ansiedlung diskutiert.

Insbesondere Martin Laumann-Stening, Fahrradverkäufer und stellvertretender IHGW-Vorsitzender, sieht durch das neue Einkaufszentrum an der Heerstraße den Edeka als Ankermarkt für den Ortskern bedroht. Breche dieser weg, werde es einen Domino-Effekt geben.

„Das Spannende ist doch, dass Rewe 400 Meter vom Ortskern entfernt ist und nicht in Mettingen, Ibbenbüren oder Osnabrück“, sagte Schwarze. Und Auch Bauamtsleiter Dieter Salewski sieht das geplante Einkaufszentrum an der Heerstraße eher als Chance. Wenn es gelänge, nur fünf Prozent der Kunden von dort ins Zentrum zu bekommen, sei schon viel für den Ortskern gewonnen.

Dafür muss sich der Einzelhandel im Ort aber auch anstrengen. Bei der Haushaltsbefragung hatten die Bürger in Bezug auf die Lebensqualität in Westerkappeln die Note 2,39 gegeben. „Das ist ein wirklich guter Wert“, betonte Schwarze. Im Ortskern gebe es eine hohe Kundenbindung. Einwohner aus den Außenbereichen, wo gut die Hälfte der Bevölkerung lebt, kauften dagegen in höherem Maße auswärts ein. Vor allem sie müssten gewonnen werden.

Ortskern ist ein Einkaufszentrum

Die Geschäftsleute müssten den Ortskern als Einkaufszentrum verstehen. Zu oft handelten Einzelhändler jedoch einzeln. Lokale Stärken, die die Haushaltsbefragung insbesondere bei Spielwaren und Kinderbekleidung deutlich gemacht hat, müssten ausgebaut, Schwächen beseitigt werden.

„Man muss etwas anbieten, was man woanders nicht bekommt“, empfahl Schwarze. Denn die Leute fragten sich schon, ob es sich lohne, zehn Kilometer weit zu fahren. Auch ein existierendes Geschäft könne sein Sortiment weiterentwickeln. Oder die IHGW solle zu Existenzgründungen ermutigen, insbesondere bei Angebotslücken. Sanitätsartikel, Bio-Waren, Werkzeug, Baumarktbedarf oder Textilien für Jugendliche wurden bei der Haushaltsbefragung besonders vermisst.

Die Schaufenstergestaltung, Warenpräsentation und die Ladenöffnungszeiten gehörten ebenso auf den Prüfstand. Warum nicht ein gemeinsames Gutscheinheft zu Weihnachten mit Sonder-Rabatten ?, lautete ein Vorschlag Schwarzes. „Man muss die Leute in die Geschäfte kriegen.“

Ab einem gewissen Alter, träfen oft Kinder die Entscheidung, wo der Einkauf hingeht. Spielecken könnten auch die einrichten, die nichts für Kinder zu verkaufen hätten. Inhabergeführte Geschäfte dürften besonders, unverwechselbar „und vielleicht auch skurril sein“, meinte Schwarze. „Das A und O der Geschichte ist, Frequenz zu generieren.“

Dies könne in der warmen Jahreszeit auch durch eine gute Außengastronomie erreicht werden. Den Kirchplatz sieht Schwarze offenbar ebenso als Pfund, mit dem sich wuchern ließe. „Jetzt wo die Bäume gefällt sind, sieht man, wie groß der Platz ist und wie putzig die alten Häuser sind.“

IHGW-Vorsitzender Frank Büker hatte sich schon zu Beginn des Abends eine „gewisse Nachhaltigkeit“ von der Veranstaltung versprochen. Egal ob die Ratsentscheidung zu Rewe gut oder schlecht gewesen sei, die Kaufleute müssten nach vorne schauen. „Der Ortskern darf nicht in den Dornröschenschlaf verfallen.“ Gegebenenfalls ließen sich neue Strategien in Arbeitskreisen entwickeln. Dafür braucht Büker aber wohl mehr Unterstützer als die seiner vier Vorstandskollegen und einer Handvoll anderer Interessierter.

Die Interessengemeinschaft Handel und Gewerbe lädt am Donnerstag, 7. März, um 19.30 Uhr zur Generalversammlung in die Gaststätte Rieskamp-Goedeking ein.

(Frank Klausmeyer)


 


 

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