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  • 17.05.2013, 08:47 Uhr
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  • Münster & Münsterland
Politische Verunsicherung

Genossenschaften beklagen Flaute bei der Öko-Energie

Die Diskussion über eine Strompreisbremse und Einschnitte bei der Ökostrom-Förderung sorgt aktuell für eine Flaute - auch wenn die Energiewende frischen Wind in den Bereich der Genossenschaften bringt.

So stellt sich das Thema für Ralf W. Barkey, Vorstandschef des Rheinisch-Westfälischen Genossenschaftsverbandes (RWGV) in Münster, dar.

80 Energiegenossenschaften, die große Wind-, Biogas- und Fotovoltaikanlagen oder Blockheizkraftwerke betreiben, gehören zum RWGV. Die Hälfte davon sei in den letzten eineinhalb Jahren entstanden – bis die Ökostrom-Förderung nach dem EEG novelliert wurde. Doch seit einem guten halben Jahr komme keine neue Genossenschaft – etwa für größere Fotovoltaik-Projekte – mehr hinzu. „Der weitere Ausbau wird durch die zunehmende politische Verunsicherung gebremst“, so Barkey. Ähnliches gelte für Biogasanlagen: „Durch die Gesetzänderung rechnen sich Biogasanlagen nicht mehr.“ Der Staat dürfe zugesagte Ökostrom-Förderungen nicht rückwirkend kürzen, forderte er.

Vorteile der dezentralen Energieversorgung

Die dezentrale Energieversorgung habe viele Vorteile – bis hin zur Akzeptanz. Denn Anwohner, die die Nachteile der Anlagen ertragen müssen, könnten auch finanziell profitieren. Barkey: „Der ländliche Raum und die Landwirtschaft sind treibende Kräfte bei der Umsetzung der Energiewende.“

Zugleich ist die Landwirtschaft ein Träger der regionalen Wirtschaft, erklärte Johann Prümers, Fachvorsitzender der landwirtschaftlichen Genossenschaften. So hätten die bäuerlichen Familienbetriebe im Kreis Steinfurt „in den vergangenen fünf Jahren jedes Jahr 180 Millionen Euro investiert.“

Sorge mache den Landwirten aber die Politik der Landesregierung. Die Bundesratsinitiative zur Nutztierhaltungsverordnung gehe „deutlich über das Ziel hinaus“. Hier solle „die Landwirtschaft massiv in der Erzeugung verändert werden in eine Richtung, die zum Teil nicht wissenschaftlich belegt ist“, klagte Prümers. Wenn von 700 befragten Landwirten im Kreis Steinfurt mit Blick auf neue Vorschriften zur Sauenhaltung 250 aufgeben wollten, dann „ist das kein Strukturwandel, sondern ein Strukturbruch“.

Natürlich habe der Schutz des Verbrauchers oberste Priorität, sagte Prümers mit Blick auf jüngste Lebensmittelskandale. Deshalb betrieben die Genossenschaften Qualitätssicherungssysteme. Die Reglementierung der Landwirtschaft durch die Politik müsse aber Grenzen haben. Statt immer mehr Kontrollen forderte Prümers, „Betrug auch so zu ahnden, dass dies nicht aus der Portokasse zu bezahlen ist“.

Barkey beobachtet derweil eine „ausgesprochen wohltuende“ Veränderung im Bewusstsein der Verbraucher. So mancher frage sich inzwischen, „ob man tatsächlich ein Kilogramm hochwertiges Rindfleisch für 1,69 € erwerben kann oder ob der Glaube daran nicht dem Glauben gleichkommt, dass die Erde eine Scheibe ist.“

Landwirtschaftliche Genossenschaften

  • 167 landwirtschaftliche Genossenschaften gibt es im Bereich des RWGV. Ihr Umsatz 2012 im landwirtschaftlichen Kerngeschäft (Futtermittel, Agrar- Erzeugnisse, Treibstoffe): 24,4 Milliarden € (plus 5,7 Prozent)
  • Umsatz der 67 Bezugsund Absatzgenossenschaften: 2,9 Milliarden € (plus 10,5 Prozent)

(Martin Ellerich)


 


 

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