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  • 16.06.2014, 14:15 Uhr
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  • Münster / Münsterland
Pfingststurm-Schadensregulierung

Versicherer registrieren Millionenschäden durch Unwetter

Wintersturm Kyrill 2007, die Sommerstürme Manni und Andreas 2013 und jetzt der Pfingststurm, der allein bei der Westfälischen Provinzial mit mindestens 75 Millionen Euro zu Buche schlägt. Versicherungsexperte Karl Pfeifer registriert eine steigende Zahl von Schadensfällen und gibt Tipps, worauf Verbraucher bei der Schadensregulierung achten sollten.

Die Zahl der Unwetter, die erhebliche Schäden in der Region anrichten, steigt. Nach den Stürmen Manni und Andreas, die im vergangenen Jahr allein bei der Westfälischen Provinzial mit 87 Millionen Euro zu Buche schlugen, stehen nach dem Pfingststurm die Telefone bei Versicherern nicht mehr still.

Karin Höller sprach mit dem Hauptabteilungsleiter Leistung bei der Provinzial, Karl Pfeifer, über die Folgen der Sturmschäden, über mögliche Komplikationen bei der Schadensregulierung und darüber, wie Versicherte am besten vorgehen sollten.

Wie hoch sind die Schäden, die der Pfingststurm in Ihrem Geschäftsgebiet und speziell in Münster angerichtet hat?

Karl Pfeifer: Bislang sind uns 21.000 Schäden bekannt. Da aber noch nicht alle gemeldet wurden, gehen wir von rund 50.000 Schadensfällen aus. In Münster wurden uns von den Provinzial-Geschäftsstellen und den Sparkassen rund 1000 Schäden übermittelt. Es können aber 2500 bis 3000 werden. Bislang gehen wir von einem Gesamtschaden im Geschäftsgebiet von mindestens 75 Millionen Euro aus.

Sind die Schäden vergleichbar mit denen von Kyrill und dem Sommersturm Manni vom vergangenen Sommer?

Karl Pfeifer: Winterstürme wie Kyrill, der wie eine Walze durch ganz Deutschland zog, und uns rund 230 Millionen Euro Kosten verursacht hat, sind mit punktuell auftretenden Sommerstürmen, die auf Bäume in vollem Laub treffen und eher regional auftreten, nicht vergleichbar. Der Großteil sind diesmal Gebäudeschäden, weil beispielsweise Bäume auf Häuser fielen oder Dächer abgedeckt wurden. Die Aufräumkosten sind erheblich und werden in neueren Verträgen bis zu einer Summe von 3000 Euro übernommen.

Bietet eine Gebäudeversicherung in diesen Fällen immer Schutz?

Karl Pfeifer: Ja, wenn Gebäudebestandteile beschädigt sind. Es gibt aber Sonderfälle. Zum Beispiel, wenn Regen durch starke Windböen durch geschlossene Fenster gepresst wurde, wird der Feuchtigkeitsschaden nicht von der Gebäudeversicherung gedeckt. Was viele Eigentümer nicht wissen: Kellerüberflutungen durch Starkregen sind vielfach nicht durch die Gebäudeversicherung abgedeckt. Auf der sicheren Seite sind Kunden, die eine Elementarschadendeckung abgeschlossen haben.

Sieht es ähnlich bei Pkw-Versicherungen aus?

Karl Pfeifer: Bei der Teilkasko sind Elementarschäden mitversichert. Wer allerdings durch überflutete Durchfahrten prescht und einen Motorschaden riskiert, hat ein Problem. Denn Betriebsschäden, die vom Fahrer und nicht von Elementarereignissen ausgelöst wurden, werden nicht übernommen.

Angesichts der Vielzahl der Schadensmeldungen – müssen Betroffene derzeit lange auf Gutachter warten?

Karl Pfeifer: Natürlich kommt es derzeit zu Verzögerungen. Wir haben 75 Gutachter im Hause, die aber durch externe Experten verstärkt werden. Im Ruhrgebiet, das aktuell besonders stark betroffen ist, haben wir im Moment allein 1000 zu besichtigende Schäden. Ein großer Vorteil ist allerdings unser großes flächendeckendes Netz mit rund 450 Geschäftsstellen in Westfalen. Etwa 80 Prozent aller Schadensfälle bis 2000 Euro – und das ist die Masse – werden von den Geschäftsstellen und Sparkassen direkt reguliert. Nur größere Schäden werden über die Zentrale abgewickelt.

Wie können Versicherte die Abwicklung beschleunigen?

Karl Pfeifer: Hilfreich ist es, Fotos zu machen, damit die Geschäftsstellenleiter ermessen können, ob ein Gutachter eingeschaltet werden muss, Handwerker beauftragt werden müssen oder direkt reguliert werden kann. Wichtig: Die Kunden haben die Verpflichtung zur Schadensminderung, sollten also unverzüglich Maßnahmen einleiten, um Folgeschäden zu verhindern.

Ist abzusehen, dass wegen der Zunahme von Unwettern die Policen teurer werden?

Karl Pfeifer: Wenn wetterbedingte Ereignisse über Jahre regelmäßig zu höheren Schadensaufwendungen führen, wird sich dies auf Versicherungs-Prämien niederschlagen müssen.

(Karin Höller-Zwilling, WN)


 


 

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