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  • 11.03.2015, 11:22 Uhr
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  • Münster / Münsterland
Polizei Münster

Bei steigender Kriminalität mehr Fälle aufgeklärt

"Obwohl die Fallzahlen der Gesamtkriminalität gestiegen sind, haben die Ermittler im vergangenen Jahr mehr Straftaten geklärt", sagte der stellvertretende Behördenleiter Rainer Schieferbein heute (11.3.) bei der Vorstellung der Kriminalstatistik 2014 in Münster. Die Zunahme um 1.095 geklärte Fälle führt zu einer Aufklärungsquote von 43,1 Prozent.

Mit 15.978 Fällen stellen die Eigentumsdelikte mehr als die Hälfte (52,4%) der 30.505 Straftaten des letzten Jahres dar. Nach wie vor ist der Fahrraddiebstahl das häufigste Delikt in der Fahrradstadt Münster, jeder vierte Diebstahl betrifft die Leeze. Während die Fallzahlen beim Fahrraddiebstahl seit Jahren rückläufig sind, registrierte das Polizeipräsidium Münster mehr Wohnungseinbrüche und Taschendiebstähle. Deutlich angestiegen ist die Zahl der PKW Aufbrüche.

In der Vergangenheit handelten Diebe regelmäßig allein, gegenwärtig erkennen die Beamten selbst bei einfachen Straftaten organisierte Strukturen. "Früher hat der Einbrecher oder Dieb selber für den Vertrieb seiner Beute gesorgt, heute kümmern sich zunehmend Hintermänner darum", erklärte der leitende Polizeidirektor. "Solche Banden organisieren sich arbeitsteilig und erschweren die polizeilichen Ermittlungen." Bereits im letzten Jahr hatte die Polizei mit der Konzentration spezialisierter Ermittler in einer Kommission auf dieses Phänomen beim Wohnungseinbruch reagiert. "Die Einrichtung der 'EK Beis' und die gezielten Maßnahmen gegen Taschendiebe in Diskotheken und auf dem Weihnachtsmarkt haben sich bewährt", resümierte Schieferbein. "Wir reagieren auch künftig schnell und flexibel, sobald wir neue Begehungsformen und Täterstrukturen erkennen."

Ermittlungskommission "Beis"

Die Ermittlungskommission "Beis" bearbeitet die Wohnungseinbrüche in Münster, die Kriminalstatistik 2014 weist 1.003 Fälle aus. Alle relevanten Informationen zu Tätern, Begehungsformen und Beute laufen hier zusammen. "Die 'EK Beis' hat im letzten Jahr 113 Wohnungseinbrüche aufgeklärt. Unsere Spezialisten arbeiten dabei im ständigen Austausch mit anderen Behörden", erläuterte Kriminaloberrat Rainer Kratz. Im September 2014 haben Beamte nach intensiven Ermittlungen zwei 33 und 37 Jahre alte Einbrecher aus Münster festgenommen. Die beiden Männer müssen sich zurzeit wegen zahlreicher Einbrüche in Münster, den Kreisen Steinfurt und Warendorf sowie dem Osnabrücker Land vor dem Landgericht verantworten.

Im November 2014 gelang es der "EK Beis" eine 11-köpfige Einbrecherbande aus Münster zu überführen. Die Täter sind für 21 Einbrüche in Münster, Lingen und in den Kreisen Steinfurt, Coesfeld und Warendorf innerhalb von nur 4 Wochen verantwortlich. "Bei ihren Einbrüchen hatten es die heranwachsenden Wohnungseinbrecher auf Schmuck, Bargeld, Handys und Elektronikgeräte abgesehen", erklärte der stellvertretende Kripochef. "Auch dieses Verfahren wird aktuell vor dem Landgericht verhandelt."

Rund 40 Prozent aller Wohnungseinbrüche scheitern. Die Einbrecher treten ohne Beute den Rückzug an. Sie kapitulieren vor den technischen Sicherungen oder werden durch aufmerksame Menschen gestört. Einbrecherbanden wirkungsvoll einen Riegel vorschieben, bedeutet Wohnung sichern, aufmerksam sein und bei verdächtigen Beobachtungen den Notruf 110 wählen.

Einbrecher gehen nicht nur Wohnungen an. Im Februar 2014 verübten mehrere Täter einen Blitzeinbruch in eine Spielhalle an der Weseler Straße. Zwei Niederländer gerieten ins Visier der Kriminalbeamten. Im Rahmen der Ermittlungen verdichteten sich Hinweise auf ähnliche Taten im Emsland und in den Kreisen Borken und Steinfurt. Die "EK Flipper" übernahm in Abstimmung mit dem LKA die landes- und bundesweite Ermittlungsarbeit. "Tatverdächtig sind 6 Männer aus dem niederländisch-deutschen Grenzgebiet. Sie werden für 41 Spielhalleneinbrüche im gesamten Bundesgebiet verantwortlich gemacht", äußerte sich Kratz zum Ermittlungserfolg.

Taschendiebe

Internationale Bezüge und verschiedene Nationalitäten begegnen den Polizisten immer wieder in ihrer Arbeit. Das zeigen auch die jüngsten Festnahmen von Taschendieben auf frischer Tat. "Tätergruppen unterschiedlicher Herkunft nutzen die Antanz-Masche in und vor Diskotheken, suchen gezielt Kontakt zu ihren Opfern und erschleichen sich so falsches Vertrauen. In vielen Fällen fällt den Geschädigten der Diebstahl des Handys oder der Geldbörse erst deutlich später auf", beschrieb der Kriminaloberrat den typischen Taschendiebstahl. Am vorletzten Wochenende nahmen Zivilfahnder 5 "Antänzer" auf frischer Tat fest. Die Opfer hatten den Diebstahl ihres Mobiltelefons oder ihrer Geldbörse noch nicht bemerkt. Taschendiebstahl wurde im vergangenen Jahr 2.165 mal angezeigt, eine Zunahme um 56 Fälle. "Besonders erfreulich ist der Rückgang von Taschendiebstählen auf dem Weihnachtsmarkt", sagte Rainer Kratz. "Die Reduzierung der Dezemberzahlen von 236 im Jahr 2013 auf aktuell 161 Fälle zeigt, dass Präsenz und gezielte Präventionsarbeit die Fallzahlen senken."

Kampagne "Lass dich nicht abzocken" in Diskotheken

Die Kampagne "Lass dich nicht abzocken" richtete sich im Herbst an junge Diskothekenbesucher und warnte vor der Antanz-Masche. "Unsere Plakate haben die Zielgruppe erreicht, landeten - wenn auch ironisierend - in einer bundesweiten Fernsehshow", erklärte der Kriminaloberrat. "In der Folge scheiterten die Taschendiebe häufiger am gesunden Misstrauen der Partygänger." Das trug auch dazu bei, die Aufklärungsquote in diesem Delikt von rund 8 Prozent auf 13 Prozent zu steigern.

Nach einem deutlichen Rückgang im Jahr 2012 und 2013 stiegen die Fallzahlen des Diebstahls aus Kfz 2014 wieder auf das Niveau der Jahre 2009 bis 2011. Die Fallzahl liegt aktuell bei 1.650 Fällen, eine Zunahme von 535 Delikten. "Die Polizei hat es hier mit zwei unterschiedlichen Tätertypen zu tun" erläuterte der stellvertretende Kripochef. "Organisierte Banden überwiegend aus dem osteuropäischen Raum stehlen auf Bestellung hochwertige Fahrzeugteile wie Lenkräder, Scheinwerfer oder Navigationsgeräte aus Fahrzeugen der Oberklasse." Die Täter suchen gezielt Autohäuser und bestimmte Fahrzeugtypen aus und gehen in einer Nacht bis zu 20 Fahrzeuge an.

Örtliche Täter orientieren sich bei ihren Autoaufbrüchen eher daran, was sie von außen im Fahrzeug sehen. Viele Autobesitzer lassen Wertsachen wie Notebooks, Handys, Geldbörsen und auch hochwertige Kleidung für jedermann sichtbar in ihren Autos zurück. "Diebe nutzten jede Gelegenheit, um schnelle Beute zu machen", sagte Kriminaloberrat Kratz. "Wir können hier nur an die Eigenverantwortlichkeit appellieren. Ein Auto ist kein Tresor!"

Die übrigen Delikte der Kriminalstatistik 2014 verteilen auf Vermögens- und Fälschungsdelikte (15,7%), sonstige Straftaten (15,4%), Rohheitsdelikte (10,7 %) und sogenannte strafrechtliche Nebengesetzte (5,43 %). Sexualstraftaten und Straftaten gegen das Leben machen zusammengerechnet 0,5 Prozent aller in Münster registrierten Delikte aus.

Bei einem Großteil der Vermögens- und Fälschungsdelikte handelt es sich um Scheckkarten- (1.779) und Computerbetrug (413). Dazu zählen auch 683 Delikte der sogenannten Wirtschaftkriminalität.

Sonstige Straftaten sind überwiegend Sachbeschädigungen (2.863) einschließlich Graffiti (452).

Gewalttaten

Mit einem Anteil von zwei Dritteln beeinflusst die Körperverletzung die Rohheitsdelikte am stärksten (2.161), berücksichtigt sind in dieser Gruppe auch Raubstraftaten (266) und Delikte wie Bedrohungen, Nötigungen und Nachstellungen (801).

"Räuber suchen sich für Überfälle ihre Opfer spontan aus. Der Angriff kommt überraschend und endet schnell. Die Opfer sind deshalb oft nicht in der Lage, die Täter zu beschreiben oder wiederzuerkennen", erläuterte Kratz abschließend. "Wir sind bei Überfällen immer auf Zeugenaussagen angewiesen. Selbst kleine Hinweise oder verdächtige Beobachtungen können der Polizei bei ihren Ermittlungen helfen."

(ots / Polizei Münster)


 


 

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