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  • 20.05.2015, 09:45 Uhr
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  • Münster / Münsterland
Poststreik

Post-Zusteller bangen um ihre Existenz

30 Briefe bekommt das Gerüstbau- und Malerunternehmen Jungenblut üblicherweise am Tag. Wegen des Poststreiks kam das letzte Schreiben am 11. Mai an. Also am Montag vor einer Woche. Seitdem bleibt der Briefkasten leer. Keine Rechnung, keine Karte, kein Brief.

„Das ist eine bodenlose Unverschämtheit. Kunden rufen uns an und fragen uns, ob wir kein Angebot abgeben wollen. Dabei werden die Unterlagen nicht zugestellt“, ärgert sich Rolf Jungenblut. Nur private Briefdienstleister stellen noch zu, sagt Jungenblut. Noch mehr auf die Palme bringt den Unternehmer, dass er vom Büro an der Fuggerstraße in Hiltrup direkt auf eine Poststelle schaut. „Doch das hilft mir auch nichts.“

Konkrete Hilfe ist sowieso nicht in Sicht. „Die Kunden müssen sich bei Verdi beschweren. Wir versuchen alles, die Folgen dieses Streiks so gering wie möglich zu halten“, beantwortet Dieter Pietruck eine entsprechende Anfrage. Der Post-Pressesprecher in Düsseldorf hält es aber für „schlicht unmöglich“, dass jemand so lange keine Post bekommen haben soll.

„Natürlich gibt es sicher auch in Münster ein paar Rückstände. Das tut uns leid. Aber wir sind da nicht in der Haftung, ein Streik ist eben höhere Gewalt“, heißt es im Hinblick auf Auswirkungen durch verspätete Verträge, versäumte Einladungsfristen und ähnliche Ärgernisse. Ein Bürger aus dem münsterischen Stadtteil Gelmer zum Beispiel wartet seit einer Woche auf Post der Rentenversicherung aus Berlin: „Die hätten ja besser eine Schnecke auf den Weg schicken können.“ Pietruck bleibt dabei: „Die Masse der Briefe ist zugestellt worden.“

"Tausende von Briefen liegen in den Depots"

Insider und Vertreter der Gewerkschaft bezweifeln das: „Wir wissen, dass in den Depots auch in Münster Tausende von Briefen liegen“, sagen sie.

Während die Post über ihren Pressesprecher mitteilen lässt, sie könne die Beweggründe dieses Streiks nicht verstehen, vermittelt Benedikt Lutter-Gras (Verdi) deutlich, welche Ängste bei den Beschäftigten den Ausschlag gegeben haben, in den bisher viertägigen Ausstand zu treten. „Die Post als Arbeitgeberin beharrt darauf, eine Fremdvergabe in allen Sparten ab 1. Januar 2016 möglich zu machen. Da geht es für die Mitarbeiter um alles oder nichts, denn werden die Dienste ausgelagert, ist der Haustarif hinfällig und die finanziellen Einbußen der Einzelnen sind beträchtlich. Da geht es um Existenzen“, erläutert er.

(Martina Döbbe, Ralf Repöhler, WN)


 


 

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