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  • 23.07.2014, 09:19 Uhr
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  • Münster / Münsterland
Private Vorsorge

Staat hilft bei Pflegebedürftigkeit oft nicht ausreichend

Wer ausschließlich auf den Staat vertraut, ist schlecht beraten, da sind sich alle Experten einig. Nicht nur die allgemeine Vorsorge für das Alter, auch die Möglichkeit am Ende des Lebens, auf Pflegedienste angewiesen zu sein, muss schon in jungen Jahren in die Finanzentscheidungen einfließen.

Hier die wichtigsten Fragen und Antworten zum Thema private Pflegevorsorge:

Sollte ich überhaupt eine Zusatzversicherung abschließen?

Die Kosten für eine gute Versorgung im Pflegefall werden in Zukunft sicher nicht geringer. Wer im Alter nicht auf die Kinder oder auf das Sozialamt angewiesen sein möchte, kann mit einer privaten Pflegezusatzversicherung vorsorgen.

Allerdings wird die private Vorsorge von einigen Versicherungsberatern auch für unnötig gehalten. Deren Argument lautet: Pflegebedürftige Menschen geben weniger Geld für Konsumgüter aus und können deshalb ihre Pflege mit ihrer Rente oder ihren Ersparnissen finanzieren. Wichtiger sei eine ausreichende Altersvorsorge. Die Verbraucherzentrale Niedersachsen in Hannover hat eine klare Gegenmeinung: „Grundsätzlich ist der Abschluss einer privaten Pflegezusatzversicherung für viele Menschen sinnvoll. Denn die Leistungen der gesetzlichen Pflegeversicherung sind in der Regel nicht kostendeckend.

Welche privaten Zusatzversicherungen gibt es?

Für Mitglieder der sozialen Pflegeversicherung besteht die Möglichkeit, eine private Pflegezusatzversicherung abzuschließen. Diese Zusatzversicherungen sollen das Risiko privater Zuzahlungen abfangen oder abmildern. Es gibt drei Arten von Pflegezusatzversicherungen: die Pflegerentenversicherung, die Pflegekostenversicherung und die Pflegetagegeldversicherung.

Die Verbraucherzentrale Hamburg favorisiert klar das Tagegeld: „Damit kommt man am besten weg“, ist sich eine Sprecherin sicher. Wie viel Geld ein Mensch im Pflegefall tatsächlich braucht und ob dafür eine Zusatzversicherung sinnvoll ist, hänge letztlich aber von der individuellen Lage ab. So könne ein Alleinstehender seine durchschnittlichen Rente auch für die Pflege einsetzen – und komme damit hin. Im Fall eines Ehepaars, von dem ein Partner ins Heim geht, während der andere weiter Miete für die Wohnung zahlt, könne es eng werden. Aber auch hier hänge es von dem persönlichen Vermögen ab, ob eine Zusatzversicherung sinnvoll sei, betonen die Verbraucherschützer.

Wie hoch ist die staatliche Förderung der privaten Pflegezusatzversicherung?

Wenn die Pflegezusatzversicherung bestimmte Bedingungen erfüllt, kann der Versicherte, der ergänzend zur gesetzlichen Pflegeversicherung privat vorsorgt, eine staatliche Zulage von fünf im Monat, also jährlich 60 , bekommen. Dies soll ein Anreiz zur Eigenvorsorge sein.

Wann besteht nach Vertragsabschluss ein Anspruch auf Geldleistungen?

Mit dem Vertragsabschluss beginnt zunächst eine Wartezeit, die jedoch nicht länger als fünf Jahre währen darf. Erst nach Ablauf dieser Wartezeit kann im Pflegefall die Leistung beansprucht werden.

Wie hoch wird die Versicherungsprämie sein?

Die Kalkulation der Beiträge der staatlich geförderten Pflegezusatzversicherung erfolgt durch die Versicherungsgesellschaften – unterscheidet sich daher stark. Ein Beispiel: Schließt ein 30-Jähriger einen Vertrag ab, erhält er für 15 Monatsbeitrag im Pflegefall bei den meisten Anbietern über 828 (Pflegestufe III).

Werden auch bereits bestehende Pflegezusatz-Policen gefördert?

Eine staatliche Förderung für bereits im Jahr 2012 bestehende Pflegezusatzversicherungen ist nur möglich, wenn diese Verträge die gesetzlich geforderten Voraussetzungen erfüllen. Gegenwärtig bestehen knapp zwei Millionen private Pflegezusatzversicherungen. Die meisten erfüllen die Fördervoraussetzungen nicht. Ein Wechsel in einen geförderten Vertrag kann jedoch im Einzelfall möglich sein.

Werden auch Personen gefördert, die in der privaten Pflegepflichtversicherung abgesichert sind?

Eine staatliche Förderung einer Pflegezusatzversicherung erfolgt auch bei Personen, die eine private Pflegeversicherung haben.

Können auch Kinder die staatliche Förderung erhalten?

Nein, Kinder können keine staatliche Förderung erhalten; diese beginnt erst ab dem 18. Lebensjahr.

Wie werden Beamte gefördert?

Eine Unterscheidung zwischen Beamten und Angestellten ist im Gesetz nicht vorgesehen.

(Jürgen Stilling, WN)


 


 

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