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  • 29.07.2013, 08:57 Uhr
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  • Münster
Pachtvertrag Zoo-Restaurant

Familienunternehmen Grohs muss nach 40 Jahren gehen

Aramark, eines der größten Catering-Unternehmen der Welt, wird künftig im Allwetterzoo Münster die Bewirtung der Gäste übernehmen. Der Pachtvertrag des bisher hier tätigen Familienunternehmens Grohs läuft zum Ende dieses Jahres aus.

Ferdinand Grohs erinnert sich noch genau an den 2. Mai 1974 – den Tag, an dem der Allwetterzoo an der Sentruper Straße eröffnet wurde. Tausende Gäste seien da gewesen, „und ich habe hinter der Theke gestanden und 80 Torten aufgeschnitten“, sagt er. Als 19-Jähriger begann Ferdinand Grohs, im Unternehmen seiner Familie auszuhelfen, das seit 39 Jahren die Gastronomie im Zoo betreibt. Eine Tradition, die in wenigen Monaten wohl zu Ende ist.

1981 stieg Ferdinand Grohs ins Unternehmen ein, den Betrieb kennt er aber von Anfang an. „Ich glaube nicht, dass wir in dieser Zeit alles schlecht gemacht haben“, sagt er. Und will sich Vorwürfe, dass mangelnde Qualität oder Hygiene dazu geführt hätten, die Zoo-Gastronomie neu auszuschreiben, nicht gefallen lassen. „Wir stehen unter ständigen Kontrollen und sind nie auffällig geworden.“

Der Abschied schmerzt, „ich hätte den Betrieb gerne an die dritte Generation weitergegeben“, sagt Grohs. Fast die ganze Familie arbeitet mit: Ferdinand Grohs‘ Ehefrau Maria ist geschäftsführende Gesellschafterin, Sohn Markus Assistent der Geschäftsführung, Tochter Michelle arbeitet in der Finanzbuchhaltung.

Bei der Ausschreibung hatte das Familienunternehmen gegen Aramark und einen weiteren Konkurrenten, der in die engere Auswahl gekommen war, den Kürzeren gezogen. Dabei habe es 2011 bereits Gespräche über eine Pachtverlängerung gegeben, sagt Grohs: „Bei der Ausschreibung sind wir dann nicht fair berücksichtigt worden.“ Fair wäre es seiner Meinung nach gewesen, das Angebot zumindest noch mündlich vortragen zu dürfen. Die Familie blickt jetzt in eine ungewisse Zukunft: „Unser Pachtvertrag ließ nicht zu, dass wir uns ein zweites Standbein aufbauen“, so Ferdinand Grohs. Noch hat er Hoffnung, dass er im Allwetterzoo zumindest einen Fuß in der Tür behalten kann, „dass man uns vielleicht noch ein, zwei Kioske überlässt, die wir weiter betreiben können.“ Die Geschäftsleitung des Zoos wolle mit der Firma Aramark darüber sprechen.

Unterschriftensammlung der Mitarbeiter

64 Mitarbeiter sind bei Grohs beschäftigt, sie kommen zusammen auf 32 Vollzeit-Stellen. Sie sorgen sich, beim Großkonzern Aramark „nur noch eine Nummer zu sein“, berichtet Grohs. Seine Mitarbeiter hätten einen Betriebsrat gegründet und bei den Zoobesuchern innerhalb von vier Wochen mehr als 1.200 Unterschriften gesammelt, die sie Zoodirektor Jörg Adler vorzeigen und Oberbürgermeister Markus Lewe übergeben wollen. „Die Besucher sollten unterschreiben, wenn sie mit unserer Arbeit zufrieden sind“, sagt eine Mitarbeiterin, die aus Sorge um ihren Arbeitsplatz nicht genannt werden will.

Was Aramark im Allwetterzoo plant, ist im Detail noch nicht bekannt. Laut Zoodirektor Adler soll die Gastronomie für einen hohen sechsstelligen Betrag umgebaut werden. Mehr will Aramark aber zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht verraten, teilt der Marketingleiter des Unternehmens, Dirk Geyer, auf Anfrage mit.

(Sandra Peter)


 


 

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