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  • 31.07.2015, 09:50 Uhr
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  • Münster / Münsterland
Positiv denken

Meldungen mit dem Blick nach vorne

Positiv denken, bringt weiter. Negativ denken bringt Depressionen. Junge Gründer aus Münster wollen mit ihrem neuen Portal konstruktive Nachrichten unters Publikum bringen.

Schlechte Nachrichten, sagen manche in der Nachrichtenbranche, sind gute Nachrichten. Stimmt nicht, sagen Maren Urner (30), Han Langeslag (31) und Bernhard Eickenberg (30). Als Jung-Unternehmer wollen sie auf ihrer Internet-Plattform „positivedaily.de“ Meldungen mit dem Blick nach vorn schreiben, für die Zukunft.

Maren Urner: „Unsere Nachrichten sind nicht: Katze vom Baum gerettet.“ Ihr geht es um Berichte, die weniger an Katastrophen und mehr an Krisen-Lösungen interessiert sind. „Konstruktiver Journalismus“ eben.

In London wird dies neuerdings Journalistik-Studenten beigebracht. Dort haben Urner und Langeslag promoviert. Allerdings im Fach Neuroscience, der Wissenschaft, die sich damit befasst, wie im Gehirn Wahrnehmungen, Verständnis und Gewohnheiten entstehen. Mitgründer Bernhard Eickenberg ist ein promovierter Physiker.

In der Gründergarage an der Mendelstraße, die von Aschendorff Digital gefördert wird, arbeiten der Niederländer Langeslag und die Ostwestfälin Urner an ihrer Online-Plattform. Unterstützt werden sie von einem Netzwerk aus Wissenschaftlern, Medien-Leuten und Unternehmern. In Dänemark, USA, Schweden, England und Frankreich gibt es ähnliche Ansätze.

Die tägliche Schreckens-Nachrichten ließen Leser und Zuschauer oft hilflos oder zynisch zurück. „Beim Konsumenten führt diese Negativbelastung zu Stress, Hilflosigkeit und Zynismus“, sagt Maren Urner. Am Ende würden sich immer mehr Menschen von den Katastrophen-Medien abwenden – und seien gar nicht informiert.

An der Art, wie heute Nachrichten verkauft würden, kritisiert sie: „80 Prozent der Fragestellungen sind rückwärtsgewandt.“

Positive Daily will das Gegenteil. Studien zeigten, sagt Urner, dass Texte mit Perspektiven öfter geteilt und zu mehr Handlungsbereitschaft führen würden.

In einer Zeit, in der es um Klimawandel, Ungleichheit, Ressourcen-Knappheit gehe, müsse man zeigen, dass die Wissenschaft Auswege bereits kenne. „Die Veränderung muss in den Köpfen stattfinden: Das Wissen und die Technik für zukunftsfähige Veränderungen sind da“, sagt Han Langeslag. „Wir wollen Teil des Wandels sein.“

Statt eines Sperrfeuers von Kurzmeldungen setzen die Wissenschaftler auf ausführliche Berichte, medial erweitert und fachkundig untermauert. Und nur auf einen Artikel pro Tag – plus kurzer Notizen.

Ob sich das trägt? In den Niederlanden, sagen die Gründer, gebe es eine ähnliche Plattform bereits im zweiten Jahr. Sie finanziert sich durch die Jahresgebühr der 33.000 Abonnenten. Urner: „Ob das in Deutschland auch möglich ist, wird sich zeigen.“ In der Startphase hilft erst einmal ein EXIST-Stipendium vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie.

(Günter Benning, WN)


 


 

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