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  • 25.07.2013, 12:25 Uhr
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  • Münster
Passantenzählung 2013

Höhere Frequenzen in Nebenlagen

Passanten, die früher einen Schleichweg von der Ludgeristraße zum Stubengassenparkplatz nehmen wollten, tappten schon mal in die Sackgasse. Die namenlose Abzweigung endete dort, wo mehrere Jahrhunderte das Beginenhaus „Kloster Ringe“ (1329-1842) gestanden hatte. Erst das im Jahr 2009 eröffnete Hanse Carré schuf eine Verbindung, die in der Frequenzmessung der Wirtschaftsförderung Münster GmbH zu den großen Gewinnern zählt: die Beginengasse.

„Wir stellen fest, dass solche Nebenlagen bei Shoppingfans, Passanten und Touristen immer beliebter werden“, deutet WFM-Geschäftsführer Dr. Thomas Robbers die vom Institut für Geographie der Universität Münster erfassten Daten. „Die relativ neuen und etwas im Verborgenen liegenden Wege und Plätze bieten eine hohe Aufenthaltsqualität. Für den Einzelhandel und die Gastronomie ergibt sich großes Potenzial zur Erschließung zahlreicher Standorte in der City.“

Bahnhofsquartier steigert sich enorm

Während die Top-Einkaufsmeilen Ludgeristraße (1.), Prinzipalmarkt (2.) und Salzstraße (3.), auch als A-Standorte bezeichnet, seit Jahren am stärksten genutzt werden, sind beispielsweise die Beginengasse, Heinrich-Brüning-Straße und Windthorststraße stark im Kommen. Das Bahnhofsquartier steigert sich enorm. Und auch die Stubengasse und der Alte Fischmarkt legen im Vergleich mit den A-Standorten stark zu, worüber sich Münsters Stadtdirektor Hartwig Schultheiß sehr freut. Er will die Chancen der gesamten Innenstadt stärker nutzen. „Die Stubengasse und der Alte Fischmarkt sind Projekte von herausragender städtebaulicher Qualität. In Kombination mit Seite 2 von 5 attraktivem Handel verleihen sie der City eine einzigartige Dynamik.“

Durch städtebauliche Planung und Steuerung hat sich in der City ein Kreis von stark frequentierten Einkaufsstraßen um den historischen Stadtkern geschlossen – abwechslungsreiche Rundläufe haben sich etabliert. Das Hanse Carré und die Stubengasse bezeichnet Schultheiß daher als Paradebeispiel für nachhaltige städtebauliche Entwicklung. Weitere Wege durch die Stadt sowie noch nicht entdeckte Innenhöfe gelte es nun im Detail zu betrachten, um die Aufwertung voranzutreiben. „Neue Angebote ziehen Menschen an, wie die Frequenzmessung zeigt“, so Robbers. Angesichts dieses Potenzials in B-Lagen betrachten Robbers und Schultheiß den leichten Frequenzrückgang an der Ludgeristraße gelassen. „Das ist nicht dramatisch. Münsters Attraktivität resultiert aus vielen gut bis sehr gut frequentierten Straßen und Gassen. Von diesen qualitativ relevanten Lagen können andere Städte nur eine oder zwei aufweisen.“

Die Vermutung liegt nahe, dass das Ergebnis der Ludgeristraße auch durch die Bauarbeiten im Bereich Aegidiimarkt/Landesmuseum beeinflusst wird. Immerhin haben auch die Aegidiistraße, Rothenburg und Königsstraße bei den diesjährigen Messungen an Passanten eingebüßt. Gleichwohl ist eine Umkehr zu erwarten. Denn nach Fertigstellung des öffentlichen Raums zwischen Aegidiimarkt und Landesmuseum wird dieses Areal laut Schultheiß hohe Aufenthaltsqualität bieten und einen attraktiven Eingang zur Altstadt markieren: sei es über die Rothenburg oder die südlicher gelegenen Verbindungen Lütke Gasse, Aegidiikirchplatz und Krumme Straße.

Interessanterweise gehörten die Aegidiistraße, im 13./14. Jahrhundert als Rinstrate (Rheinische Straße) bekannt, wie auch die Krumme Straße zu einem belebten, frühmittelalterlichen Wegenetz in der Altstadt. Wie im Falle der Beginengasse hat auch dieses Quartier enormes Potenzial zur städtebaulichen Weiterentwicklung.

Passantenfrequenzmessung 2013

Messungen

Die Wirtschaftsförderung Münster GmbH beauftragte auch 2013 das Institut für Geographie der Universität Münster unter der Leitung von Dr. Christian Krajewski mit der Zählung der Passanten. Die Messungen in Münsters Innenstadt und dem Stadtteil Hiltrup erfolgten von 12 bis 13 Uhr am Donnerstag, dem 6. Juni 2013, und am Samstag, dem 8. Juni 2013.

Ein Plus an Passanten verzeichneten 2013: Prinzipalmarkt (2.), Stubengasse (5.), Heinrich-Brüning-Straße (8.), Windthorststr./Bahnhof (9.), Windthorststr./Raphaelsklinik (10.), Beginengasse/Hanse-Carré (14.), Alter Fischmarkt (15.) und Hörster Str. (22.) - Der Wert in Klammern zeigt Platzierung der Standorte im Ranking 2013.

Einen Rückgang an Passanten verzeichneten: Ludgeristraße I (1.), Ludgeristraße II (3.), Salzstraße I (4.), Klemensstraße (6.), Rothenburg (7.), Salzstraße II (11.), Windthorststr./Harsewinkelplatz (12.), Spiekerhof (16.), Königsstraße (18.), Verspoel (20.), Aegidiistraße (21.), Hörsterstraße (22.) - Der Wert in Klammern zeigt Platzierung der Standorte im Ranking 2013.

Ausfallstraßen

Erstmals sind 2013 drei zentrale Ausfallstraßen mit einem hohen Einzelhandelsbesatz in die Frequenzanalyse einbezogen worden. Die Hammer Straße weist gegenüber der Wolbecker Straße und der Warendorfer Straße die höchsten Frequenzen aus.

Nutzen der PassantenfrequenzmessungDie an den Zählpunkten erfassten Daten zeigen dem Einzelhandel und der Gastronomie die beliebten Aufenthaltsorte, Flaniermeilen und Wegebeziehungen auf. Zudem können Immobilieneigentümer und Investoren Vergleiche mit Einzelhandelslagen und Frequenzen in anderen Städten ziehen. Für den Städtebau sind die Frequenzen wichtige Indikatoren zur Bestimmung des Potenzials innerstädtischer Lagen. Der WFM dienen die Daten als Argumente bei der Vermittlung von Einzelhandelsflächen bzw. Ladenlokalen.

(Redaktion)


 


 

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